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Die Goldmarie ist meistens männlich

„Rüttle mich, schüttle mich“, fleht der proppenvolle Apfelbaum. Doch das gibt es nur im Märchen. „Alle Äpfel werden in Handarbeit gepflückt. Würden sie herunterfallen, bekämen sie Flecken und wären nur...

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Von Jürgen Müller

„Rüttle mich, schüttle mich“, fleht der proppenvolle Apfelbaum. Doch das gibt es nur im Märchen. „Alle Äpfel werden in Handarbeit gepflückt. Würden sie herunterfallen, bekämen sie Flecken und wären nur noch für die Mosterei zu gebrauchen“, sagt Thomas Keßler, der junge Geschäftsführer der Krögiser Obstproduktion GmbH. Die Krögiser erwarten eine Rekordernte. „5 000 Tonnen Äpfel könnten es schon werden“, schätzt Keßler. Im vergangenen, total verregneten Jahr, war es gerade mal die Hälfte.

Der warme, trockene Sommer war für die Obstbauern ein Segen. Die Äpfel, die viel Sonne brauchen, sind groß und von guter Qualität. Der Wassermangel setzte ihnen nicht sonderlich zu. Die guten Böden in der Lommatzscher Pflege gleichen vieles aus. Auf 140 Hektar seines Betriebes sind jetzt viele Goldmarien ganz fleißig. Die sind übrigens meist männlich und kommen zum größten Teil aus Polen. 60 Arbeitskräfte aus dem östlichen Nachbarland ernten die Gelben Köstlichen, Delbar oder Elster.

Seit 1994 arbeiten polnische Erntehelfer mit

Maximal 50 Tage im Jahr dürfen die polnischen Erntehelfer in Deutschland arbeiten. Einige von ihnen waren schon mehrmals hier. Untergebracht sind sie in Containern, die die Firma gemietet hat. Seit 1994 greift der Betrieb auf die Gastarbeiter zurück. „Die sind sehr fleißig, ich bin mit ihnen sehr zufrieden“, lobt Keßler, der neun fest angestellte Mitarbeiter hat.

Auch 30 Einheimische sind unter den Erntehelfern. Leute, die das Arbeitsamt schickte. So manche Pechmarie ist darunter. „Von denen, die heute bei uns angefangen haben, waren mittags schon einige verschwunden“, sagt der Geschäftsführer.

Auch Saft und Apfelmus entstehen

Einen Teil seiner Äpfel vermarktet der Betrieb selbst. Seit Mitte August ist die Verkaufsstelle am Ortsausgang von Krögis wieder geöffnet. Die nicht so guten Früchte gehen in die Mostereien, vor allem nach Eisleben. Ein geringer Teil wird im Spreewald zu Apfelmus gemacht. Was nicht sofort verkauft werden kann, wird in Tannenberg eingelagert. Rund 400 Tonnen Äpfel finden hier Platz. Bei zwei bis drei Grad Celsius bleiben sie bis März nächsten Jahres frisch.

Die derzeitige Witterung ist ideal für das Reifen der Äpfel. „Sie brauchen warme Tage und kühle Nächte“, sagt Keßler. Stolz ist er auf seinen integrativen Anbau. Das bedeutet, dass nur bestimmte Pflanzenschutzmittel verwendet werden dürfen. In diesem Jahr gab es keine Probleme mit Schädlingen.