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Die 5 wichtigsten Antworten zum Trainerwechsel

Markus Kauczinski spricht bei seiner Präsentation auch unangenehme Dinge an – und kommt erst mal allein nach Dresden.

Von Daniel Klein
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Der Frage-Antwort-Marathon endete für Markus Kauczinski auch nach der 45-minütigen Pressekonferenz noch nicht. Danach waren die TV-Sender an der Reihe.
Der Frage-Antwort-Marathon endete für Markus Kauczinski auch nach der 45-minütigen Pressekonferenz noch nicht. Danach waren die TV-Sender an der Reihe. © René Meinig

Der erste Auftritt als Dynamo-Trainer dauert 45 Minuten, eine Halbzeit also. Die Pressekonferenz zu seiner Präsentation als Dynamos neuer Cheftrainer nutzt Markus Kauczinski, um sich, seine Ideen und Prinzipien vorzustellen.

Das macht er genauso geschickt wie sympathisch. Als Heilsbringer verkauft sich der 49-Jährige, der im April vom FC St. Pauli entlassen worden war, dabei nicht, sondern spricht auch unbequeme Wahrheiten aus. „Der Abstiegskampf wird bis zum letzten Spieltag gehen“, erklärt er. „Und wir müssen lernen, mit dieser Situation umzugehen.“ 

Das wird Kauczinski auch der Mannschaft sagen, bei der er sich am Mittwoch vor dem ersten gemeinsamen Training um 14 Uhr vorstellt. Viel Zeit bleibt also nicht bis zu seinem ersten Einsatz an der Seitenlinie am Sonntag bei der Auswärtspartie in Osnabrück. Die fünf Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Verpflichtung des neuen Trainers:

War Kauczinski die erste Wahl bei der Trainersuche?

Offensichtlich ja. Laut Sportvorstand Ralf Minge rief er Kauczinski vorige Woche Montag das erste Mal an, am Tag der Entlassung von Cristian Fiel also. „Es war der erste Anruf und die erste Kontaktaufnahme“, versichert Minge. Am Dienstagmorgen um vier Uhr setzte sich Kauczinski in Karlsruhe, wo er mit seiner Frau und dem 20-jährigen Sohn lebt, ins Auto und düste nach Dresden. Minge wertet diese außergewöhnliche Abfahrtszeit als Zeichen, dass „das eine gute Geschichte werden könnte“. Er nannte drei Kriterien, warum die Wahl auf den gebürtigen Gelsenkirchener fiel: „Ligakenntnis, Erfahrung mit vergleichbaren Situationen und Beispiele, dass er junge Spieler besser machen kann.“

Kauczinski wiederum hat überzeugt, dass er in den Gesprächen das Gefühl bekommen habe, hier „trotz der schwierigen Lage etwas bewegen zu können. Da war eine Zukunft zu sehen, eine langfristige Idee, eine Vision.“ Wiederholt spricht er vom Potenzial des Vereins. Das sieht er vor allem darin, „dass man junge, talentierte Spieler überzeugen kann, hier gut aufgehoben zu sein, und sie hier Schritte machen können, um zu reifen“. Kurz- und mittelfristig jedoch sei der Klassenerhalt das Ziel. „Die Situation ist nicht ausweglos“, findet er.

Wer wird am Sonntag neben ihm auf der Trainerbank sitzen?

Nur Heiko Scholz, der vorige Woche Dienstag als Interimslösung und langfristig als Assistent im Trainerstab präsentiert worden war. Kauczinski und Scholz kannten sich vorher nicht. „Ich habe einen sehr positiven Eindruck von ihm“, erklärt der neue Chefcoach. Einen zweiten Co-Trainer bringt er nicht mit. „Wir werden uns das jetzt zwei Wochen anschauen und dann in der Winterpause analysieren, ob wir jemanden dazuholen – und falls ja, wen“, sagt Kauczinski. Scholz soll vorrangig für die Entwicklung von Talenten zuständig sein, die bessere Verzahnung zwischen den Junioren und dem Profiteam. Gut möglich also, dass noch ein neuer Assistent verpflichtet wird.

Gibt es bereits andere Personalentscheidungen?

Noch nicht. Die Frage etwa, ob es bei den Kapitänen, Vorgänger Fiel hatte gleich vier bestellt, Veränderungen gibt, soll auch erst in der Winterpause geklärt werden. „Das ist momentan nicht das Entscheidende“, so Kauczinski. Ebenfalls offen blieb, ob der Kapitän von der Mannschaft gewählt wird, oder ob ihn der Trainer bestimmt. „Ich habe beides schon gemacht.“

Für Neuverpflichtungen hatte Minge kürzlich bei der Mitgliederversammlung 1,7 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Wie die am besten angelegt werden könnten, darüber hat der neue Trainer offenbar schon erste Vorstellungen. Konkret wird er aber nicht. Nicht nur an dieser Stelle betont Kauczinski, dass er zunächst die Mannschaft richtig kennenerlernen und jedem Einzelnen eine Chance geben möchte. „Ich traue dem einen oder anderen zu, da wieder rauszukommen. Sie haben ihr Talent ja auch schon gezeigt. Aber natürlich schauen wir in jede Richtung, haben hier und da auch schon einen Fuß in der Tür.“

Mit welcher Taktik will er Dynamo künftig spielen lassen?

Auf ein bestimmtes System möchte sich Kauczinski nicht festlegen. „Entscheidend ist jetzt, dass man das findet, was der Mannschaft Sicherheit und Stabilität gibt, mit dem sie sich am wohlsten fühlt. Ich will mich nicht ausleben und nicht profilieren.“ Prinzipiell wünscht er sich da Flexibilität, aber in den letzten beiden Spielen bis zur Winterpause ist das noch nicht umsetzbar. „Wir müssen erst einmal ein System einstudieren.“

Wie lange läuft der Vertrag des neuen Cheftrainers?

Bis Juni 2021, also dem Ende der nächsten Saison. Ob das Arbeitspapier auch in der 3. Liga gilt, will Minge so konkret nicht beantworten. „Natürlich sind wir nicht blauäugig. Da gibt es eine juristisch belastbare Option, die die weitere Zusammenarbeit ermöglicht“, sagt er und meint wohl schlicht: ja. Damit hat Dynamo nun drei Cheftrainer unter Vertrag – neben Kauczinski und Fiel auch noch Maik Walpurgis. Oder doch nicht? Minge spricht lediglich von Regelungen in den modernen Verträgen, die automatisch greifen. Das soll wohl heißen, dass die Abfindungsmodalitäten vor der Unterschrift geregelt sind. Kauczinski musste seinen Vertrag bei St. Pauli aber erst auflösen, bevor er nach Dresden kam.

In voller Länge: Kauczinskis erste Dynamo-Pressekonferenz