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Die Gerste ist die Erste

Ernte. Wenn Landwirte im Kreis Getreide einbringen, läuft alles auf Hochtouren. Nur das Wetter muss noch mitspielen.

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Von Dirk Wurzel

Heho, spann den Wagen an. Sieh der Wind treibt Regen übers Land“, besingt ein Volkslied die Getreideernte von einst. Die „goldenen Garben“ ernten die Bauern heute mit ihren Maschinen. Stressig wie dereinst wird es, wenn im Wetterbericht angekündigt wird, dass der Wind Regen übers Land treibt.

„Dann dreschen wir solange es geht, um so viel Getreide wie möglich trocken einzufahren“, sagt Konstanze Fritzsch. Die studierte Landwirtin organisiert als „Komplexleiterin“ den Einsatz der Erntefahrzeuge bei der Agrar-GmbH „Dresdner Vorland“ in Grumbach. Derzeit dürfte sie wieder im Büro sitzen und sich um den Pflanzenschutz kümmern. „Die Wintergerste steht bei uns komplett auf dem Feld“, meldet Heinz Perner, zweiter Vorstand der Colmnitzer Agrargenossenschaft. Rund 200 Hektar dieser Getreideart harren in Colmnitz des Wetterumschwungs.

Müsli für das liebe Vieh

Beim Privatbauern Werner Helbig, ebenfalls aus Colmnitz, sind es „nur“ dreieinhalb Hektar, auf denen die Wintergerste auf den Mähdrescher wartet. „Aber der Wassergehalt ist eben noch zu hoch“, sagt Bäuerin Luise Helbig. In Liebenau haben die Bauern sechs von 120 Hektar Wintergerste geerntet. „Wir haben mal ein bisschen probiert“, scherzt Eberhard Petzold, Geschäftsführer der Liebenauer Agrar GmbH. Reif sei das Getreide ohnehin noch nicht und das Wetter somit kein Problem. Auf den meisten Feldern der Agrar-GmbH „Dresdner Vorland“ stehen auf 75 Hektar bloß noch die Stoppeln. Aber 425 Hektar Getreide warten noch auf den Drusch. „Wir haben das schöne Wetter zum Wochenanfang genutzt, um die erste Gerste zu dreschen“, sagt Konstanze Fritzsch.

Scheint die Sonne wieder länger, fahren die Drescher bis es Dunkel wird. „Doch zunächst müssen wir prüfen, ob die Körner auch reif und trocken genug für den Drusch sind“, sagt Andreas Kühne, Produktionsleiter der Agrar-GmbH. Unter 14 Prozent muss die so genannte Restfeuchte liegen. „Wir unterziehen die Körner jetzt der Nagelprobe“, erklärt Konstanze Fritzsch und quetscht ein Gerstenkorn mit dem Fingernagel. Es ist knochenhart, ein gutes Zeichen. Ein Mähdrescher fährt nun den so genannten „Probedrusch“. „Das geerntete Getreide wird dann im Labor genau untersucht“, sagt Andreas Kühne. Hat das Labor den endgültigen Startschuss gegeben, geht es los. Vier Mähdrescher nehmen sich nun Feld um Feld vor. Die „Abfahrer“ warten bis die Bunker der Drescher voll sind und fahren dann präzise neben den Mähdrescher her, um die gelben Körner in das Grumbacher Getreidelager zu schaffen. Dort warten schon die LKW der Futtermittelwerke. Denn aus der Wintergerste wird „Müsli“ für das liebe Vieh. Für den Gerstensaft nehmen die Brauer lieber die Sommergerste. Denn dieses Getreide enthält weniger Eiweiß.