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Die Jagd ist viel mehr als Schießen

Die Jäger wollen Klischees abbauen. Aber durch die Ausbreitung des Wolfs befürchten sie Konflikte.

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Von Frank Klinger

Was ist des Jägers Lieblingslokal? Das Schützenhaus. Aber nicht nur deshalb trafen sich die Mitglieder des Jagdverbandes Döbeln im Leisniger Schützenhaus statt. „Mit dem Haus verbindet uns eine langjährige Tradition“, erklärte Frank Conrad, der Vorsitzende des zurzeit 116 Mitglieder zählenden Verbandes.

Jäger sind bekanntlich Frühaufsteher, deshalb wurde schon eine Stunde vor dem offiziellen Beginn um 9 Uhr die Hegeschau eröffnet. Viele Waidgenossen brachten ihre Stücke mit. Eine der stärksten Trophäen steuerte der Leschener Hubert Trenkler bei. „Dieses Rehbock-Gehörn wird bestimmt auf der Leipziger Jagdmesse mit einem Medaillenrang bewertet werden“, waren sich die Experten einig. „Das Gewicht beträgt mehr als 500 Gramm, der Sechsender ist regelmäßig geformt, hat eine gleichmäßige Farbe und eine hervorragende Perlung“, urteilte der Waidgenosse Hubertus Erkenberg aus Roßwein, der neben seinen Trophäen auch einige Bilder mitgebracht und ausgestellt hatte. „Das Malen ist mein zweites Hobby“, erzählte er mit Blick auf ein Bild, das ein Wolfsrudel zeigt.

Luchs und Wildkatze im Kommen

Die Ausbreitung der Wölfe ist auch in Mittelsachsen ein aktuelles Thema. „Diese Wildart habe eine hohe Nachwuchsrate und ein großes Ausbreitungspotenzial“, erklärte Knut Falkenberg, der Präsident des Landesjagdverbandes Sachsen, der in Leisnig zu Gast war. „Nicht nur die Bevölkerung allgemein, auch die Jäger selbst sind am Thema Wolf sehr interessiert, ein Grund dafür ist die hohe Dynamik dieses Prozesses“, erläuterte er. Knut Falkenberg ist sich klar darüber, dass es wegen der weiteren Ausbreitung der Wölfe in Zukunft zu mehr Konflikten kommen wird. Er wünscht sich, dass die Jäger auch weiterhin und noch intensiver als bisher in die Vorbereitungen dieser Konfliktlösungen eingebunden werden.

Der oberste sächsische Jäger erzählte, dass der Landesverband bis jetzt etwa 40  Wildtierbeauftragte geschult hat, die sich aber nicht nur mit dem Wolf, sondern auch mit dem Luchs und der Wildkatze auskennen. Eine weitere Lehrgangsserie beginnt in Kürze. „Ob der Wolf nach Sachsen gehört, das entscheidet der Wolf selbst“, meinte er abschließend. „Aufgabe der Menschen ist es, mit dem Wolf so umzugehen, dass die verschiedenen Interessen Beachtung finden und Konflikte minimiert werden.“

Frank Conrad betonte, dass das Jahr 2013 aus jagdpolitischer Sicht ein sehr ereignisreiches und nicht immer leichtes war. So schwächelt seinen Worten nach auch im Jagdverband Döbeln die Mitgliedergewinnung. Dabei geht es sowohl um den Nachwuchs als auch um erfahrene Jäger, von denen nicht alle dem Verband angehören. Bei der Schwarzwildjagd müsse die gemeinsame Verantwortung von Jägern, Grundeigentümern und Landwirten besser umgesetzt werden.

Vorurteile abbauen

Als Ziele für die Zukunft nannte Frank Conrad die Förderung der frei lebenden Tiere im Rahmen des Jagdrechts sowie des Natur-, Landschafts-, Umwelt- und Artenschutzes. Eine große Aufgabe für die Döbelner Jäger ist die Öffentlichkeitsarbeit. Die Jagd müsse der Bevölkerung transparent und verständlich gemacht werden. Dazu gehört auch die Initiative Lernort Natur. Dabei laden die Jäger Schüler und Jugendliche in ihr Revier ein, um ihnen Zusammenhänge in der Natur näherzubringen. Gute Arbeit leistet dabei das Waldklassenzimmer im Töpelwinkel. Dort erlebten 1421 Teilnehmer 28 Veranstaltungen.

Aber auch bei den Erwachsenen gilt es, Klischees und Vorurteile zur Jagd abzubauen. „Jagd ist viel mehr als nur das Erlegen von Wild“, meinte Knut Falkenberg. „Jagd ist die nachhaltige Nutzung von nachwachsenden Ressourcen und dient der Beschaffung von hochwertigen Lebensmitteln.“ „Schießen ist das Wenigste, die größere Bedeutung hat die Hege des Wildes“, meinte Hubert Trenkler, „das Schießen dient auch der Erhaltung eines ausgewogenen Gleichgewichts in unserer Kulturlandschaft.“