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Die helfenden Elfen

Zwei Schülerinnen packen im Kornmarkt-Center täglich 60 Geschenke ein. Blasen an den Fingern gibt es inklusive.

Von Marleen Hollenbach
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Sie helfen dem Weihnachtsmann: Lena Küster (v.l) und Anja Moroschan packen zusammen im Bautzener Kornmarkt-Center unzählige Geschenke ein.
Sie helfen dem Weihnachtsmann: Lena Küster (v.l) und Anja Moroschan packen zusammen im Bautzener Kornmarkt-Center unzählige Geschenke ein. © Steffen Unger

Bautzen. Ratsch, schon ist das rote Weihnachtspapier sauber durchgeschnitten. Lena Küster breitet es auf dem langen Tisch aus. Was dann kommt, sieht sehr routiniert aus. Gekonnt wickelt die 18-Jährige das Papier um das Buch. Sie faltet das eine Ende, befestigt es fix mit durchsichtigem Klebeband. Dann dreht sie das Buch herum, faltet die andere Seite. Wieder kommt Klebeband zum Einsatz. Die Schülerin greift in eine Tüte, holt eine rote Schleife hervor. „Fertig“, sagt sie und übergibt das Päckchen an eine ältere Frau, die schon ungeduldig wartet. Seit drei Stunden arbeitet Lena Küster im Akkord. Eine Pause hatte sie noch nicht. „Das wird heute noch stressig, die meisten kommen auf den letzten Drücker“, sagt sie und lächelt.

Ein Tag vor Heiligabend herrscht im Kornmarkt-Center in Bautzen Ausnahmezustand. Unzählige Menschen drängen sich in die kleinen Geschäfte. Viele haben Einkaufstüten in der Hand, viele sind im Stress. Auch im sonst eher ruhigen Obergeschoss ist es laut, weil die Besucher durcheinanderreden. Mittendrin steht Lena Küster. Übersehen kann man die junge Frau mit den rostbraunen Haaren nicht. Das Center-Management hat dafür gesorgt, dass ihr Stand sofort ins Auge fällt. Bunte Päckchen liegen dort neben reich geschmückten Weihnachtsbäumen. Überall glitzert und blinkt es. Schon seit ein paar Jahren bietet das Center den kostenlosen Einpack-Service an. Viele Schüler haben sich dort schon ihr Taschengeld aufgebessert. Lena Küster ist das dritte Jahr dabei. Und sie hat eine Freundin mitgebracht. Die 17-jährige Anja Moroschan hilft ihr.

Zusammen haben die Schülerinnen des Bautzener Schillergymnasiums schon sieben Tage lang Geschenke verpackt. Große und kleine, ganz einfache und besonders komplizierte. Nur so stressig wie jetzt, kurz vor dem Fest, war es noch nie. Normalerweise packen die Frauen pro Schicht etwa 60 Geschenke ein. „Heute werden es deutlich mehr werden“, sagt Anja Moroschan.

Keine Lust auf Kuscheltiere

Inzwischen hat sich an ihrem Stand eine lange Schlange gebildet. Acht Leute warten darauf, dass sie an die Reihe kommen. Ein Mann mit einem T-Shirt in der Hand fragt nach, was das Einpacken kostet. „Nichts“, erwidert Lena Küster. Der Mann zögert kurz. Hat er die Antwort nicht verstanden, oder will er es nicht glauben? „Was es kostet, wollte ich wissen“, fragt der Besucher erneut. Lena Küster lächelt freundlich. „Das ist kostenlos“, sagt sie geduldig und betont dabei jedes Wort. „Wirklich? Super, dass es mal was gratis gibt“, freut sich der Mann, der am Ende sogar noch ein bisschen Trinkgeld aus der Tasche kramt.

