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Die große Geschichte der Kema

Der Name stand seit 1878 für moderne und robuste Maschinen in der Keramikindustrie.

Von Ingo Kramer

Im Jahr 1878 fing alles an: In einer kleinen gemieteten Werkstatt in Görlitz begann der 27-jährige Richard Raupach, sich ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Als besondere Spezialität verlegte er sich auf die Verbesserung des Wirkungsgrades bestehender Dampfmaschinenanlagen. Im Jahr darauf gründete er in weiterhin gemieteten Räumen in der Leipziger Straße die Maschinenfabrik Richard Raupach.

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Mit Shopping und PS in den Herbst
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Mit einem verkaufsoffenen Sonntag läutet der NeißePark Görlitz den Herbst ein. Am Sonntag, 27. September, öffnen mehr als 40 Geschäfte und Gastronomiebetriebe.

Später wurde in der Zittauer Straße eine neue Maschinenfabrik in großem Stil errichtet. 1903 feierte die Maschinenfabrik Richard Raupach ihr 25-jähriges Bestehen. Die Belegschaft war auf über 250 Beschäftigte angewachsen. Der Chef wurde zum Königlichen Kommerzienrat ernannt. Er spendete für viele öffentliche Bauten, aus seinem Privatpark wurde der heutige Tierpark. Und noch etwas erinnert an der Zittauer Straße an ihn: Eine als „Parkbank“ bezeichnete Sitzgruppe. Sie wurde in Vorbereitung auf die Niederschlesische Gewerbe- und Industrieausstellung 1905 geschaffen. Nach Ausstellungsschluss kaufte Raupach sie. Er ließ sie vor seinem Werksgelände aufstellen – gegenüber dem heutigen Straßenbahndepot. Dort steht sie bis heute – wenn auch abgesperrt und verfallen.

Bei einem Autounfall 1921 kam der 70-jährige Raupach ums Leben. Der Betrieb wurde von den Söhnen weitergeführt, denen es in den kommenden Jahren gelang, die Firma zu einem der in Deutschland führenden Unternehmen im Dampf- und Ziegelmaschinenbau auszubauen.

Die wirtschaftlich schwierigen 1920er Jahre überstand die Firma mit großen Mühen. Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein lief die Produktion von Dampfmaschinen. Noch im Kriegsjahr 1940 bot Raupach ein- oder mehrzylindrige Dampfmaschinen an. Bereits 1939 wurde die Firma aber auch in die Rüstungsproduktion des Dritten Reiches mit einbezogen. In den letzten beiden Kriegsjahren wurde dann die Dampfmaschinenproduktion völlig eingestellt.

1945 begann die totale Demontage der Firma. Unter russischer Aufsicht wurden die Fabrikräume ausgeräumt und Produktionsmaschinen und Einrichtungen als Reparationsgut nach Russland gebracht. Bis 1948 wurde aber in den Werkhallen wieder eine kleine Produktion aufgebaut. Im Sommer 1948 jedoch kam das Ende für die traditionsreiche Firma Raupach. Das Unternehmen wurde zum Volkseigentum erklärt. Der neue Name: VEB Kema, Volkseigener Betrieb Keramikmaschinenbau.

Bis 1990 arbeiteten etwa 900 Mitarbeiter im VEB Kema Görlitz. Das Hauptsortiment bestand hauptsächlich aus Doppelwellenmischern, Ziegelpressen, Kollergängen, Walzwerken und vielem mehr. Diese Produkte wurden erfolgreich ins In- und Ausland geliefert. Nach der Wiedervereinigung wurde die Kema von der Eirich Gruppe und später von der BMS GmbH übernommen. Fortan wurden Aufbereitungs-, Speicher- und Fördergeräte, Formgebungsmaschinen, Kammerfilterpressen und Trommelnassmühlen gefertigt.