merken
PLUS

Die Helferin braucht Hilfe

Die Cunewalderin Ines Schörnig engagiert sich seit zehn Jahren für Behinderten- und Kinderheime in Tschechien. Nun schafft sie es nicht mehr allein.

© Katja Schäfer

Von Katja Schäfer

Anzeige
REISETAG am 20. November am Flughafen

Strandurlaub oder Städtetrip: Wer eine Flugreise sucht, wird beim REISETAG fündig – mit Frühbucher-Angeboten, Kinderprogramm und Gutscheinverlosung.

Supermarkt-Tragetaschen, Müllsäcke, Plastiktüten und große Kartons stapeln sich vorm Haus von Ines Schörnig. Darin sind Sachen, Schuhe, Bettwäsche und vieles mehr. Alles ist gebraucht und wird von den bisherigen Besitzern nicht mehr benötigt. Anderswo aber ganz dringend; und zwar in Kinder- und Behindertenheimen in Tschechien. „Die Leute dort nehmen alles mit großer Freude entgegen und sind sehr, sehr dankbar dafür“, sagt Ines Schörnig.

Seit zehn Jahren engagiert sich die Cunewalderin für Heime, die gleich hinter der Grenze liegen. Angefangen hat alles durch einen Zufall. Bei einem Ausflug entdeckte Ines Schörnig in Horni Poustevna (Ober Einsiedel) nahe Sebnitz ein Heim in katastrophalem Zustand. „Fenster waren eingeschlagen, der Fußboden kaputt“, erinnert sie sich. Um den Bewohnern zu helfen, organisierte sie eine Spendenaktion, sammelte gebrauchte Bekleidung und schaffte sie über die Grenze. Das blieb keine einmalige Aktion. Der Kreis der Spender erweiterte sich. Ebenso die Zahl der Heime.

Mittlerweile kümmert sich die Cunewalderin, die in der Bautzener Arbeitsagentur beschäftigt ist, um acht Einrichtungen unter anderem in Schluknov (Schluckenau), Lipova (Hainspach) und Lobendava (Lobendau). Etwa 500 Menschen leben darin, vom Baby bis zum Greis. Den größten Anteil machen Kinder aus. Kleinwüchsige sind darunter, Mädchen und Jungen mit Down-Syndrom, schwer geistig Behinderte, Leute mit schlimmen Missbildungen. „Es sind alles Menschen, die zu Hause keiner haben will“, sagt Ines Schörnig und berichtet, dass es immer mehr werden.

Spenden aus Kassel

Deshalb ist die 48-Jährige froh, dass sie so viel Unterstützung bekommt. Auf rund 300 schätzt sie die Zahl der Leute, die sich an den Spendenaktionen beteiligen. Die meisten stellen ausrangierte Bekleidung und Haushaltswäsche zur Verfügung. Sogar aus weiter Entfernung, zum Beispiel aus Düsseldorf oder Kassel, treffen Sachen-Pakete in Cunewalde ein, weil Oberlausitzer dorthin gezogen sind oder sich die Aktionen herum gesprochen haben. Allerdings sind unter den Spenden manchmal auch dreckige, kaputte und uralte Sachen. „Die muss ich aussortieren und mühsam entsorgen“, bedauert Ines Schörnig.

Einige Helfer kaufen Waren, die in den Heimen dringend benötigt werden, wie Duschbad oder Waschpulver. Mitarbeiter der Großpostwitzer Firma Ontex zum Beispiel spenden große Mengen Windeln. Von ihren Kollegen und der Geschäftsleitung der Arbeitsagentur wird Ines Schörnig ebenfalls unterstützt. Manchmal drückt ihr jemand auch Geld in die Hand. „All den lieben Helfern möchte ich ein großes Dankeschön sagen“, betont Ines Schörnig mehrfach. Sie gibt zu: „Ich hätte nie gedacht, dass das mal solche Ausmaße annimmt.“ Nicht selten ist sie zweimal pro Woche über die Grenze gefahren; oft begleitet von Spendern, die sich vor Ort umsehen wollten. Und alle Autos waren vollgestopft bis obenhin. „Wir haben schon viel geschafft“, freut sich die Cunewalderin und zählt viele Beispiele auf, wie sich der Zustand der Häuser verbessert hat.

Enger Kontakt zu Heimen

Dank der Spenden aus Deutschland brauchen die Heime kaum noch Textilien, Kosmetik und Reinigungsmittel kaufen und können ihr knappes Budget verwenden, um Zimmer zu renovieren, Küchen zu modernisieren, Reparaturen an den Gebäuden vorzunehmen oder neue Möbel anzuschaffen. Zur Leiterin der Heime hält Ines Schörnig engen Kontakt. „Sie hat kürzlich auf Deutsch zu mir gesagt: ,Du bist die beste Freundin, die wir haben.’ Das hat mir viel neue Kraft gegeben“, erzählt die Cunewalderin. Warum sie sich so sehr für die Heime engagiert, begründet sie ganz schlicht: „Es ist mir einfach ein Bedürfnis, Menschen zu helfen, denen es noch schlechter geht als mir“, äußert die Frau, die einen ihrer Söhne bei einem Unfall verloren hat und sich jetzt um ihren schwer kranken Mann kümmert. Da sich sein Zustand verschlechtert hat, schafft sie die Hilfsaktionen nicht mehr allein.

„Ich brauche Unterstützung. Es wäre schön, wenn jemand die Transporte übernehmen könnte“, sagt Ines Schörnig. Ihr Engagement einschränken will sie aber auf keinen Fall. Aktuellstes Projekt ist die dringend notwendige Sanierung des Bades in einem Heim in Schluckenau. Dafür wird Geld gesammelt. Wer helfen will, kann direkt auf ein kürzlich in Tschechien eingerichtetes Spendenkonto einzahlen. Wie das geht, erfahren Interessenten bei der Sparkassen-Filiale in Cunewalde.

Kontakt zu Ines Schörnig: 035877 189473