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Die Genuss-Wanderin

Kalifornien, Karibik, Mittelmeer: Kristin Arnold ist rumgekommen. Jetzt veranstaltet sie kulinarische Wanderungen durch die Sächsische Schweiz.

Kristin Arnold mit Brotzeit, im Hintergrund die Schrammsteinkette: Ihre Touren umkreisen den überlaufenen Nationalpark.
Kristin Arnold mit Brotzeit, im Hintergrund die Schrammsteinkette: Ihre Touren umkreisen den überlaufenen Nationalpark. © Steffen Unger

Mit einem Schwung zieht Kristin Arnold das blaukarierte Tischtuch aus dem Rucksack, dem folgt ein Brettchen aus Holz. Kurz die Hände desinfizieren - das gehört heutzutage dazu -, dann zaubert sie die Köstlichkeiten hervor: frisch angerührter Kräuterquark, Käsewürfel, Rindsknacker, Schinken, ein ganzer Camembert, Gurken, Tomaten und verschiedene Sorten Brot. So sieht sie aus, die Mahlzeit, die ihrer Geschäftsidee den Namen gibt: die Brotzeittour.

Dahinter verbergen sich geführte Wanderungen durch die Sächsische Schweiz, die sich von dem unterscheiden, was man bisher als Gast im Elbsandsteingebirge buchen kann. Sie will keine Nationalparkführung ersetzen und keine Vorträge über Flora, Fauna oder Geologie halten. "Das wäre nicht ich", sagt Kristin Arnold. Auch schweißtreibende Stiegenkletterei oder Höhlentouren sind nicht ihr Ding. "Ich bin eher der Genuss-Wandertyp", sagt die 32-Jährige. 

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Im Mittelpunkt steht deshalb das Kulinarische. Zusammen mit der Schönheit der Landschaft möchte sie ihren Gästen die Spezialitäten der Region näherbringen. Die Idee hat sie von einem früheren Job in Berlin mitgebracht, wo die studierte Tourismus-Betriebswirtin kulinarische Stadtführungen konzipiert hat, die in einem halben Dutzend verschiedenen Restaurants haltmachen. 

Regionale Spezialitäten von kleinen Erzeugern

Eine ganze Weile hat sie überlegt, wie sich solch eine Kulinarik-Tour in der Sächsischen Schweiz umsetzen ließe. Eine Wanderung über viele verschiedene Bauden funktioniert kaum, weil diese zu weit auseinander liegen. Irgendwann schoss ihr die Lösung durch den Kopf: Sie packt das Essen einfach ein. 

Zehn bis zwölf Kilo Proviant buckelt Kristin Arnold während ihrer Touren durch die Berge. Käse und Wurst von regionalen Höfen, frisch gebackenes Brot, dazu Obst und Gemüse der Saison. Sämtliche Produkte stammen von kleinen, inhabergeführten Betrieben in der Sächsischen Schweiz, die nicht mehr als eine Filiale haben. Das ist ihr wichtig - und das schmeckt man auch. Zu jedem Erzeuger gibt es eine kleine Geschichte und die Empfehlung, dort auch einzukaufen. Bei den längeren Touren gehört auch die Einkehr in eine Bergbaude zum Programm. 

Die Brotzeit: Sämtliche Zutaten stammen von kleinen regionalen Anbietern. Bei den längeren Touren kommt eine Baudeneinkehr hinzu.
Die Brotzeit: Sämtliche Zutaten stammen von kleinen regionalen Anbietern. Bei den längeren Touren kommt eine Baudeneinkehr hinzu. © Steffen Unger

Touren abseits der Hotspots

Zum Genuss zählt für Kristin Arnold auch die Routenführung. Bei den Wanderungen handelt es sich um ihre persönlichen Lieblingsrunden, welche die touristischen Hotspots weitgehend meiden und den oft überlaufenen Nationalpark eher umkreisen. Sie führen beispielsweise von Sebnitz über den Panoramaweg nach Altendorf, zur Wachbergbaude nach Saupsdorf oder auf den Zirkelstein und die Kaiserkrone in Reinhardtsdorf-Schöna. Dazu erzählt Kristin Arnold historische Anekdoten, wie die vom einstigen Bierausschank auf dem Gipfel des Zirkelsteins, der irgendwann einem Gewitter zum Opfer fiel.

Die linkselbische Seite des Elbsandsteingebirges hat es Kristin Arnold ohnehin angetan. "Es gibt für mich nichts Schöneres, als die Schrammsteinkette zu sehen", sagt sie. Und deren beeindruckende Ausdehnung nimmt man erst aus einiger Entfernung wahr, etwa von Reinhardtsdorf-Schöna aus, wo die Tourenveranstalterin mit ihrem Mann lebt. 

Ihre Geschichte ist auch die Geschichte einer Rückkehrerin. Kristin Arnold ist in der Oberlausitz aufgewachsen, hat in Dresden gelernt und dann beim Tourismusverband Sächsische Schweiz ein duales Studium absolviert. Von Kalifornien aus organisierte sie anschließend Rundreisen durch den Westen der USA, schipperte später für drei Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff durch die Karibik, über das östliche Mittelmeer, durch den arabischen Golf und entlang sämtlicher Ostseestaaten, bevor es sie nach Berlin verschlug. 

Menschen beim Wandern zusammenbringen

Nach zwei Jahren im Hauptstadt-Getümmel folgte ganz bewusst der Umzug in die Sächsische Schweiz. "Es hat sich angefühlt wie nach Hause kommen", sagt Kristin Arnold. Egal, wo auf der Welt sie gearbeitet hat, sie habe das Elbsandsteingebirge schon immer als ihre Heimat angesehen. In Bad Schandau arbeitete sie wieder im Tourismus, Anfang 2020 folgte dann der Schritt in Selbstständigkeit. 

Pünktlich zum Saisonbeginn im April wollte sie mit ihren Brotzeittouren starten. Die Routen waren ausgetüftelt, die Website fertig und die Flyer gedruckt - dann kam Corona. Kristin Arnold hat sich davon nicht entmutigen lassen, schließlich stand die gesamte Branche still. Seit Anfang Juni ist sie nun endlich mit Gästen draußen unterwegs - und damit in ihrem Element. 

"Ich schätze das Individuelle und möchte auch mit jedem Gast ins Gespräch kommen", sagt sie. Deswegen sind ihre Gruppen auf maximal zehn Teilnehmer begrenzt. Die Wanderer sollen sich auf den Touren auch gegenseitig kennenlernen, das gemeinsame Essen erleichtert das. Gerade für Menschen, die allein auf Reisen sind, aber nicht unbedingt alleine wandern wollen, ist dieses Angebot ideal. Die besten Momente sind die, wenn die Leute durchs Wandern zusammenkommen, sagt Kristin Arnold. 

Alle Wanderungen können kurzfristig über die Website brotzeittour.de gebucht werden. 

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