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Weißwasser

Die Gerüchteküche als Kummerkasten

Was die Weißwasseraner bewegt, bekam ihr OB gestern auf dem Markt zu hören. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.

Gestern Vormittag hatte OB Torsten Pötzsch (li.) auf dem Marktplatz in WSW viele Fragen von Bürgern zu beantworten wie die von Henry Lange.
Gestern Vormittag hatte OB Torsten Pötzsch (li.) auf dem Marktplatz in WSW viele Fragen von Bürgern zu beantworten wie die von Henry Lange. © Foto: Constanze Knappe

Weißwasser. Der Bürgermeister entscheidet alles. Dieses Gerücht macht in Weißwasser die Runde. Und es ist nicht das Einzige. Für Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) Anstoß, sich dem Vorurteil direkt zu stellen. Und das auf ganz unkonventionelle Weise – inmitten der Händler auf dem freitäglichen Markt vor dem Rathaus. Unter dem Motto „OBs Gerüchteküche. Informationen aus erster Hand“ stand er gestern zwischen 9 und 12 Uhr Rede und Antwort.

Die Bürger ließen sich nicht lange bitten. Vor 66 Jahren in Weißwasser geboren hat Henry Lange „viel Gutes und auch Schlechtes“ in der Stadt erlebt. Dass er 2005 aus seiner Wohnung in Süd ausziehen musste, weil der Block abgerissen wurde, bewegt ihn immer noch. „Es waren die modernsten Wohnungen in der Stadt“, sagte er bitter. Jahrelang pendelte er zur Arbeit nach Mittelfranken. Inzwischen im Ruhestand ist er viel mit dem Fahrrad unterwegs und kommt des Öfteren am Gnadenhof vorbei. An den heißen Tagen habe er dort nie Wasser für die Tiere gesehen. Der OB versprach, dies überprüfen zu lassen.

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Dass sich Fahrzeugführer auf der Tiergartenstraße von Weißwasser nach Trebendorf und umgekehrt selten an die Beschränkung auf 30 km/h halten, stößt den Anwohnern sauer auf. „Besonders schlimm ist es ab 5 Uhr früh, wenn alle zur Arbeit rasen. Da muss man die Fenster schließen, sonst ist es nicht zum Aushalten“, beklagte sich eine Frau. Da es sich um eine Kreisstraße handelt, sei die Stadt nicht zuständig. Er werde beim Kreis eine erneute Verkehrsschau anregen und nachhaken, ob nicht der Blitzer wieder aktiviert werden könnte, sagte Torsten Pötzsch.

Kritik gab es am Zustand des Weißkeißeler Wegs, wo die Stadt zwar einige Löcher beseitigen ließ, aber eben nur auf einem kleinen Teilstück. Dass manche Anrainer es mit ihren Pflichten zur Pflege von Fußwegen und Rabatten nicht so ernst nehmen, sticht nicht nur Nachbarn ins Auge. Die Stadt könne und werde da jedoch nur eingreifen, wenn eine Gefahr für die Sicherheit besteht. Angesprochen wurden ebenso ein fehlendes Kino in Weißwasser und der Zustand des Volkshauses. Auf die Frage von Torsten Pötzsch, ob die Bürger denn auch in die Einrichtungen gehen würden, erntete er Schulterzucken. Auch die E-Mobilität war ein Thema. Da müsse sich die Stadt viel mehr hineinknien, hieß es. Die Stadtwerke beschäftigen sich damit. Angedacht sei unter anderem eine Umfrage, wo Bedarf an einer Ladestation besteht.

Gleich mehrere Bürger beschwerten sich, dass es bei ungünstigem Wind in Weißwasser wie in einer Wüste aussieht, wenn Sandstürme aus dem Tagebau über die Stadt ziehen. Er spreche das Thema in den regelmäßigen Treffen mit der Lausitz Energie Bergbau AG immer wieder an. Bei der Leag rede man da von Episoden. Die Belastungen aber gebe es eben auch an ganz normalen Tagen, ist sich der OB mit den Einwohnern einig. Zwar wandere der Tagebau, aber die Windrichtung bleibt. „Der Leag liegen kaum Beschwerden dazu vor. Es müsste viel mehr schriftliche Kritiken geben“, sagte er. Auch die Stadt selbst bekomme dazu aber nur wenige Schreiben der Bürger.

Torsten Pötzsch wollte gestern Unwissenheit abbauen, Informationen aus erster Hand vermitteln, über Zuständigkeiten aufklären. Vor allem aber war er ein guter Zuhörer. Von den 18 Bürgern wurden fast 40 verschiedene Themen angesprochen. „Eine gute Ausbeute“, so fand er. Was wohl auch daran lag, dass bei so einem Infostand auf dem Markt die Hemmschwelle deutlich geringer liegt, den OB auf Sorgen und Nöte direkt anzusprechen. In der Ankündigung hatte er zunächst offengelassen, ob es sich um eine einmalige Sache handelt. Gestern Mittag war klar: Die Gerüchteküche wird fortgesetzt. Einmal im Monat könnte sich Torsten Pötzsch das vorstellen. Der Markt sei dafür wie geschaffen.

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