SZ +
Merken

„Die Fusion hat uns stärker gemacht“

Nach dem Zusammenschluss mit Triebischtal kann Klipphausen 2014 zehn Millionen investieren. Doch Wünsche bleiben offen.

Teilen
Folgen
© hübschmann

Die Gemeinde Klipphausen will am 4. Februar den Haushalt 2014 beschließen. Kämmerin Silvia Kunas spricht über geplante Investitionen, Steuern und Schulden, über Doppik und anderes und sagt auch, wie sich die Fusion mit Triebischtal im diesjährigen Haushalt widerspiegelt.

Frau Kunas, Sie hüten die Finanzen. Was kann sich Klipphausen denn in diesem Jahr leisten?

Wir sind froh, dass es eine ganze Menge ist. Gegenüber 2013 können wir sogar noch zulegen. Allein zehn Millionen Euro wollen wir investieren. Das sind 1,4 Millionen mehr als im Vorjahr. Hinzu kommen noch 18 Millionen Euro für die Schadensbeseitigung des Juni-Hochwassers vom vergangenen Jahr. 2014 werden wir davon etwa sechs Millionen für mehrere Vorhaben ausgeben, bis 2016 dann den Rest.

Woher kommt das viele Geld? So spendabel ist doch sicher der Freistaat Sachsen nicht?

Es zahlt sich aus, dass wir als Kommune in den vergangenen 20 Jahren großen Wert auf die wirtschaftliche Entwicklung im Territorium gelegt haben. Zum Beispiel haben sich im Gewerbegebiet Klipphausen bisher an die 100 Unternehmen angesiedelt, die 3 000 Arbeitsplätze geschaffen haben. Das macht sich auch in den Gewerbesteuereinnahmen bemerkbar. Fast 4,5 Millionen Euro waren das 2013. Hinzu kommen gestiegene Anteile an der Einkommenssteuer (2,8 Millionen) und eingenommene Gebühren und weitere Steuern. Das sind etwa drei Millionen. Die Finanzzuweisungen vom Freistaat sind dagegen im Vergleich zu 2013 zurückgegangen. Wir erhalten in diesem Jahr 525 000 Euro. 2013 waren es noch knapp 8 00 000 Euro.  

An Steuern und Gebühren nimmt die Gemeinde nicht wenig ein. Werden die Einwohner und Betriebe geschröpft?

Keinesfalls. Die Grundsteuern sind bei uns schon über viele Jahre moderat, bleiben auch 2014 so. Wir wollen die Bürger, die ohnehin schon im Leben viele steigenden Ausgaben meistern müssen, nicht noch mehr belasten. Zum Beispiel betragen bei uns die Hebesätze für die Grundsteuer A (Landwirtschaft) und B (Gebäude) 270 bzw. 350 v.H. Damit liegen wir weit unter dem Durchschnitt im Freistaat. Das ist auch bei der Gewerbesteuer so. Hier beträgt der Hebesatz bei uns 345 v. H., im Land Sachsen ist der Durchschnitt 390 v. H. Nicht zuletzt hat das auch viele Unternehmen mit bewogen, sich bei uns anzusiedeln. Ich möchte solchen Betrieben wie Haustechnik, Eickhoff, Gebrauchtgerätezentrum, Druckhaus Mainfranken und vielen anderen danken, die es uns mit ihren Gewerbesteuern mit ermöglichen, dass wir den Alltag für die Bürger verbessern können. Wir haben weiterhin gegenüber 2012 auch etwa 100 000 Euro mehr an Trink- und Abwassergebühren eingenommen. Als Gemeinde kümmern wir uns auch um diese Versorgungsbereiche. Hier verzeichnen wir mehr Anschlüsse.

Zahlt Klipphausen eigentlich noch eine Reichensteuer an den Freistaat?

Nein, nach der Fusion mit Triebischtal nicht mehr. Wir sind jetzt mehr Einwohner, an die 10 200. Das wirkt sich bei der Berechnung aus. Das gesparte Geld können wir jetzt für unsere Investitionen verwenden. 2012 mussten wir zum Beispiel noch knapp 1,3 Millionen Euro abführen.

