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Die Gemeinde will ihre Tagesstätten abgeben

Mit Beginn des neuen Jahres sollen die Kindertagesstätten in Großharthau und Seeligstadt in freie Trägerschaft gehen. Für die Erzieherinnen kam diese Ankündigung „überraschend“. Einige sagen auch, sie fühlten sich „überrumpelt“.

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Von Ingolf Reinsch

Zwischen den Kreisverbänden der Arbeiterwohlfahrt und der Volkssolidarität soll auf einer Gemeinderatssitzung am 3. November die Entscheidung fallen, welcher Wohlfahrtsverband die Kindertagesstätten übernehmen wird. Beide Häuser sollen als eine gemeinsame Einrichtung geführt, die Standorte Großharthau und Seeligstadt erhalten bleiben, sagte Bürgermeister Jens Krauße (SPD). Bereits mit Beginn dieses Jahres hatte die Gemeinde die Tagesstätte in Bühlau in kirchliche Trägerschaft gegeben.

Die Gemeindeverwaltung macht vor allem den Anspruch auf „Qualitätssicherung“ sowie den Abbau des Verwaltungsaufwandes für die geplante Übergabe geltend. Bei einem freien Träger, der auf soziale Leistungen spezialisiert ist, seien die Kindertagesstätten besser aufgehoben, begründet Jens Krauße. In der 3 500 Einwohner zählenden Gemeinde sei es nur so möglich, drei Tagesstätten langfristig betreiben zu können. Außerdem ließen sich personelle Engpässe, bedingt durch Krankheit oder Urlaub, bei einem freien Träger mit mehreren Kitas leichter ausgleichen.

Mit der Übernahme durch einen freien Träger werden die Erzieherinnen nach einem Übergangsjahr nicht mehr nach dem Tarif des öffentlichen Dienstes, sondern nach dem Tarif des Wohlfahrtsverbandes bezahlt. Dass die Gemeinde dadurch in nennenswerter Größe sparen kann, erwarte sie nicht, sagt Hauptamtsleiterin Sabine Clemens. Sie verweist dabei auf die Erfahrungen in Bühlau und die Gemeindezuschüsse, die es weiterhin für die Tagesstätten geben werde.

„Nicht begeistert“ von dem Betriebsübergang sind die Erzieherinnen in Großharthau. Vor zwei, drei Wochen habe sie die Verwaltung informiert. „Keiner hat uns gefragt, wir fühlen uns von der Gemeinde überrumpelt“ sagen sie.

Sie und ihre Kolleginnen habe die Ankündigung „überrascht“, sagt Bettina Zinke, die Leiterin der Kindertagesstätte in Seeligstadt. Inzwischen haben sie sich über ihre Rechte beim Betriebsübergang informiert, hoffen, auch unter einem freien Träger die Ideen verwirklichen zu können, die sie beim Einzug in die sanierte Tagesstätte hatten. Erst einmal wolle sie die Wohlfahrtsverbände hören, die sich in diesen Tagen in beiden Einrichtungen vorstellen, sagt Frau Zinke.

Dass die Gemeinde handeln muss, will sie die Elternbeiträge unter Kontrolle halten, zeigen die im Sommer veröffentlichten Betriebskosten für 2002. Demnach kostete in Großharthau ein Krippenplatz im Durchschnitt 777 Euro im Monat, ein Kindergartenplatz 358 Euro und ein Hortplatz fast 210 Euro. In Neukirch, wo beide Kitas in freier Trägerschaft sind, waren es 647 Euro (Krippe), 299 Euro (Kindergarten) und 155 Euro (Hort).