merken
PLUS

Die Fußballfrau

Christin Hausmann aus Walda konnte sich aus hunderten Bewerbern weltweit durchsetzen. Nun studiert sie bei der FIFA.

Von Catharina Karlshaus

Gestern Abend saß sie selbstverständlich vor dem Fernseher. Champions-League-Spiele lässt sich die 28-Jährige, die schon als Kind einen lebensgroßen Jürgen Klinsmann aus Pappmaché in ihrem Zimmer stehen hatte, nämlich in aller Regel nicht entgehen. Erst recht nicht, wenn namhafte deutsche Mannschaften spielen. Nicht etwa, dass Christin Hausmann ein echter Fan wäre und ihr Herz für einen bestimmten Verein schlagen würde. Aber sie kennt sich aus. Sie weiß, was es heißt, wenn Heerscharen von Männern „abseits“ rufen, welche Summen der ganze Spaß kostet beziehungsweise vor allem welche Logistik dahinter steht, überhaupt derartige Großereignisse zu organisieren. Kein Wunder auch, schließlich durchläuft die hübsche junge Frau gerade ein Studium zur Sportmanagerin, und zwar unter dem Dach und mit Unterstützung des Weltfußballverbandes (FIFA) selbst. An renommierten Universitäten in England, Italien und der Schweiz absolviert sie einen einjährigen Unterricht in Management, Recht und Geisteswissenschaften. Vorträge zahlreicher Topmanager der Branche gehören ebenso zum Pensum wie Besuche bei weltweit erfolgreichen Clubs und Verbänden. „Gleich zu Beginn des Studiums im September waren wir bei Manchester United und in Wimbledon“, erzählt Hausmann.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

In den letzten Jahren viel erlebt

Wer indes einen sächsischen Dialekt bei ihr vermutet, wird nach wenigen Worten eines besseren belehrt. Fünf Jahre hat Christin Hausmann, die in Walda aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, immerhin in der Schweiz gelebt. Eine prägende Zeit, die einen charmanten Akzent bei der gelernten Bankkauffrau hinterlassen hat. Jahre, in denen sie nach ihrem Bachelorabschluss als Tourismusmanagerin in Görlitz noch einen Masterstudiengang an der Hochschule Luzern drangehängt hat. Und neben einer Tätigkeit im Grand Casino Luzern – eines der beliebtesten Eventlokalitäten in der Zentralschweiz – als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Tourismuswirtschaft arbeitete.

Nein, auf der Stelle treten scheint tatsächlich nichts für die passionierte Volleyballerin zu sein. „Wenn ich die vergangenen Jahre Revue passieren lasse, wundere ich mich manchmal selbst, was ich in dieser Zeit alles getan habe“, sagt Christin Hausmann nachdenklich.

Dabei hätte sie es eigentlich ganz ruhig angehen lassen können. Nach der zehnten Klasse – abgeschlossen noch in der ehemaligen Mittelschule Walda – lernte die jüngste zweier Schwestern zunächst bei der Sparkasse Riesa-Großenhain. Eine fundierte Ausbildung, wie Christin Hausmann betont. Aber letztlich sei sie eben doch nicht der Typ Mensch gewesen, der den ganzen Tag hinterm Schalter sitzt oder Bausparverträge verkaufen will. Gewissermaßen in letzter Minute – das Schuljahr hatte schon begonnen – habe sie sich deshalb entschlossen, an der Fachoberschule in Riesa ihr Abitur nachzuholen. „Innerhalb eines Jahres habe ich das dann geschafft und von da an ging es eben mit dem Studium und den verschiedenen Stationen Schlag auf Schlag“, erinnert sich Christin Hausmann.

Eine Erinnerung war es auch, die sozusagen ihr ganz spezielles Interesse an der FIFA geweckt hat. Eingeprägt hatte sich nämlich bei der immer schon Sportinteressierten Waldaerin der Besuch auf der Fanmeile zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Berlin. Gemeinsam mit Freunden habe sie begeistert zugesehen, wie FIFA-Präsident Sepp Blatter die Ehrung der italienischen Siegermannschaft vorgenommen hat. Allerdings: Der Schweizer Fußballfunktionär kam nicht allein. An seiner Seite agierte eine Frau, die schließlich dabei behilflich war, den großen Pokal und die Medaillen an die Kicker zu überreichen. „Als ich das gesehen habe, wusste ich auf einmal, genau diese Frau möchte ich eines Tages sein“, gibt Christin Hausmann zu und lacht.

Ob sie es jemals werden wird, lässt sich heute freilich nicht sagen. Dass die Wahl angesichts von hunderten Bewerbungen weltweit ausgerechnet auf sie fiel, ist vielleicht aber ein erster Schritt. Gemeinsam mit 27 Kommilitonen aus 23 Nationen – darunter Kanada, USA, Trinidad und Tobago, Costa Rica, Brasilien, Südafrika, Tansania und Ägypten – wird die Waldaerin von hoch qualifizierten Dozenten und Experten aus der Praxis auf eine erfolgreiche Karriere in der Sportbranche vorbereitet. „Ich könnte mir gut vorstellen, für den Deutschen Fußballbund tätig zu sein und beispielsweise bei der Vorbereitung der Fußballeuropameisterschaft 2024 mitzuwirken. Das heißt, wenn sich der DFB definitiv dafür bewirbt“, so Christin Hausmann. Auch die Arbeit für einen Club in der Fußballbundesliga würde sie reizen.

Eine Rückkehr nach Deutschland wäre nach all den Jahren in der Ferne auf jeden Fall schön. Walda, wohin sie aller drei Monate noch kommt, würde es wohl sicherlich nicht werden. Aber eine Stadt wie Frankfurt oder München ließe die Entfernung zur Familie nicht allzu groß erscheinen. „Und vor allem wäre dann die Anreise nicht so lang, wenn ich mit Papa zum Spiel von Dynamo Dresden gehen will!“