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Meißen

Die Gründe für höhere Strompreise

Ein Meißner ist empört über die Begründung der höheren Strompreise. Er fordert mehr Transparenz der Kosten.

Meißner müssen ab 2020 mehr Geld für Strom bezahlen. Die Gründe sind vielfältig.
Meißner müssen ab 2020 mehr Geld für Strom bezahlen. Die Gründe sind vielfältig. © dpa-Zentralbild

Meißen. Die Begründung zur Strompreiserhöhung sei falsch, meint der Meißner Fritjof Möckel. In einem offenen Brief an die Meißener Stadtwerke fordert er das Unternehmen auf, die Kosten transparent darzustellen. Er bemängelt, dass die Stadtwerke die EEG-Umlage als Hauptgrund für die höheren Kosten nennt. Damit würde seiner Meinung nach „politische Agitation gegen erneuerbare Energien in der Stromproduktion betrieben werden. Das ist eines städtischen Unternehmens unwürdig“, heißt es in dem Schreiben.

Auf Nachfrage stellen die Stadtwerke klar: „In der Benachrichtigung an die Haushalte wurde die Erhöhung mit gestiegenen Beschaffungskosten, erhöhten Netzentgelten sowie einer Erhöhung der staatlichen Umlagen, die hauptsächlich an der Erhöhung der staatlich auferlegten EEG-Umlage liegt, begründet.“

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Erhöhte Umlagen

Die Strombeschaffungskosten schlagen mit den angegebenen 20 Prozent Erhöhung damit am meisten zu Buche. Zudem wurde auf die Erhöhung der staatlichen Umlagen verwiesen, hervorgehoben vor allem durch die höhere EEG-Umlage. Wie ergeben sich nun die einzelnen Anteile?

2019 betrug die EEG-Umlage – Kostenanteil für den Ausbau der Erneuerbaren Energien – 6,405 Cent pro Kilowattstunde. 2020 steigt sie um 0,351 Cent pro Kilowattstunde auf 6,756. Das ist ein Anstieg von knapp 5,5 Prozent. Die restlichen Umlagen haben sich hingegen kaum erhöht. So steigen diese um 0,1 Prozent von 1,006 Cent pro Kilowattstunde auf 1,007.

Neben den Kosten für die Umlagen sind auch die Gebühren an den Netzbetreiber für die Nutzung der Stromleitungen gestiegen. So betrugen die Nutzungsentgelte in diesem Jahr 6,3 Cent pro Kilowattstunde, 2020 steigen sie auf 6,7. Das ergibt eine Erhöhung um rund 6,3 Prozent.

Die Strompreise am Markt sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. „Als Extremwert lässt sich sogar eine zeitweise Verdoppelung des Strompreises für Grundlaststrom zwischen Anfang des Jahres 2017 und Herbst 2018 feststellen“, teilte Frank Nowak von den Meißener Stadtwerken mit. 

Das Meißener Energieunternehmen kauft den Strom bereits zwei bis drei Jahre vor Lieferung an den Endkunden. „Wir beschaffen den Strom zu verschiedenen Zeitpunkten vor Lieferbeginn, um das Risiko eines Einkaufs großer Mengen zu teuren Zeitpunkten zu minimieren, was sich negativ auf den Endpreis für den Kunden auswirken würde“, erklärte Nowak. So wurde der Strom für 2019 bereits 2017 gekauft. 

Damals wurde er mit Preisen unter 3 Cent pro Kilowattstunde gehandelt. Im Frühjahr 2018 waren es 3,5. Danach setzte ein Preisanstieg ein. Die Spitzenwerte lagen bei etwa 5,5 Cent pro Kilowattstunde im Herbst vorigen Jahres. Seitdem schwankt der Strompreis am Markt um rund 5 Cent pro Kilowattstunde. 

Höhere Kosten für Endverbraucher

„Die Marktschwankungen versuchen wir durch unsere Beschaffungsstrategie auszugleichen.“ Im Durchschnitt betrage in Summe die Erhöhung der Strombeschaffungskosten etwa 20 Prozent.

Musste ein Kunde mit einem jährlichen Stromverbrauch von 2.500 Kilowattstunden 2019 noch 829,42 Euro zahlen, liegt der Betrag 2020 bei 879,84 Euro. Die Summe ergibt sich aus Grund- und Verbrauchspreis. Der jährliche Grundpreis steigt von 105,67 Euro (2019) auf 109,84 Euro (2020). Der Verbrauchspreis von 28,95 Cent pro Kilowattstunde auf 30,80. Damit muss der Kunde 2020 im Vergleich zum Vorjahr rund sechs Prozent mehr Geld ausgeben.

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