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Die Geheimnisse hinter dem Wandbild

Die Wohnungsgenossenschaft Dipps lässt ein acht Meter langes Kunstwerk sichern. Ein neuer Platz steht in Aussicht.

© Mosaikkunst Dyroff

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Fast 40 Jahre lang hat ein Wandbild den Saal in der Dr. Friedrichs-Straße in Dippoldiswalde geziert, acht Meter breit und einen Meter hoch. Erst hat hier die Kreisleitung der SED getagt, später fanden die Kreistage des Kreises Dippoldiswalde und des Weißeritzkreises in dem Saal statt. Im vergangenen Jahr hat die Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde das Gebäude gekauft und baut jetzt Wohnungen ein.

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Eine komplette Ansicht des Mosaiks.
Eine komplette Ansicht des Mosaiks. © Mosaikkunst Dyroff
Das Fensterkreuz ist auffällig gemalt. Wollte der Künstler damit etwas sagen?
Das Fensterkreuz ist auffällig gemalt. Wollte der Künstler damit etwas sagen? © Frank Baldauf
Ein Kabel verlief direkt hinter dem Wandfries. Wozu es wohl gedient hat?
Ein Kabel verlief direkt hinter dem Wandfries. Wozu es wohl gedient hat? © Frank Baldauf
Anna Dyroff dokumentiert jede der Fliesen einzeln, bevor sie von der Wand geschnitten werden.
Anna Dyroff dokumentiert jede der Fliesen einzeln, bevor sie von der Wand geschnitten werden. © Frank Baldauf

Da findet sich kein Platz mehr für ein Kunstwerk mit acht Metern Breite. Deswegen hat das Wohnungsunternehmen die Schmiedeberger Mosaikrestauratoren Anna und Klaus-Peter Dyroff beauftragt, das Kunstwerk abzunehmen und zu sichern. Vergangene Woche haben sie damit begonnen. Am Freitag sind sie damit fertig geworden.

Das Wandfries stammt von dem 2002 verstorbenen Karl-Heinz Loßnitzer aus Schönfeld, nicht von Richard Pusch wie erst irrtümlich angenommen. Loßnitzer hat Meissner Fliesen dazu verwendet, sie bemalt und selbst im Ofen gebrannt. „Dafür hat er eigens Ofensteine geschnitten, damit er sie schräg stellen und eine größere Anzahl auf einmal brennen konnte“, erinnert sich seine Frau Gabriele Loßnitzer. Die Darstellung zeigt fröhliche junge Menschen, die musizieren, tanzen oder einen Baum pflanzen. Ganz fein verborgen haben die Restauratoren aber auch noch andere Botschaften darin gefunden. „Ich musste dreimal hinsehen, dann waren Worte zu erkennen wie Frei oder Welt“, sagt Anna Dyroff. Auch ein Fensterkreuz fiel ihnen auf, das kräftiger gemalt ist als der Fensterrahmen. Wollte der Künstler damit noch eine andere Botschaft transportieren als die, die auf den ersten Blick zu erkennen ist? „Das hätte er draufgehabt“, sagt seine Frau. Wobei ihm das christliche Kreuz nicht unbedingt etwas bedeutet hat. Gabriele Loßnitzer sagt: „Er war Atheist.“

Die Restauratoren haben aber nicht die Aufgabe, das Kunstwerk zu deuten. Sie müssen es schadlos bergen, sodass es an einer anderen Stelle wieder angebracht werden kann. Loßnitzer hat Fliesen aus Meißen als Grundlage verwendet. Ein Produktionsstempel auf der Rückseite zeigt die Marke „Meissen“. Aus Meißen kommt nicht nur feines Porzellan. Dort und in Boizenburg wurde ein Großteil der Wandfliesen in der DDR hergestellt.

Loßnitzer hat die Fliesen dann in einem dicken Mörtelbett an die Wand gesetzt. „Damals gab es nichts anderes. Die Dünnbettkleber kamen erst später“, sagt Klaus-Peter Dyroff. Der gelernte Fliesenleger kennt das aus eigener Erfahrung. Das Dickbett stellt ihn und seine Tochter aber vor Herausforderungen. Wenn sie nur die Fliesen abnehmen wollten, wäre die Gefahr viel zu groß, dass sie zerbrechen. Daher sägen sie die Fliesen samt Mörtelbett mit einem Winkelschneider einzeln von der Wand. Ein Mundschutz verhindert, dass sie dabei den Staub einatmen, der in Schwaden durch den Saal zieht.

Jede einzelne Fliese haben sie vorher durchnummeriert. Eine nach der anderen sortieren sie die Teile der Reihe nach in Kisten, um sie in ihre Werkstatt zu bringen. Dort kommt der schwierigere Teil der Arbeit erst noch. Mit einer Spezialschneidemaschine werden dann die Fliesen vom Mörtelbett getrennt.

Parallel zu diesen Sicherungsarbeiten ist Falk Kühn-Meisegeier, der Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde, dabei, einen neuen Platz für das Wandbild zu suchen. Die Genossenschaft hat das Wandbild mit dem Gebäude gekauft und will es nun erhalten, auch wenn sie selbst keine geeignete Wandfläche hat. Daher bezahlt sie auch die Sicherungsarbeiten.

Kühn-Meisegeier hat bereits Volker Hegewald, den Leiter des Gymnasiums in Dippoldiswalde, gefragt. „Wir haben auch eine Stelle gefunden in der Nähe der Aula, wo es hinpasst“, sagt Hegewald. Wer weiß, was die Schüler noch für Botschaften in dem Kunstwerk entdecken, wenn es einmal in ihren Schulräumen angebracht ist.