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Die geteilte Wahl

Je nach Stadtteil gibt es eklatante Unterschiede bei der Stimmenverteilung. Dahinter steckt die Asyl-Debatte.

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Von Tobias Winzer

Das nennt man wohl einen klassischen Start-Ziel-Sieg. Schon als das Ergebnis des ersten Wahlbezirks feststand, lag Uwe Rumberg mit mehr als 50 Prozent der Stimmen klar vorn. Am Ende entschieden sich 51,3 Prozent der Freital für den Kandidaten der CDU und machten ihn damit überraschend schon im ersten Wahlgang zum neuen Oberbürgermeister.

Doch wer sich anschaut, wie die einzelnen Stadtteile abgestimmt haben, entdeckt eklatante Unterschiede im Stimmverhalten. Dahinter steckt wohl vor allem die hitzige Asyl-Debatte. Die Sächsischen Zeitung analysiert das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl.

1. Erkenntnis: Im Tal wird anders gewählt als am Hang

Ein Beispiel: In einem der drei Wahlbezirke in Pesterwitz räumte der AfD-Kandidat Steffen Frost 25 Prozent der Stimmen ab. Auch Klaus Wolframm (SPD) erreichte dort mit 20,9 Prozent sein bestes Ergebnis. Für Uwe Rumberg (CDU) hätte es mit 45,1 Prozent der Stimmen in dem Teil von Pesterwitz nicht zum OB-Titel im ersten Wahlgang gereicht. Frank Gliemann (Bürger für Freital), Michael Richter (Linke) und René Seyfried (Freital steht auf) erreichten lediglich niedrige einstellige Ergebnisse. Im Wahlbezirk rund um die Lessing-Schule in Potschappel holte Seyfried hingegen fast 23 Prozent der Stimmen. Rumberg erreichte dort mit rund 38 Prozent sein schlechtestes Ergebnis in ganz Freital.

Überhaupt fällt auf, dass die Asyl-Debatte die Oberbürgermeisterwahl massiv beeinflusst hat. Seyfried, der für die zum Teil ausländerfeindliche Initiative „Freital steht auf“ antrat, war dort stark, wo Freitag für Freitag demonstriert wird. Im Wahllokal an der Dresdner Straße 162 entschieden sich 23 Prozent der Wähler für ihn. Viele Freitaler stimmten auch im Wahllokal an der Schachtstraße für ihn – es befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Asylheim im ehemaligen Leonardo-Hotel. Mit 18,6 Prozent der Stimmen holte der 40-Jährige dort sein drittbestes Ergebnis in Freital.

Rumberg hingegen hat die Wahl auch deshalb gewonnen, weil er in ganz Freital gute Ergebnisse verbuchen konnte. Trotz aller Schwankungen – einen richtigen Ausreißer nach unten gibt es bei ihm nicht.

2. Erkenntnis: OB-Kandidaten sind dort vorn, wo sie wohnen oder arbeiten

Wenn der Wähler einen Kandidaten persönlich kennt, dann neigt er eher dazu, ihm auch seine Stimme zu geben. Diese simple Erkenntnis lässt sich auch am detaillierten Wahlergebnis ablesen. CDU-Kandidat Uwe Rumberg, der auf dem Sauberg wohnt, konnte im Wahllokal auf der Burgwartstraße mit 62,5 Prozent das zweitbeste Ergebnis für sich verbuchen. Stärker war er nur in Somsdorf, wo er 62,8 Prozent holt.

Deutlich wird das auch bei Steffen Frost, der in der gesamten Stadt lediglich 11,7 Prozent der Stimmen für sich gewann. In Pesterwitz, wo er einmal Ortsvorsteher war und dementsprechend bekannt ist, reichte es für 17,2 Prozent, in einem Wahlbezirk sogar für 25 Prozent der Stimmen. Frank Gliemann (Bürger für Freital), der am Ende bei 8,8 Prozent landete, holte in Birkigt, seinem Wohnort, etwas mehr als 20 Prozent der Stimmen.

Für SPD-Kandidat Klaus Wolframm macht sich der Beruf als Schornsteinfeger bezahlt. Besonders viele Kunden hat er in Pesterwitz und holte deswegen dort fast 20 Prozent der Stimmen – deutlich mehr als in anderen Freitaler Stadtgebieten.

3. Erkenntnis: Wahlbeteiligung trotz großer Auswahl nur mittelmäßig

Die Wahlbeteiligung lag mit 46,4 Prozent der Stimmen ziemlich exakt zwischen der Oberbürgermeisterwahl vor sieben Jahren (50,6 Prozent) und der Kommunalwahl im vergangenen Jahr (40 Prozent). Wahlsieger Uwe Rumberg zeigte sich noch am Wahlabend enttäuscht davon: „Die Wahlbeteiligung ist nicht so berauschend“, sagte er. „Wir können nur hoffen, dass das wieder anders wird.“ Warum nicht mehr Menschen zur Wahl gegangen sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Mit sechs Kandidaten gab es eine große Auswahl. Außerdem herrschte eigentlich perfektes Wahlwetter.

Alle Ergebnisse der Oberbürgermeisterwahl unter www.wahl.mobi/webapp/index.html