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Die große Leere

Ein Mann bestellt und bezahlt über Ebay einen Subwoofer. Als das Paket ankommt, traut er seinen Augen nicht.

Als das Paket ankommt, enthält es statt einer Lautsprecheranlage nur Holzplatten und Verpackungsmaterial. Hat der Meißner Verkäufer also betrogen?
Als das Paket ankommt, enthält es statt einer Lautsprecheranlage nur Holzplatten und Verpackungsmaterial. Hat der Meißner Verkäufer also betrogen? © imago stock&people

Meißen. Es scheint für den 31-Jährigen aus dem baden-württembergischen Ludwigsburg ein gutes Geschäft zu sein. Bei Ebay Kleinanzeigen findet er das Angebot für einen Subwoofer, eine Lautsprecheranlage, für 460 Euro. Er bestellt, überweist im Voraus das Geld auf das Konto des Verkäufers aus Meißen. Als er das Paket bekommt, beschleicht ihn gleich ein komisches Gefühl. Der bestellte Subwoofer müsste so um die 15 Kilogramm wiegen. Das Paket ist aber viel leichter. Als er es öffnet, traut der Mann seinen Augen nicht. Es ist die große Leere. Statt einer Lautsprecheranlage sind nur Holzplatten und Verpackungsmaterial in dem Paket. 

Der Betrogene geht zur Polizei, zeigt den Verkäufer aus Meißen wegen Betrugs an. Der sitzt deswegen nun vor dem Meißner Amtsgericht. Und bestreitet die Vorwürfe. „Ich kann mir das bis heute nicht erklären“, sagt er. Er habe die Anlage jedenfalls im Originalkarton verpackt, das Paket zu einer Postannahmestelle in Meißen gebracht. Dafür habe er eine Zeugin. 

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Aus der Quittung geht hervor, dass er für dieses Paket nur sechs Euro Porto bezahlt hat. Das ist allerdings viel zu wenig für ein 15-Kilogramm-Paket. Auch dafür hat er eine Erklärung. Das Paket sei in der Annahmestelle weder gewogen noch bewegt worden. Demnach hatte die Angestellte das Gewicht des Paketes nur geschätzt. Er habe gleich gemerkt, dass das Paket leer war, sagt der Geschädigte. Dem Verkäufer habe er schriftlich mitgeteilt, dass er bei der Polizei eine Anzeige wegen Betrugs gestellt habe. Darauf habe dieser wütend und mit Unverständnis reagiert.

Zehn Stunden im Hausflur gestanden

Es gibt aber einige Ungereimtheiten. So war der Geschädigte nicht zu Hause, als das Paket ankam. Er befand sich auswärts auf Arbeit, war danach über das Wochenende bei seiner Verlobten. Erst vier Tage später ist er wieder in seiner Wohnung. Eine Nachbarin hatte die Sendung angenommen, ein Mitbewohner das Paket in den Hausflur gestellt. Dort stand es zehn Stunden. 

Gemeinsam mit seinem Mitbewohner habe er das Paket dann geöffnet. Es sei leer gewesen. Er könne nicht mit Sicherheit sagen, ob sich jemand an dem Paket vergriffen hat, als es im Hausflur stand, sagt er auf eine entsprechende Frage der Richterin. Der Mann hat auch versucht, das Geld zurückzuerlangen. Das geht aber nicht, wenn Geld selbst überwiesen wurde. Dann ist man auf den Empfänger angewiesen, dass er es zurücküberweist. Gegenüber der Bank des Angeklagten wurde angegeben, das Geld sei für jemand anderes gewesen und „fälschlicherweise“ überwiesen worden. Der Trick klappt aber nicht.

Andere Entscheidung als im Zivilverfahren

Richterin Ute Wehner ist geneigt, das Verfahren einzustellen, doch Staatsanwältin Sabine Greiffenberg will eine „klare Entscheidung“, wie sie sagt. Das bedeutet: Freispruch. Die Sache sei nicht aufzuklären, das Paket durch mehrere Hände gegangen. Dem Angeklagten sei die Tat nicht sicher nachzuweisen. Und so wird der 38-jährige Meißner freigesprochen.

Bemerkenswert ist allerdings, dass der Geschädigte auch zivilrechtlich gegen den Meißner vorgegangen ist. Und gewann. Das Amtsgericht Ludwigsburg verurteilte den Verkäufer, den Schaden von 460 Euro plus Zinsen zurückzuzahlen. Dieser erkannte das Urteil an und zahlt jetzt in Raten das Geld an den Geschädigten zurück. 

Der macht sich nun mit seinem ehemaligen Mitbewohner wieder auf die 550 Kilometer lange Rückreise. Auch der Mitbewohner ist sauer: „Da werde ich als Zeuge geladen, muss zwei Tage freinehmen, reise durch halb Deutschland, und dann werde ich nicht mal angehört und bekomme nur den Hinweis, ich könne mir ja meine Auslagen erstatten lassen “, sagt er empört.

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