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Die Frau, die RTL absagte

Susanne Schöne aus Dresden war fest als neue „Bachelorette“ in der TV-Show eingeplant. Dann kam ihr was dazwischen.

© Kern

Von Henry Berndt

Sie sah sich schon auf roten Teppichen wandeln, Häppchen auf Fernseh-Galas naschen und auf dem Cover der „Gala“. Bald schon wäre der Name Susanne Schöne in einer Reihe mit Daniela Katzenberger und Monica Ivancan genannt worden. Mindestens. Vor zwei Wochen entschied sich RTL, die 31-jährige Dresdnerin zu seiner neuen „Bachelorette“ zu machen. In dieser dokumentarisch angehauchten TV-Show kämpfen ab Sommer 20 Männer um das Herz einer Frau, die nach Lust und Liebe Rosen verteilt oder die Bewerber in die Wüste schickt. Eben erst krallte sich in der männlichen Variante „Der Bachelor“ Christian Tews eine andere Dresdnerin, Katja Kühne. Die TV-Quoten waren ok, höchste Zeit also für die zweite Staffel der „Bachelorette“. Blöd nur, dass die Auserwählte plötzlich anderes vor hat.

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„Schon im Oktober hat RTL mich angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte“, sagt Susanne Schöne. Dreimal habe man sie zuvor für die Mädchenschar beim männlichen „Bachelor“ anwerben wollen, doch sie habe immer abgesagt. Diesmal aber fühlte sie sich wirklich geschmeichelt. „,Die Bachelorette‘ ist das einzige Format im deutschen Fernsehen, in dem eine Frau mal richtig hofiert wird“, sagt sie. „Ich wäre da ganz sicher mit einem guten Image rausgegangen.“ Und Image ist viel wert für ihre erhoffte Karriere, um nicht zu sagen: Image ist alles.

„Das frustriert extrem“

Seit sieben Jahren arbeitet Susanne Schöne nach ihrem Studium der Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Soziologie als Moderatorin. Bis 2009 war sie beim damaligen Bezahlsender Premiere sogar mit drei eigenen Sendungen im Fernsehen zu sehen. Dann machte sie sich selbstständig. In diesen Tagen moderiert sie viermal am Tag Veranstaltungen für Audi in München. Auch als Model wird sie regelmäßig gebucht, etwa von Orsay und Esprit. Damit könnte man zufrieden sein, doch die Dresdnerin mit den leuchtend grünen Augen will mehr. „Ich will zurück ins Fernsehen“, sagt sie. „Immer nur diese kleinen Shows, das frustriert einen über die Jahre doch extrem.“

Liebend gern hätte ihr RTL nun diesen Wunsch erfüllt. Gegen Tausende andere Kandidatinnen hatte sie sich im Vorausscheid durchgesetzt. Erst hatte sie mit dem Handy ein Bewerbungsvideo im Garten aufgenommen, dann folgte ein zweistündiges Telefoninterview. Im November drehte sie in Dresden ein professionelles Video und schickte es nach Köln. Dann hörte sie lange nichts mehr. „Ich habe den Gedanken auch lange weggeschoben“, sagt sie, bis die Zusage kam. Schon Ende April sollten die Dreharbeiten für die neue „Bachelorette“-Staffel starten. Vorher wollte die Redaktion noch ein dreitägiges Porträt mit ihr drehen. Stattdessen ereilte den bemitleidenswerten RTL-Redakteur nun die plötzliche Absage von Susanne Schöne.

Sie will nicht mehr teilnehmen an der Show, in der sie ihre vermeintlich große Liebe finden sollte – denn das hat sie nun dummerweise schon. Der Münchner Künstler Markos Aristides Kern ist der Mann ihrer Wahl. „Wir haben uns vor vier Jahren kurz kennengelernt, aber erst jetzt im Januar in Dresden wiedergetroffen“, sagt Susanne Schöne. In Sachsen ist Kern kein Unbekannter. Im März illuminierte der Gründer der Agentur Visual Drugstore testweise das Georgentor des Dresdner Schlosses. Im Oktober will er für das Festival „Dresden Reflect“ die ganze Altstadt erstrahlen lassen.

Schon jetzt zum Strahlen bringt Kern die Beinahe-Bachelorette Susanne. Im zweiten Anlauf funkte es zwischen den beiden, seit vier Monaten sind die beiden ein Liebespaar. Nur von der Sache mit der TV-Show war Kern nicht allzu sehr begeistert. „Ich hätte uns verraten, wenn ich dort mitgemacht hätte“, sagt Susanne brav. „Das kam für mich nicht infrage.“

Ein wenig Publicity wollten die beiden dann aber doch mitnehmen, und so platzierten sie ihre herzerwärmende Liebesgeschichte erst in der „Bild“ und dann in so ziemlich jedem bunten Magazin des Landes. Die sichere B-Promi-Karriere für die wahre Liebe geopfert – das klingt einfach zu schön, auch wenn nicht wenige Freunde das Paar für verrückt erklärten. Warum nur wolle sie nicht trotzdem in der RTL-Show mitspielen, von der doch sowieso jeder weiß, dass dort in der Regel keine echten Gefühle produziert werden? „Wir sind beide irrsinnig moralische Menschen“, sagt Susanne Schöne. „Es gab nur diesen Weg. Jetzt bin ich mit mir im Reinen.“

Ihre TV-Karriere will sie damit aber noch lange nicht abschreiben. „Ich weiß, was ich kann, und ich werde das schaffen“, sagt sie. Nur bei RTL hat sie nun vermutlich vorerst schlechte Karten. Irgendwie muss es der Kölner Privatsender diesmal versäumt haben, seiner Favoritin frühzeitig einen Vertrag mit der üblichen Verschwiegenheitsklausel vorzulegen. Nun hat er den Salat – nimmt die Absage aber sportlich. „Es freut uns, dass Frau Schöne ihre Liebe gefunden hat“, sagt RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer vielsagend. „Unsere Bachelorette, die erst im Sommer bekannt gegeben wird, sucht ihre große Liebe noch.“