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Die ganz besondere Gröbaer Lichterzeit

Nach dem Hochwasser im Juni flackern auf der Kirchstraße wieder erste Lichter – nicht nur wegen der Weihnachtszeit.

Von Kevin Schwarzbach

Überall am Straßenrand flackern Lichter, die die Dunkelheit durchdringen. Von allen Seiten ist munteres Stimmengewirr zu vernehmen. Unzählige Menschen schlendern mit Glühwein in der Hand über die Straße und lauschen der Musik, die aus weiter Entfernung an ihre Ohren dringt. Es ist eine Weihnachtsstimmung, wie sie besinnlicher kaum sein könnte. Mit bester Laune geht es weiter die Straße entlang, doch spätestens auf halber Strecke läuft den Besuchern ein kalter Schauer über den Rücken – nicht nur wegen der eisigen Temperaturen. Mit einem Beamer werden Bilder an eine Hauswand projiziert. Bilder, die noch gar nicht so alt sind. Die Bilder zeigen genau die Straße, auf der die unzähligen Menschen gerade laufen, im Juni dieses Jahres. Die Straße steht komplett unter Wasser. „Über diesen Zaun werde ich später paddeln“, steht auf einem Foto geschrieben, das ein bereits halb überflutetes Grundstück zeigt. Noch vor wenigen Monaten war die Kirchstraße in Gröba keine Straße mehr, sondern eher ein Kanal. Hunderte Anwohner waren betroffen.

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Am vergangenen Samstag war in Gröba wieder Lichterzeit. Rund um die Kirchstraße lockten viele Mitmach- und Gestaltungsangebote die Besucher. Typisch weihnachtlich gab es unter anderem auch Glühwein, Kinderpunsch und Waffeln. Die im Jahr 2011 geborene Veranstaltung – damals beleuchteten die Anwohner die Kirchstraße mit Fackeln, weil die marode Straßenbeleuchtung ausgeschaltet worden war – wird von 30 aktiven Bürgern aus einfachen Mitteln selbst gestaltet. Dabei steht nicht das Kommerzdenken, sondern das ehrenamtliche Engagement der Einwohner, die sich gern für ihren Stadtteil einsetzen, im Mittelpunkt. Ganz besonders dieses Jahr, die Flut ist noch kein halbes Jahr her.

„Die aktive Beteiligung ist auch bei der diesjährigen Gröbaer Lichterzeit wieder enorm. Und das trotz der Flut im Juni dieses Jahres“, erklärt Stadtteilmanager und SPD-Stadtrat Andreas Näther. „Einige Familien haben sogar extra für die Lichterzeit ihre Häuser auch in Bereichen hergerichtet, die sie derzeit noch gar nicht wieder bewohnen“, so Näther weiter. „Natürlich gibt es auch Anwohner, die dieses Jahr nicht an der Aktion teilgenommen haben, weil sie nach der Flut einfach noch nicht die Kraft dazu haben. Das ist jedoch absolut verständlich.“

Besonders beliebt sind bei der diesjährigen Gröbaer Lichterzeit die Bastel- und Mitmachangebote in der Wichtelwerkstatt und bei der Autovermietung Krauspe. „Die Atmosphäre in den Bastelstuben ist wirklich beeindruckend“, freut sich Andreas Näther. Da stimmt ihm auch die neunjährige Finja Bartels zu. „Ich find diese Weihnachtsmänner, die wir hier basteln, echt total süß. Und die Leute hier geben mir ganz viele Tipps“, erzählt die Achtjährige mit Blick auf ihren kleinen Weihnachtsmann.

Fasziniert ist derweil auch Finjas Vater. Der ist mit seiner Frau und Tochter gerade bei Bekannten in Gröditz zu Besuch und hat vom Juni-Hochwasser damals nur über das Internet mitbekommen. „Als mir meine Bekannten aus Gröditz diese schlimmen Bilder von der Flut in Riesa gezeigt haben, taten mir die Menschen hier einfach nur total leid“, berichtet Oskar Bartels. Seinen derzeitigen Aufenthalt in Gröditz nutzt er, um Gröba einmal hautnah zu erleben. Interessant findet er die Besichtigungen der Hochwasserschutzmaßnahmen in der Gröbaer Kirche. Von der Führung von Pfarrer Dieter Kröhnert ist auch Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer begeistert. „Da der Boden der Kirche noch immer nicht getrocknet ist, hat man sich in der Gröbaer Kirche etwas einfallen lassen. Diese Konstruktion, dass die gesamte Sitzfläche hochgehoben wird und nun über dem Boden schwebt, damit dieser trocknen kann, ist eine Meisterleistung“, so Töpfer. „Diese Besichtigung ist wirklich gut angekommen. Eigentlich sollte sie nur eine Stunde lang möglich sein, dann sind es doch drei Stunden geworden“, erzählt Andreas Näther.

Nach der Führung schlendert Oskar Bartels mit einem Glühwein in der Hand die Kirchstraße wieder zurück. An der Stelle mit dem Beamer bleibt er stehen. „Ich habe einen unheimlichen Respekt vor den Menschen hier. Auch nach der Flut steckt noch richtig Leben in diesem Stadtteil.“