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Die Gohrischheide nach dem Brand

25 Hektar Heide brannten vor einem Monat ab. Es hätte noch viel schlimmer kommen können.

Sieht herbstlich aus, ist es aber nicht: Die Blätter müssten eigentlich grün sein, die Rotfärbung wurde durch die Hitze des Heidebrands verursacht. Wo die Flammen sich durchfraßen, blieb totes Holz zurück.  sagt Revierförster Kaj Krumbiegel.
Sieht herbstlich aus, ist es aber nicht: Die Blätter müssten eigentlich grün sein, die Rotfärbung wurde durch die Hitze des Heidebrands verursacht. Wo die Flammen sich durchfraßen, blieb totes Holz zurück. sagt Revierförster Kaj Krumbiegel. ©  Sebastian Schultz

Eine verkohlte Streu bedeckt den Boden. Dünne Stämme und Äste starren schwarz in die Höhe. An höheren Bäumen ist das Laub frühzeitig gelbrot geworden: Mehr als 25 Hektar sind beim Brand der Gohrischheide vor einem Monat abgebrannt. Glück im Unglück: Das Feuer hatte keinen Kiefernwald erfasst, wo die Flammen rasend schnell von Gipfel zu Gipfel gesprungen wären. 

„Betroffen ist eine Sukzessionsfläche“, sagt Revierförster Kaj Krumbiegel. Wo bis 1992 die Sowjetarmee Panzer rollen ließ, hatte sich seitdem die Natur das Areal des einstigen Kriegsgefangenenlagers zurückerobert. Weißdorn, Aspe, Birke, wenige Kiefern.

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Was mehr als 20 Jahre zum Wachsen brauchte, ist am 3. Juli innerhalb eines Tages abgebrannt. Nun geht die sogenannte Sukzession von vorn los: mit Samen, die aus der Umgebung eingetragen werden. Manche Traubenkirsche treibt wieder neu aus, als wäre nichts gewesen. 

Langsam holt sich die Natur die Fläche zurück. 
Langsam holt sich die Natur die Fläche zurück.  © Sebastian Schultz
So sah der Brand aus Richtung Jacobsthal aus. 
So sah der Brand aus Richtung Jacobsthal aus.  ©  Klaus-Dieter Brühl
Die Feuerwehr Zeithain am 3. Juli im Einsatz. 
Die Feuerwehr Zeithain am 3. Juli im Einsatz.  © Christoph Scharf

Manche Gräser wachsen auf dem schwarzen Boden, obwohl es trocken ist „Die Natur holt sich die Fläche zurück“, sagt der Sachsenforst-Mitarbeiter. Viel schlimmer wäre es gewesen, wenn der Brand die Fläche eines privaten Waldbesitzers betroffen hätte. Dann wäre der Schaden erheblich – wo es Sachsens Wälder durch Trockenheit und Borkenkäfer so schwer haben, wie lange nicht.

Im Naturschutzgebiet geht es dagegen um Lebensräume für seltene Arten. Da ist der Holzpreis nicht die entscheidende Größe. „Die Schadenshöhe entspricht im Wesentlichen den Einsatzkosten der Feuerwehr“, sagt der Revierförster.

Die hatte an dieser Stelle ohnehin nur vor Ort löschen dürfen, weil in diesem Bereich die Munitionsbelastung nicht ganz so hoch ist wie im Bereich der früheren Schießbahn, jenseits der Bahnstrecke. Hätte es dort gebrannt, hätte ein Sicherheitsabstand von 1 000 Metern zwischen Flammen und Feuerwehrleuten gegolten – und der Brand wohl deutlich mehr Fläche erfasst.

© SZ-Grafik: Pit Konczak

Der Vorfall von Anfang Juli geht offenbar auf einen Defekt an einer Landmaschine zurück. Der Brand war unmittelbar am Heiderand auf einem Feld bei Jacobsthal ausgebrochen (siehe Karte). Agrarflächen und Naturschutzgebiet gehen dort direkt ineinander über.

Einen Sicherheitsabstand auf den Feldflächen könne man den Landwirten nicht vorschreiben, sagt der Revierförster. „Wenn es um einen Millionenschaden geht, fragt die Versicherung aber schon beim Landwirt nach“, sagt Krumbiegel. „Dann heißt es: ‚Was hast du unternommen, dass der Brand nicht so groß wird?‘“ Schon von sich aus würden aber viele Landwirte Schutzstreifen anlegen, auch wenn das Ernteeinbußen bedeutet.

Auch in der Heide selbst rüstet man sich für Waldbrände: Derzeit wird ein Rettungswegesystem für Feuerwehr, Polizei oder Krankenwagen ausgeschildert – auch für den Fall, dass in der für Besucher verbotenen Fläche etwa der Heideschäfer ein gesundheitliches Problem hat – oder dass Beamte illegale Eindringlinge stellen sollen. „Wanderwege sind das aber nicht“, stellt Kaj Krumbiegel klar. Sie sind nur mit Nummern an Wegpunkten markiert, die ohne spezielle Karten dazu nutzlos sind.

Eine Frage dürften sich Augenzeugen nach dem Waldbrand stellen: Warum wurde kein Lastzug mit Gülle eingesetzt, den Landwirte kurz nach Brandausbruch zum Löschen bereitstellten? Kubikmeterweise Gülle in die Heide zu kippen, wäre aus Sicht des Naturschutzes eine Katastrophe, sagt der Revierförster.

„Wenn Gülle das einzige Mittel wäre, zum Beispiel bedrohte Eigenheime zu retten, ja – sonst nicht!“ Der Lastzug hatte sich am Brandtag am Bahnhof Jacobsthal stundenlang für den Notfall in Bereitschaft gehalten – und war dann doch nicht angefordert worden.

Auch ohne den Waldbrand hat es die Gohrischheide schwer. Noch immer wirkt sich die Trockenheit von 2018 aus – zumal der Heideboden kaum Wasser speichern kann. „Auch rings um die Heide vertrocknen viele Waldbestände“, sagt der Förster. Das Feinwurzelsystem sei geschädigt.

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