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Die Herkuleskeule spielt im Dresdner Schloss

Mit Schaller und Co. kann man jetzt sogar unter freiem Himmel über Corona und andere Probleme lachen.

Das Schloss Albrechtsberg wird eine der Sommer-Spielstätten des Dresdner Kabaretts Herkuleskeule. Gespielt wird auch im Foyer des Kulturpalasts.
Das Schloss Albrechtsberg wird eine der Sommer-Spielstätten des Dresdner Kabaretts Herkuleskeule. Gespielt wird auch im Foyer des Kulturpalasts. © ROBERT JENTZSCH

Das Theaterwort des Jahres: Spuckschutzvorrichtung. Was sich unmöglich schreiben und noch unmöglicher sprechen lässt, ist für viele Bühnendinge unerlässlich. Denn wann immer irgendetwas lautstark dem Mund entweicht, fliegen Tröpfchen – darum müssen laut Corona-Verordnung Menschen auf der Bühne sechs Meter Abstand halten, wenn einer singt oder brüllt. Aber welche Bühne bitte ist schon sechs Meter breit? Darum gibt es „Spuckschutzvorrichtungen“, Plastescheiben also, die man dazwischenhält, wenn es mal feuchter wird.

Glücklich, wer Witze rund um diese nötigen, aber zuweilen in den Wahnsinn treibenden Regeln machen kann. So wie die Herkuleskeule, die am heutigen Mittwoch wieder mit dem Spielbetrieb beginnt. Und zwar, wenn es das Wetter zulässt, im Schloss Albrechtsberg unter freiem Himmel. Die Programme wurden, so sagt der künstlerische Leiter Philipp Schaller, „leicht aktualisiert“. Aber er stellt klar: Es ist kein Corona-Kabarett! „Alle Probleme, die es vorher gab, gibt es ja immer noch, sie sind manchmal sogar deutlicher sichtbar als vorher.“ So heißt „Freibier für alle“ nun „Freiheit für Freibier“ – ganz leicht nur weht Corona durch das Programm.

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Zermürbende Monate

Gespielt wird im Wechsel: mittwochs auf Schloss Albrechtsberg, freitags, samstags und sonntags im Kulturpalast. Allerdings nicht im angestammten Saal im Keller – dort sind die Sitze festgeschraubt und die Abstandsregeln ließen sich kaum umsetzen. Die Bestuhlung wurde nun ins Panorama-Foyer gebaut, wo immerhin rund 120 Gäste Platz finden.

Die letzten Monate seien zermürbend gewesen, sagt Philipp Schaller, der Sohn des langjährigen künstlerischen Leiters Wolfgang Schaller, der das Ruder des Hauses erst vor Kurzem abgegeben hat. Es dauerte Wochen, bis das Hygienekonzept und der Aufbau der Stühle im Kulturpalast genehmigt wurden, so Schaller Junior. „Ein Theater zu schließen geht schnell“, sagt er – „es wieder hochzufahren, das dauert.“ Wochenlang waren alle festangestellten Mitarbeiter in Kurzarbeit und man versuchte, nicht den Mut zu verlieren.

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Und jetzt? „Jetzt ist Sommer!“, sagt Philipp Schaller, „wir freuen uns einfach, wieder zu spielen.“ Noch immer kämpft er um jeden Gast: Einige Zuschauerinnen und Zuschauer scheuten sich, ins Theater zu gehen. „Weniger aus Angst, sich anzustecken“, glaubt er. Viele hätten die Sorge, dass das Kulturvergnügen durch die vielen Regeln eingeschränkt ist. „Dabei gibt es am Sitzplatz keine Maskenpflicht“, so Schaller, „wenn man sitzt, kann man einfach genießen.“

„Freiheit für Freibier“: Mittwoch, 15. 7., 17.30 Uhr und 20 Uhr, Schloss Albrechtsberg, „Hüttenkäse“: Sonnabend, 17.30 Uhr, erstes Obergeschoss im Kulturpalast. Karten: 0351 4925555

www.herkuleskeule.de

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