merken
PLUS

Die gerettete Gustl

Eigentlich sollte das Huhn verfüttert werden. Nun ist es glückliche junge Mutter.

Von Carolin Menz

Es war ihr Glück, dass Gustl so niedlich ist. Eigentlich schien das Leben des Antwerpener Bartzwergs schon beendet. Verfüttert sollte das Huhn werden an den Herrn Luchs im Bischofswerdaer Tierpark. Das Raubtier braucht einmal in der Woche blutwarmes Frischfleisch, um gesund zu bleiben. Die wachtelfarbige Gustl also sollte in seinem Napf landen. Ihr Besitzer hatte sie dem Zoo gemeinsam mit anderen Artgenossen als Futter spendiert, die Hühner waren für die Zucht nicht mehr zu gebrauchen. Häufig kommen solche Futtergaben vor, Zoo und Luchs sind sehr dankbar dafür. Es gehört zum Kreislauf der Natur dazu. Doch Henne Gustl sowie Emma und Frieda sind von der Schippe gesprungen, sie hatten von Tierpflegern einen Namen bekommen, durften weitergackern und leben im Tierpark.

Anzeige
Trendmarken in der Centrum Galerie
Trendmarken in der Centrum Galerie

Auch die Centrum Galerie ist mit vielen internationalen Marken und lokalen Händlern bei der langen Nacht des Shoppings dabei.

Hühner sind ja hier sowieso zu Hause, neben den 17 Federfüßigen Zwerghühnern sogar drei gelbe Sachsenhühner. Dieses spezielle Federvieh – es kommt auch häufig in schwarzem, weißem oder gesperbertem, also mehrfarbigem, Gefieder daher – ist eine bedrohte Haustierrasse und deshalb im Zoo zu sehen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Sachsenhuhn als elegantes Nutzhuhn gezüchtet. Es sollte raues Klima gut vertragen und dennoch viele Eier legen und Fleisch geben. Heute werden diese Tiere nur noch selten gehalten, sagt Zoochefin Silvia Berger. Umso erfreuter ist sie jetzt über ein süßes Sachsenhuhn-Küken, das seit einer Woche mit zwei Geschwistern durch den Stall tippelt. Das aber sind nicht etwa Sachsenhühner, sondern Zwerghühner. Verantwortlich für den Küken-Kuddelmuddel ist eben die gerettete Gustl. Eine echte Glucke ist das. „Wir haben beobachtet , dass Gustl zwei ihrer Eier ausbrüten wollte, sie wollte gar nicht mehr aufstehen“, sagt Silvia Berger. „Also haben ihr Tierpfleger einfach noch ein paar andere Eier zum Ausbrüten ins Nest gelegt. Es war ein Versuch.“ Wenn sie da schon 21 Tage im Nest hockte, sollte sich das wenigstens lohnen. Acht Eier brütete Gustl aus. Im Zoo war man durchaus gespannt, ob’s was wird mit kuschligen Küken. Und siehe da: Einige Eier waren wirklich befruchtet, drei Küken schlüpften.

Dass der Nachwuchs nicht ihrer eigenen Rasse entspricht, ist Gustl ziemlich schnuppe. Die Kinder sind bei ihr geschlüpft, das allein zählt für die Mutterliebe. Sie versorgt die Kleinen zärtlich, kuschelt mit ihnen, wärmt sie und unternimmt mit dem süßen Trio erste Spaziergänge. Noch ist die Familie im Stall. Bald aber dürfen sie raus und sind dann zu sehen für Besucher. Nach sechs Monaten werden die Küken erwachsen sein. Das kleine Sachsenhuhn kann im Tierpark bleiben – sollte es eine Henne sein. Einen Hahn gibt es schon unter den Sachsenhühnern. In jedem Fall half Gustl mit, den Bestand der extrem gefährdeten Rasse zu sichern. Zum Glück lebt sie noch.

Geöffnet ist der Bischofswerdaer Tierpark täglich von 9 bis 18 Uhr, Erwachsene zahlen 3, Kinder 2 Euro Eintritt.