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Die Geige muss es sein

Talent. Die neunjährige Anna-Maria Reiß aus Geißlitz spielt Geige. Ab neuem Schuljahr lernt sie am Landesgymnasium für Musik in Dresden.

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Von Luise Zschörnig

Anna-Maria ist schon ganz kribbelig und zählt die Tage. Gleich zum Ferienauftakt fährt sie mit den „Landstreichern“ ins Probenlager nach Ückermünde. Es wird jährlich vom sächsischen Musikrat organisiert. Und wie der Name verrät, sind es Streicher, in dem Fall neun- bis 14-jährige Geigenschüler, die da für zwei Wochen aufs Land ziehen. Über 50 hatten sich mit einem Vorspiel um die Teilnahme beworben, 30 wurden genommen. „Wir haben schon einmal in Dresden zusammen geprobt“, erzählt Anna und ihre großen blauen Augen strahlen. Die talentierten Kinder werden das neu Einstudierte in einem Konzert in Ückermünde und zum Abschluss beim „Festival Mitte Europa“ in Adorf/Vogtland aufführen.

Die Neunjährige freut sich darauf. Und am liebsten würde sie danach die übrigen Ferientage überspringen und sofort mit der Schule in Dresden beginnen. Ehrgeizig ist die junge Dame, „eine aufgeweckte und musikalisch sehr begabte Schülerin“, steht in ihrem Musikschulzeugnis.

Ab dem neuen Schuljahr besucht Anna-Maria Reiß das sächsische Landesgymnasium für Musik „Carl Maria von Weber“. Mit Bravour hat sie den Aufnahmetest bestanden. Nur zehn Kinder wurden für die neue fünfte Klasse angenommen.

„Sie kam eines Tages und sagte uns, dass sie auf eine Schule möchte, wo sie mehr Geige spielen kann“, erzählt Robert Reiß. Also haben sich die Eltern auf die Suche gemacht. Dem Kind den Wunsch abzuschlagen, kam für sie nicht in Frage. Sie waren selbst beide auf einem musischen Gymnasium. Er ist Archäologe, sie Musikwissenschaftlerin – sie spielen beide mehrere Instrumente. Aber keiner Geige!

„Wir hatten schon vor, unser Kind zur Musik hinzuführen“, sagt Robert Reiß. Doch ehe sich die Eltern versahen, kam der Wunsch von ihr selbst. Anna war sechs, als sie zufällig ihre spätere Musikschullehrerin Carmen Likuski Geige spielen hörte. „Sie hat wie gebannt dagesessen und die Lehrerin angehimmelt“, erinnert sich Jutta Reiß lachend. Die Geige musste es sein. „Weil man die Töne gut hören kann. Sie kommen gleich ins Ohr. Bei einer Trompete bläst man geradeaus“, beschreibt Anna das für sie Besondere des Instruments und fügt verschmitzt hinzu, dass sie „eigentlich schon ein bisschen“ davon träume, eine berühmte Geigerin zu werden. Jedenfalls übt sie fleißig, jeden Tag.

Und sie kann – neben den zahlreichen Auftritten als Solistin und in Ensembles der Kunst- und Musikschule – auf beachtliche Erfolge verweisen. Erst jüngst, beim diesjährigen bundesweiten Carl-Schröder-Wettbewerb in Sondershausen, bekam sie ein „Sehr gut“, die zweitbeste Bewertung.