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Die Geschichte einer knappen Niederlage

Gunter Thiele hat als erster CDU-Kandidat den Kampf um ein Dresdner Direktmandat im Landtag verloren. Eines stört ihn besonders daran.

Gunter Thiele am Tag nach der Niederlage. Er verlor das erste Direktmandat als CDU-Kandidat in Dresden, hatte aber den schwierigsten Wahlkreis in der Stadt, sagt er.
Gunter Thiele am Tag nach der Niederlage. Er verlor das erste Direktmandat als CDU-Kandidat in Dresden, hatte aber den schwierigsten Wahlkreis in der Stadt, sagt er. © Sven Ellger

Kurz nach 22 Uhr lag Gunter Thiele noch knapp vorne im Duell mit Thomas Löser (Grüne) um den direkten Einzug in den Landtag. 21 Stimmen, dass diese für ihn nichts wert sind, bekam er kurz darauf am Sonntagabend zu spüren. Ein Wahlbezirk fehlt noch. Es sind die Briefwähler, wie am Montag die Stadtverwaltung auf Nachfrage mitteilte. Als deren Stimmen ausgezählt sind, liegt Thiele plötzlich 259 Stimmen zurück. Alles vorbei, der anstrengende, lange Wahlkampf ohne Lohn.

Es ist nicht nur für Thiele eine Niederlage. Auch für die Dresdner CDU. Zum ersten Mal seit 1990 gewinnt einer ihrer Kandidaten das Direktmandat in Dresden nicht. Thiele fühlt sich am Tag danach „emotionslos“, wie er sagt. Er wirkt ruhig, aber das ist er eigentlich meist. Außer, wenn es im Stadtrat um Verkehrspolitik ging. Bei diesen Themen kann er sich richtig aufregen. Er war für die CDU verkehrspolitischer Sprecher, einer der sehr aktiven Stadträte in der am Donnerstag endenden Wahlperiode. Auch damit ist für Thiele Schluss. Im Mai wurde er nicht erneut in den Rat gewählt. Der Verkehrsingenieur kennt sich mittlerweile mit Niederlagen aus, könnte man meinen. Gut, im Stadtbezirksbeirat sitzt er noch für die CDU.

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"Das wird besonders bitter"

Aber es sollte der Anfang einer Profi-Politiker-Karriere werden. Nach Jahren im Ehrenamt, in den Landtag. Daraus ist nichts geworden. „Das erste Direktmandat für die CDU in Dresden nicht zu holen, ist für mich keine zusätzliche Niederlage“, erklärt Thiele. „Der Wahlkreis war auch der schwierigste in der Stadt.“ Prognosen sahen Löser und damit die Grünen zeitweise deutlich vorne. „Ich habe eine Aufholjagd gestartet“, sagt Thiele und spricht sich damit selbst Mut zu. „Es hat am Ende nicht gereicht. Besonders ärgerlich ist, dass es dann so knapp war.“ Dann hätte er doch lieber deutlicher verloren, sagt Thiele.

Aber genauso engagiert wie er seinen Wahlkampf gemacht hat, werde er das auch beenden. „Die Plakate müssen noch alle weg“, das gehöre sich schließlich so. „Das wird bestimmt keine schöne Situation“, damit meint er, herumzufahren und sein Konterfei abzuhängen. Wochenlang hing Thieles Gesicht im Wahlkreis Mitte, wie das seiner Konkurrenten. „Das wird besonders bitter, aber das ist ja immer so“, sagt Thiele. Nur dass bisher immer die Kandidaten anderer Parteien ihre Plakate nach Niederlagen entfernen mussten. Jetzt trifft es auch mal die CDU. „In Leipzig war das bereits vor fünf Jahren so und dieses Mal haben AfD, Grüne und Linke uns sogar mehrere Wahlkreise abgenommen.“ Damit ist Thiele vielleicht nicht alleine in seinem Schmerz. Aber aktuell hätten die CDU-Kandidaten gerade alle mit sich selber zu tun – die, die gewonnen haben und auch die, die verloren haben. Es ist halt ein neues Gefühl für die Partei.

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Thiele werde sich jetzt mehr auf „die Firma“ konzentrieren. Gemeinsam mit Kollegen hat er ein eigenes Büro für Verkehrsmanagementsysteme aufgebaut, vorher hatte Thiele lange an der Technischen Universität Dresden gearbeitet. Jetzt ist er Geschäftsführer. „Meine Kollegen waren manchmal schon verärgert, wenn ich viel Zeit für die Stadtratsarbeit benötigt habe oder zuletzt im Wahlkampf, als ich viel unterwegs war.“ Stadtrat sei mehr als ein Halbtagsjob, meint Thiele, obwohl es ein Ehrenamt ist. „Künftig habe ich mehr Zeit und den Kopf wahrscheinlich frei für meine eigentliche Arbeit.“ Wie es mit ihm politisch weitergehe, könne er noch nicht sagen. „Wir werden zunächst im Kreisvorstand die Wahl auswerten“, spricht aus ihm der Politiker. Die Politik bewegt ihn und die Frage, wohin es mit der CDU geht. Das Ergebnis ist nicht gut, aber die Wahl gewonnen. Allerdings nicht für Thiele.

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