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Die Handball-Könige aus dem hohen Norden

Die SG Flensburg-Handewitt gewinnt die Champions League zum ersten Mal und macht damit die Sensation perfekt.

© dpa

Von Oliver Mucha

Als die schier übermächtigen Titeljäger des THW Kiel gestoppt waren, tanzten die Spieler der SG Flensburg-Handewitt wild im Kreis und herzten Matchwinner Mattias Andersson. Der überragende schwedische Nationaltorhüter trieb im Finale der Champions League den deutschen Rekordmeister in Köln immer wieder zur Verzweiflung und hatte großen Anteil am überraschenden 30:28 des Außenseiters.

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Die SG feierte damit den größten Erfolg ihrer Klubgeschichte. Nach den bitteren Finalniederlagen 2004 und 2007 holte sie erstmals die wichtigste Trophäe im europäischen Klub-Handball. „Unglaublich, was die Mannschaft abgeliefert hat“, sagte Geschäftsführer Dierk Schmäschke. „Es ist ein Traum wahr geworden. Dieses Team hat Geschichte geschrieben. Es ist Wahnsinn. Ich kann das noch nicht begreifen.“ Auch Trainer Ljubomir Vranjes schwärmte: „Ich bin stolz auf diese Mannschaft.“

Die SG vergoldete als Nachfolger des HSV Hamburg ihren sensationellen Halbfinalsieg gegen den Favoriten FC Barcelona. Nach einem 26:32-Rückstand acht Minuten vor dem Ende behielt sie gegen den spanischen Meister nach Verlängerung (36:36) und Siebenmeterwerfen (5:3) die Oberhand. Der THW setzte sich gegen den ungarischen Meister MKB Veszprem mit 29:26 durch, verpasste vor 20 000 Zuschauern im Finale aber den vierten Triumph in der europäischen Königsklasse nach 2007, 2010 und 2012. „Die Kraft war nicht mehr vorhanden. Es war ein hartes Spiel. Schade, dass es nicht geklappt hat. Glückwunsch an Flensburg“, sagte Kiels Star Filip Jicha.

Anschließend durfte sich die Bundesliga als Sieger fühlen. Die deutsche Eliteklasse ist viel ausgeglichener besetzt als die Oberhäuser in Spanien oder Ungarn. Spitzenmannschaften wie SG, THW, HSV und die Rhein-Neckar-Löwen müssen viel häufiger an ihre Leistungsgrenze gehen. Das zahlt sich in den spannenden Duellen in der Champions League positiv aus.

Da ist es auch kein Nachteil, dass Klubs wie Kiel und die Rhein-Neckar-Löwen zuletzt finanziell ein bisschen abspecken mussten. Ihre internationale Konkurrenzfähigkeit litt keinesfalls darunter. Zum dritten Mal hintereinander ging der wichtigste Titel des Klub-Handballs nach Deutschland. Dass in den Startformationen der SG und des THW die deutschen Spieler deutlich in der Unterzahl waren, ist wieder ein anderes Thema. Der Champions-League-Pokal eines Bundesligisten ist daher auch keine Garantie für eine erfolgreiche WM-Qualifikation in den Play-offs gegen Polen. (sid)