SZ +
Merken

Die „gute Seele“ will jetzt reisen

Löbau. Elli Nitschke ist aus dem Vorstand der Volksbank ausgeschieden, berät aber ihr Institut auch künftig noch.

Teilen
Folgen

Von Sebastian Beutler

In der Stunde des Abschieds überkam sie doch die Rührung. Mitarbeiter, Aufsichtsrat und Vorstand hatten die Löbauer Johanniskirche dafür als Ort ausgesucht. Hier lobten sie nochmals die „gute Seele“ des Hauses, ihren Einsatz in den vergangenen Jahren und stießen auf den Ruhestand an. Das liegt nun schon ein paar Wochen hinter Elli Nitschke. Die 58-Jährige schied in diesem Sommer aus dem Vorstand der Volksbank Löbau-Zittau aus. Künftig steht sie ihrer Bank als Ehrenvorstand beratend zur Seite. „Wir werden unsere Gedanken austauschen, Visionen entwickeln und die Bank weiter positiv prägen“, sagt die erfahrene Bankfrau im Beratungsraum der Löbauer Filiale.

Eng verbunden mit BHG

Mit dem Genossenschaftswesen in der Großen Kreisstadt ist die gebürtige Ottenhainerin ihr ganzes Leben lang verbunden. 1965 begann sie bei der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft (BHG) in Löbau eine Ausbildung zum Handelskaufmann, 1974 übernahm sie innerhalb der BHG die Bankleitung, die sie bis 1990 inne hatte.

Mit der Wende, so erinnert sie sich selbst, kamen „schwere Jahre“. Bisweilen spricht sie auch von einer „furchtbaren Zeit“. Zum einen musste sie eine Bank gründen. Denn schnell wurde klar, dass die Handels- und die Bankabteilung der Genossenschaft nicht auf Dauer unter einem Dach bleiben würden. Schon Mitte 1990 fusionierten die BHG-Bank mit der Bank für Land- und Nahrungsgüterwirtschaft. 1991 folgte dann die Gründung der Raiffeisenbank Löbau. Und Elli Nitschke blieb Chefin.

Dafür musste sie sich eben auch fit machen, Seminare für Bankvorstände belegen. Sie möchte diese Doppelbelastung zwar nicht missen, doch in der Art, wie sie die Jahre schildert, leuchten die damaligen Ängste nochmals auf. Und Stolz bricht durch, dass sie all jene doch Lügen gestraft hat, die damals nicht glaubten, dass Frauen solche Seminare durchstehen.

Ein offenes Ohr für Mitarbeiter

Elli Nitschke hat Umsicht und Stehvermögen auch bei der nicht einfachen Loslösung von der BHG bewiesen. Das brachte ihr Anfeindungen ein. Wer Elli Nitschke und ihre freundliche, auf die Menschen zugehende Art kennt, kann ermessen, wie schwer sie das damals traf. Umreißt sie doch ihr Credo mit den Worten: „So gut es der Bank geht, so gut geht es den Mitarbeitern.“ Der Bank bekam das alles. Und heute, zwei Fusionen später, ist die Volksbank eine der ertragsstärksten. In Sachsen allemal. So konnte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Zürn zu Nitschkes Verabschiedung davon sprechen, dass sie „ihrer Volksbank einen persönlichen Stempel aufgedrückt“ hat. Über diese Anerkennung freut sich die Ruheständlerin, die in der Oberlausitz verwurzelt ist, die offenen, heimatverbundenen Menschen mag, von ihnen beinahe liebevoll erzählt: Von ihren Schrullen und ihrem Wunsch in der Ferne, in die Heimat zurückzukehren. Sie selbst aber zieht es jetzt auch mal in die Ferne: Reisen steht ganz oben auf ihrer Wunschliste, dafür will sie an der Volkshochschule ihr Englisch auch auffrischen. Langweilig wird es ihr nicht werden. Und wenn doch, wird sie vielleicht eines Tages der Bank wieder zur Verfügung stehen: Als Mitglied im Aufsichtsrat.