Wie hoch sind die Schulden?

Insgesamt 4,8 Millionen Euro, inbegriffen sind 1,5 Millionen von der Tochtergesellschaft, die das Schulzentrum in Sachsdorf bewirtschaftet. Pro Kopf macht das 472 Euro. Der Durchschnitt im Freistaat liegt da bei 850 Euro. 2014 wollen wir weit über eine halbe Million Euro zurückzahlen. Wir müssen beim Schuldenabbau dranbleiben.

Zur Fusion 2012 stand Triebischtal wirtschaftlich schlechter da als Klipphausen. Macht sich das noch bemerkbar?

Zunächst: Wir sprechen nicht mehr von Mein und Dein. Wir sind ein Klipphausen. Satzungen, Verordnungen und Steuern wurden einheitlich gestaltet. Bei den Sportstättensatzungen werden wir das noch tun. Bei den Trink- und Abwassergebühren gibt es noch Unterschiede. Das ist historisch bedingt, liegt an der unterschiedliche Finanzierung der Anlagen über Gebühren und Beiträge. In einigen Bereichen in Triebischtal sind noch größere Investitionen nötig, so bei den Kitas, bei Trink- und Abwasser oder im Straßenbau. Aber mich freut, dass es da kein Gefeilsche im Gemeinderat gibt, wer was bekommt. Das Ganze wird nach Dringlichkeit entschieden. Überhaupt ist die Fusion harmonisch verlaufen, sie hat uns stärker gemacht.

Welche größeren Investitionen gibt es?

Nur ein paar Beispiele. Wir stellen die Kita in Miltitz fertig. Das sind knapp drei Millionen. In Sora wird ein Feuerwehrhaus gebaut, in Naustadt ein Schulanbau. Wir erschließen Semmelsberg, und zwar Straßenbau, Abwasser, Trinkwasser, Beleuchtung. Im Gewerbegebiet Röhrsdorf entsteht ein Regenrückhaltebecken, die Straßenbeleuchtung in Triebischtal wird modernisiert. In Weistropp bauen wir die Zufahrt zum neuen Vereinszentrum, die Schule in Burkhardswalde bekommt neue Sportanlagen. In Groitzsch soll eine Abwasserdruckleitung nach Burkhardswalde errichtet werden, wir sanieren dort auch den letzten Abschnitt der Straße zur Bäko.

Bleibt da noch Geld für freiwillige Leistungen der Kommune übrig?

Ja, denn das gehört auch zum Wohlfühlen der Bürger. Wir schießen Geld für das Jahnbad zu, 2013 waren es über 70 000 Euro. Wir unterstützen finanziell Dorffeste und Jubiläen in den Orten, ebenso Vereine, Museen, Jugendclubs, die Rentnerbetreuung, den Tourismus, die Musikschule. Für jedes neugeborene Kind zahlen wir 100 Euro. Insgesamt geben wir 2014 fast 190 000 Euro für freiwillige Leistungen aus.

Stichwort Doppik – wie ist die Gemeinde hier vorangekommen?

Ein Gutteil haben wir geschafft. Das Anlagevermögen der Gemeinde wurde bewertet, die Abschreibungen für Investitionen und Anlagen stellen wir im Haushalt 2014 ein. Das sind drei Millionen Euro. Diese haben wir im Haushalt auch ausgeglichen. Der Ergebnishaushalt der Gemeinde – der frühere Verwaltungshaushalt – umfasst übrigens 2014 an die 16 Millionen Euro.

Wenn der Haushalt 2014 im Februar beschlossen wird, werden Sie sicher erst mal tief Luft holen...

Das kann man wohl sagen. Es war schon eine besondere Belastung – die Fusion mit Triebischtal 2012, das Zusammenfinden der beiden Verwaltungen, die Einführung der Doppik und andere Aufgaben. Ich freue mich, dass da die Mitarbeiter der Kämmerei und in den anderen Verwaltungsbereichen engagiert mitgezogen haben.

Gespräch: Dieter Hanke