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Die Glocken bleiben stumm

Die Vibrationen beschädigen das Mauerwerk der Kirche in Mehltheuer. Jetzt wird nach Lösungen gesucht.

Von Antje Meier

Die Kirchenglocken in Mehl-theuer müssen schweigen. Nur die kleinste der insgesamt drei Glocken darf noch beim Gottesdienst geläutet werden. Dies ist eine Vorsichtsmaßnahme, damit der Turm der Kirche nicht noch instabiler wird. Denn das Fachwerk, das sich hinter dem Putz verbirgt, ist morsch. „Wenn die Glocken läuten, lässt das den Mörtel im Fachwerk rieseln“, erklärte Pfarrer Thomas Piesker schon vor einem Jahr. Um den Turm zu stabilisieren, wollte er diesen zunächst absichern und anschließend den Glockenstuhl erneuern lassen – so die Pläne des Pfarrers damals.

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Hoffen auf Fördermittel

Doch ein Jahr später, Thomas Piesker hat die Kirchgemeinde inzwischen für eine Stelle in Bockhorn nahe Bremen verlassen, ist es noch immer schlecht um die Kirche bestellt. Der Putz und das Fachwerk bröckeln weiter, obwohl nach der Sanierung der Kirche in Heyda die Absicherung der Kirche in Mehl-theuer für die Evangelisch-Lutherische Martinskirchgemeinde oberste Priorität hatte. Man hoffte sogar auf einen Baubeginn noch in diesem Jahr.

Doch die Baumaßnahme verzögert sich, weil es bislang am nötigen Kleingeld mangelt. So ging der Kirchenvorstand von einem höheren sechsstelligen Betrag aus. Die Kirchgemeinde reichte mehrere Fördermittelanträge ein, unter anderem auch beim Programm der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE). Bisher hatte es aber nicht geklappt. Verwaltungsangestellte Anne-Kathrin Schmidtchen ist jedoch zuversichtlich: „Wir bleiben weiter am Ball. Wir wollen unsere Kirchen auch für die nächsten Generationen erhalten.“ So stellte die Kirchgemeinde einen neuen Fördermittelantrag beim Landkreis. „Der neue Antrag enthält nun nur noch die statische Notsicherung des Kirchturmes“, erklärt Schmidtchen. Dadurch würden sich die Kosten drastisch reduzieren. „Zuvor hatten wir auch noch die Glocken im Blick. Die Stahlglocken sollten durch leichtere ersetzt werden. Aber das wird einfach zu viel“, fährt sie fort.

Kein Bau während der Vakanz

Die Verwaltungsangestellte hofft dennoch, dass es vielleicht im nächsten Jahr schon mit dem Bauvorhaben losgehen könne. Dann möglicherweise schon unter der Federführung eines neuen Pfarrers? „Die Pfarrstelle wurde wieder ausgeschrieben und bis Weihnachten kann man sich bewerben. Wir hoffen wirklich, dass sich jemand bewirbt und wir bald einen neuen Pfarrer oder auch eine Pfarrerin begrüßen dürfen“, so Anne-Kathrin Schmidtchen.

Der Strehlaer Pfarrer Volkmar Becher, der die Kirchgemeinde Hirschstein während der Vakanz betreut, glaubt jedenfalls nicht, dass er die Baumaßnahme noch begleiten wird: „Ich habe nicht vor, in der Vakanz größere Bauvorhaben über die Bühne zu bringen“, sagt er.

Trotzdem wolle er sich im nächsten Jahr noch mal mit allen Beteiligten zusammensetzen und beraten, wie es mit der Kirche in Mehl-theuer weiter gehen kann. „Wir müssen auch nach möglichen Eigenmitteln schauen“, so der Pfarrer. Das Projekt sei jedoch nur mit Unterstützung des Freistaates, der Landeskirche und durch die Bevölkerung zu stemmen. „Es wäre schön, wenn wir schon im Vorfeld ein paar Spenden erhalten würden“, sagt Anne-Kathrin Schmidtchen.

Und auch wenn in den nächsten Monaten noch nichts an der Kirche gemacht werden könne, so Schmidtchen, gehe es trotzdem weiter. „Wir sind ja deswegen nicht von allen guten Geistern verlassen“ sagt sie und lacht. „So findet am kommenden Sonntag um 9 Uhr der Adventsgottesdienst in der Kirche Mehltheuer statt. Außerdem wird es in allen sechs Kirchen Christvespern geben und natürlich auch in Mehltheuer.“ Auch das traditionelle Krippenspiel wird in der Kirche wieder stattfinden.

Nur auf den Klang der großen Glocken müssen die Anwohner wohl noch eine ganze Weile verzichten.

Wer das Bauvorhaben an der Kirche Mehl-theuer unterstützen will, kann folgendes Spendenkonto nutzen: Bank für Kirche und Diakonie Dortmund, Kontonummer 1646400020, Bankleitzahl 35060190. Außerdem kann auch Geld in die Kollekte gegeben werden.