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Die Honigmacher

Imker Steffen Wittig ist ziemlich sicher, dass die Honigbiene überlebt. Die Wildbiene dürfte es schwerer haben. Ihr zu helfen, ist aber ganz leicht.

Steffen Wittig aus Rhäsa bei Nossen gewährt Neugierigen am Sonntag einen Blick in verschiedene Arten von Bienenkörben – auch in diesen Lüneburger Stülper.
Steffen Wittig aus Rhäsa bei Nossen gewährt Neugierigen am Sonntag einen Blick in verschiedene Arten von Bienenkörben – auch in diesen Lüneburger Stülper. © Lars Halbauer

Nossen/Rhäsa. Alles zu seiner Zeit, sagt Steffen Wittig. Jetzt ist er Imker, und das mit Herzblut. Gelernt hat der Rhäsaer Elektriker und bis zur Wende in diesem Handwerk gearbeitet. Dann schwenkte er in einen medizinischen Beruf um, war bis 2014 im Rettungsdienst tätig. Als dort die Stellen gekürzt wurden, entschloss er sich, sein Hobby zum Beruf zu machen – und wurde Imker. Bereut hat er das nicht.

„Wenn man der Natur so nah ist, dann sieht man vieles anders, beobachtet genauer“, erzählt er. Fast meint er, dass seine Sinne wie Geruch und Geschmack geschärfter sind. Schon beim Zuhören stellt sich beinahe der süße Honiggeschmack auf der Zunge ein.

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Probieren, entdecken oder selbst Kerzen aus Bienenwachs wickeln – all das bieten Steffen Wittig und seine Familie den Besuchern des inzwischen 21. Tags der offenen Tür in der Imkerei in Rhäsa bei Nossen an. Bis zu 500 Gäste tummeln sich an solchen Tagen auf dem Hof der Wittigs, der an einer kleinen Seitenstraße direkt an der B 175 liegt. Damit sei dann auch schon die Kapazität erreicht.

Was er am Sonntag zu tun hat, das weiß Steffen Wittig genau. Von morgens bis in den späten Nachmittag gestaltet er Führungen, und zwar unterhaltsame. Nicht nur Kinder staunen, wenn er eine seiner Königinnen aus der Hosentasche zaubert oder einen Blick in einen Strohbienenkorb, einen sogenannten Lüneburger Stülper, gewährt. Die Rundgänge enden stets beim Schleudern des frisch geernteten Honigs. Kaum einer sagt dann zu einer Kostprobe Nein. Apropos kosten: Nicht alle, aber viele der von ihm hergestellten Honigsorten würde Imker Wittig am Geschmack erkennen. Nur bei einem ist er sich nicht sicher: Phacelia-Buchweizen. Den hat er zum ersten Mal im Programm.

Kurse für Imkerlehrlinge

Auf Märkten bietet die Familie den Honig nur selten an. Dafür bleibt zu wenig Zeit. Denn außer der Imkerei betreibt Steffen Wittig auch einen Fachhandel, gibt Kurse für Männer und Frauen, die mit der Imkerei anfangen wollen. „Das werden zunehmend mehr“, so seine Einschätzung.

Diese Tendenz beobachte er seit ungefähr acht Jahren. Den erfahrenen Imker freut das. „Die Leute halten sich meist so drei bis fünf Völker. Das ist gut. Damit kommen wir wieder in die Fläche“, findet der Rhäsaer und erklärt: „Früher hatten drei vier Leute in jedem Dorf Bienenvölker und die an verschiedenen Standorten aufgestellt. Das ist besser, als ein großer Wagen mit vielen Völkern an nur einem Feld.“

Steffen Wittig selbst hat 45 Bienenvölker – manchmal auch einige weniger. Damit sie den Winter gut überstehen, müssen kleinere Völker im Herbst zusammenziehen. Angst vor der Faulbrut, die kursiert, hat er nicht. „Diese Seuche kannten schon die Alten Griechen“, so der Imker.

Die Honigbiene sieht er ohnehin wenig in Gefahr. „Ich denke, Wildbienen haben es schwerer“, so Wittig. Auf sie lenkt er am Sonntag deshalb auch die Aufmerksamkeit seiner Gäste. Mit Helfern zeigt er ihnen, wie aus einfachen Mitteln ein Wildbienenhotel entsteht. „Das kann praktisch überall hängen, auch auf einem Balkon“, sagt er. Weiterhin gibt es Tipps, welche Pflanzen den Insekten wirkliche Nahrung bieten, und nicht nur schön aussehen.

Veranstaltungshinweis: Tag der offenen Tür in der Imkerei und im Imkerfachhandel Wittig, Gasse 2 im Nossener Ortsteil Rhäsa am Sonntag, 25. August, von 10 bis 17 Uhr.

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