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Die Geheimnisse von Schloss Naundorf

Der Schlossherr fand Spuren der Spätgotik, die Worte eines verlassenen Liebhabers und noch viel mehr. Nun lädt er ein.

Ein seltener Fund in Schloss Naundorf. Helfer Raimund Kunze (li.) und Schlossherr Konstantin Herrmann fanden bei Abbrucharbeiten diese alte Tür mit gotischer Verzierung.
Ein seltener Fund in Schloss Naundorf. Helfer Raimund Kunze (li.) und Schlossherr Konstantin Herrmann fanden bei Abbrucharbeiten diese alte Tür mit gotischer Verzierung. © Egbert Kamprath

Konstantin Herrmann hat vor zwei Jahren Schloss Naundorf gekauft. Nun ist er zwar Schlossherr, aber die Geschichte und die Geheimnisse des alten Gemäuers enthüllen sich auch für ihn erst nach und nach. Dabei sucht er auf verschiedensten Wegen. Er treibt die erforderlichen Abbrucharbeiten sorgsam voran, um Spuren zur Geschichte des Schlosses ja nicht versehentlich zu zerstören, sondern zu erhalten. Er sucht in Archiven und auch Bibliotheken. Dabei hat er schon verblüffende Entdeckungen gemacht, aber auch schon das Gefühl kennengelernt, dass er an einem Punkt seiner Suche nicht weiterkommt.

Aber wenn eine gotische Tür auftaucht, die vor 170 Jahren zugemauert wurde und völlig in Vergessenheit geraten ist, dann hüpft ihm das Herz vor Freude. Das passierte im Frühjahr. Damals war er zusammen mit seinem Helfer Raimund Kunze dabei, eine Zwischenwand herauszureißen.

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Dort wo diese an die Hauptwand stieß, war ein Sandstein hochkant eingesetzt. „Wer macht denn so etwas?“, wunderte sich Kunze. Er sah sich den Stein genauer an, schlug ein wenig Putz ab und entdeckte, dass es sich um das Gewände einer alten Tür handelt, die später zugemauert worden ist. Die beiden beseitigten die Vormauer und fanden den alten Durchgang. Eine Inschrift stammt aus dem Jahr 1847. Es geht dabei um einen verlassenen Liebhaber, der nicht denkt, dass seine Liebste mit dem anderen glücklich wird. Kurz nach diesem schriftlichen Seufzer ist die Tür vermauert worden. Der Sandstein war verziert mit einer Durchstäbung, die typisch spätgotisch ist. Es stammt also aus dem 16. Jahrhundert, der ganz frühen Zeit des Schlosses. Ein solcher Fund ist selbst für einen Schlossherrn außergewöhnlich.

Solche Erlebnisse hat Herrmann aber auch bei anderen Studien, die er zur Geschichte seines Schlosses betreibt. So war er im Staatsarchiv in Dresden, wo er auf eine Akte aus dem Jahr 1823 stieß von Anton von Carlowitz. Dieser schrieb von einem alten Turm, der aus der Zeit seiner Ahnherren stammt. Die Familie Carlowitz hatte Naundorf aber zuletzt in den Jahren 1473 und 1476. Danach hatte das Schloss immer andere Besitzer. Das heißt also, das Rittergut mit dem alten Turm kann genau in 1470er-Jahre datiert werden. Das ist die Zeit der Spätgotik, in die auch die wiedergefundene Tür eingeordnet werden kann. Diese Teile des Baus sind also über 500 Jahre alt. So wird mit der Zeit die Geschichte des Baus immer deutlicher.

Dabei arbeitet Konstantin Herrmann eng mit dem Denkmalschutzamt zusammen. Anfang Juli erwartet er den Besuch von Bauforschern, die sich das Schloss auch ansehen werden. Holzteile sollen untersucht werden. Dabei lässt sich anhand der Jahresringe genau feststellen, wann die dafür verwendeten Bäume gewachsen sind. „Bisher wurde das Schloss ja noch nie bauhistorisch untersucht“, sagt Herrmann. Das ist auch eines seiner Ziele bei dem Vorhaben in Naundorf.

Fundstücke aus dem Schloss Naundorf

Eine spätgotische Tür: Die Gestaltung dieser Ecke aus Sandstein ist typisch spätgotisch. Bei Abbrucharbeiten wurde diese alte Türe in Naundorf entdeckt. (Fotos: Egbert Kamprath)
Eine spätgotische Tür: Die Gestaltung dieser Ecke aus Sandstein ist typisch spätgotisch. Bei Abbrucharbeiten wurde diese alte Türe in Naundorf entdeckt. (Fotos: Egbert Kamprath) © undefined
Der Aufzugsmotor: Auch ein Teil der Geschichte ist dieser Motor. Er hat den Speiseaufzug bis 1999 angetrieben im Pflegeheim, das bis dahin im Schloss untergebracht war.
Der Aufzugsmotor: Auch ein Teil der Geschichte ist dieser Motor. Er hat den Speiseaufzug bis 1999 angetrieben im Pflegeheim, das bis dahin im Schloss untergebracht war. © undefined
Die Natur kehrt ein: Die Sanitäranbauten an der Rückseite des Schlosses werden abgerissen. Schon während der Arbeiten erobert sich hier die Natur Lebensraum zurück.
Die Natur kehrt ein: Die Sanitäranbauten an der Rückseite des Schlosses werden abgerissen. Schon während der Arbeiten erobert sich hier die Natur Lebensraum zurück. © undefined

Solche Forschungen laufen parallel mit anderen Arbeiten, die bei Weitem nicht soweit in die Geschichte zurückreichen. Meistens geht es dabei immer noch darum, Einbauten zu entfernen, die aus den letzten Jahrzehnten stammen und für den Pflegeheimbetrieb erforderlich waren, aber den Charakter des Schlosses stark verändert haben. Das Heim von Pro Civitate, das jetzt in Schmiedeberg ansässig ist, war ja bis 1999 in Naundorf untergebracht.

So läuft derzeit der Abriss des Schachts, der dort für den Essenaufzug eingebaut wurde. Die Räume, durch die er führt, störte der viereckige Einbau. Nun kehrt der alte Raumeindruck zurück, der großzügiger angelegt war, eben dem Charakter eines Herrenhauses entsprach.

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Wild sieht es noch auf der Rückseite des Schlosses aus. Dort läuft ebenfalls der Rückbau von Küchen- und Sanitärräumen, die erst im 20. Jahrhundert entstanden. Derzeit bereitet sich Herrmann auf das Parkfest in Naundorf vor, das der Heimatverein Ottos Eck am Wochenende 24. und 25. August organisiert. Dann werden er und seine Helfer das Schloss öffnen, Interessenten führen und ihnen erklären, was in den letzten zwei Jahren hier an Arbeiten gelaufen ist.

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