Überhaupt sind viele Besucher äußerst spendabel. Oft drücken sie den beiden Frauen noch ein paar Münzen in die Hand. Ein Mann packt sogar einen 5-Euro-Schein aus. Das Trinkgeld landet in einer Schüssel. „Wir haben ausgemacht, dass wir das zusätzliche Geld für den Abiball verwenden wollen“, sagt Lena Küster. – Es gibt aber auch unfreundliche Gäste. „Wenn wir sagen, dass es zehn Minuten dauert, sind manche schon genervt“, erklärt Anja Moroschan. Sie hat es gerade mit einem besonders schwierigen Fall zu tun. Gemeint ist nicht die Kundin, sondern das Geschenk. Eine Frau hat ihr eine Tasse auf den Tisch gestellt. Nun muss sie sehen, wie sie möglichst ordentlich das Papier um den unförmigen Gegenstand wickelt. „Das geht noch. Das Schwierigste war bisher ein riesiger Plüschteddy“, sagt sie. Und dann fällt ihr noch ein Beispiel ein. Ein Engel mit einer schräg befestigten Mütze ließ sich so gar nicht vernünftig verpacken. „Aber zusammen schaffen wir das schon“, sagt Anja Moroschan und räumt schnell die Papierreste zur Seite. Das ist wichtig, erklärt sie, sonst versinkt man irgendwann im Chaos.

Trotz Hektik arbeiten beide gewissenhaft. Inzwischen haben sie so viele Geschenke eingesammelt, dass sie Klebezettel mit Nummern verteilen. Eine Nummer befestigen sie am Geschenk, die andere bekommt der Besucher, der die Wartezeit sinnvoll nutzen kann. Mit einem solchen Zettel steht jetzt ein Bautzener am Stand. Schon zum dritten Mal nutzt er den Einpack-Service. „Für Männer ist das perfekt“, sagt er. Seinen Namen will er nicht verraten. Die Frau soll schließlich nicht wissen, dass er sich beim Einpacken helfen lässt.

Viele Kleinigkeiten

Kommen vor allem Männer mit ihren Geschenken vorbei? „Nein, es sind auch Frauen. Es kommen junge und ältere Leute – bunt gemischt“, meint Lena Küster und bedient schnell die nächste Kundin. Eine Frau hat gleich zwei Kalender mit dabei. Auf dem einen sind Bilder von der Ostsee zu sehen, auf dem anderen Motive von DDREisenbahnen. Ohne auf die Bilder zu achten, legt Lena Küster los. „Was die Leute verschenken, ist uns ziemlich egal“, sagt die Schülerin. Dabei gibt es einiges zu entdecken. Eine Kette mit roten und schwarzen Steinen zum Beispiel, verschiedene Bücher, ein Duschbad, eine dicke Strumpfhose, ein Mini-Iglu, in das man ein Teelicht schieben kann, ein Spielzeug von Star Wars und viele viele Socken.

Nach den ersten drei Stunden können die beiden Frauen kurz aufatmen. Sie zeigen sich ihre Blasen an den Fingern, die aufgerissenen Stellen. „Das kommt von der Klebebandrolle“, sagt Lena Küster. – Und dann wird es doch noch einmal richtig stressig. Ein Mann will sein fertiges Geschenk abholen. Doch die Nummer, die auf seinem Zettel steht, klebt an keinem Geschenk. Lena Küster schaut ratlos, Anja Moroschan übernimmt. „Was war es denn für ein Geschenk“, fragt sie. „Eine Flaschen und ein Buch“, zählt der Mann auf. Und tatsächlich stehen zwei Päckchen in der Ecke, die auf diese Beschreibung passen. „In dem ganzen Stress haben wir mit den Nummern manchmal zu tun“, gibt Lena Küster zu. Sie sagt aber auch: „Am Ende hat noch jeder das richtige Geschenk bekom

Die rote Schleife kommt noch obendrauf, dann ist das Geschenk fertig. Vor allem kurz vor Weihnachten haben die Helferinnen viel zu tun.
Die rote Schleife kommt noch obendrauf, dann ist das Geschenk fertig. Vor allem kurz vor Weihnachten haben die Helferinnen viel zu tun. © Steffen Unger

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