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Die goldenen Zeiten des Goldenen Löwens

Der einstige Gasthof mit Saal, Fremdenzimmern und Fleischerei war beliebt. Die neuen Pläne für das Haus finden Anklang.

© SZ/Peter Hilbert

Von Kay Haufe

Köstlich war er, der Rübenblätter-Spinat, der im Goldenen Löwen in den schweren Jahren serviert wurde. Daran erinnert sich Irene Wauer noch genau. „Es gab ja damals nichts nach dem Krieg, und trotzdem hat der Koch schmackhaftes Essen auf den Teller gebracht“, sagt die Fleischerstochter. Ihrem Vater Erich Härtel gehörte der Pillnitzer Gasthof seit dem Jahr 1939. Zwei Jahre zuvor war sie geboren worden. Härtels Fleischerei, die weiterhin den Namen Mittenzwei vom Schwiegervater trug, befand sich in Räumen im Erdgeschoss, daneben schloss sich das Schlachthaus an. Die Gaststätte samt Fremdenzimmern im ersten und zweiten Stock hatte der Fleischermeister bis 1945 an einen Herrn Sawade verpachtet. Später an die Gebrüder Krause, von denen einer den eingangs erwähnten Rübenblätter-Spinat kochte und der andere das Haus bis 1957 führte.

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Irene Wauer wuchs in der Wohnung im Goldenen Löwen auf und verbrachte ihre Jugend hier, bis sie dem Lohmener Müllermeister mit 22 Jahren in die Sächsische Schweiz folgte. Damals erlebte sie im großen Saal regelmäßige Tanzveranstaltungen und Vergnügungen. Den Goldenen Löwen hat sie bis heute nicht aus den Augen verloren, auch wenn ihr Vater ihn 1981 verkaufte. Die Fleischerei musste er bereits 1962 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. „Mein Vater hat sein ganzes Leben dafür gearbeitet, den Gasthof, so gut es ging, zu erhalten. Deshalb tat es mir sehr weh zu sehen, wie das Gebäude mehr und mehr verfiel“, sagt die gebürtige Pillnitzerin.

Denn selbst in DDR-Zeiten, als Baumaterial knapp und kaum zu bekommen war, hatte ihr Vater stets das Nötigste am Haus gemacht, sagt die 68-Jährige. Nachdem es ihr Vater an den VEB Lufftechnische Anlagen verkauft hatte, der daraus ein Ferienheim machen wollte, gab es 1987 einen weiteren Verkauf an den VEB Spezialwiderstände. Dieser brachte im Haus vietnamesische Gastarbeiter unter, für die im Erdgeschoss Duschen eingebaut wurden. Nach der Wende ging der Gasthof 1994 an die Firma Heine als Betriebsvermögen.

Erste Pläne, das denkmalgeschützte Haus zum Hotel umzubauen, zerschlugen sich genau wie die für ein Seniorenheim. Nur ein Fleischer hat noch bis zum Hochwasser 2002 darin durchgehalten. Doch nun hat die Firma Elbtalimmobilien das neobarocke Gebäude erworben und will darin 21 Eigentumswohnungen bauen. Im August soll die Sanierung starten, bereits jetzt wird im Außengelände gearbeitet. In anderthalb bis zwei Jahren soll alles fertig sein.

Darüber freut sich nicht nur Irene Wauer, die regelmäßig während des Baus vorbeischauen möchte. „Ich bin gespannt, wie mein Elternhaus aussehen wird“, sagt sie. Auch die langjährige Hosterwitzerin Helga Raschdorf ist froh, dass dem historischen Gasthof, dessen Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht, neues Leben eingehaucht werden soll. Sie hat hier nicht nur privat viele schöne Stunden verbracht, sondern war als Handelslökonomin der HO Gaststätten regelmäßig beruflich im Gasthof. Dieser wurde seit Anfang der 60er-Jahre von der HO betrieben. „Allerdings war der bauliche Zustand damals schon nicht mehr der beste“, erinnert sich Helga Raschdorf. Deshalb zog sich ihr Unternehmen auch Ende der 70er-Jahre aus dem Löwen zurück. Die 89-Jährige hat bis heute ein Verzeichnis aller Dresdner HO-Gaststätten von 1967 aufbewahrt, in dem auch der Goldene Löwe aufgeführt wird. Sie weiß noch genau, wie knapp damals schon gutes Servicepersonal war. Das fehlte, um den Biergarten zu bewirtschaften.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Peter Schulze, der Vorsitzende des Pillnitzer Ortsvereins, den geplanten Umbau des Gasthofes. „Es wäre schön gewesen, den Saal für Veranstaltungen in Pillnitz zu erhalten. Doch ich bin froh, dass jemand gekommen ist und Geld in die Hand nimmt, um das Haus wiederzubeleben. Auch der Innenhof wird bestimmt sehr schön.“