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Die Jagd nach dem verlorenen Schatz

Gold und Diamanten vom Grünen Gewölbe verraten sich eigentlich selbst. Nur, leider wurde etwas Entscheidendes versäumt. Ein Gespräch mit Forscher Ernst Pernicka.

Unter den aus dem Grünen Gewölbe entwendeten Schmuckstücken befindet sich auch diese große, sehr wertvolle Schleife.
Unter den aus dem Grünen Gewölbe entwendeten Schmuckstücken befindet sich auch diese große, sehr wertvolle Schleife. © SKD/dpa

Die Jäger des Schatzes sind Wissenschaftler. Sie verfügen über Werkzeuge, mit denen sich die Spur des Goldes verfolgen lässt. Es gibt Möglichkeiten für den Nachweis, dass es sich um die aus dem Grünen Gewölbe gestohlenen Schätze handelt, selbst eingeschmolzen. Dafür darf eine Sache jedoch nicht versäumt worden sein.

Ernst Pernicka drängt. „Die Zeit läuft gegen uns“, sagt er am Mittwoch im Gespräch mit der SZ. Pernicka ist einer der Top-Forscher in Deutschland auf dem Gebiet der Archäometrie. Sie unterstützt die Archäologie mit naturwissenschaftlichen Methoden; mit Physik, Chemie, Geologie und auch Biologie. Alter, Herkunft, Material und die Art der Herstellung von Funden werden so erkennbar.

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Ernst Pernicka ist Professor und Seniorchef des Curt-Engelhorn-Zentrums für Archäometrie in Mannheim, die erste Adresse in Deutschland. Zuvor hatte er acht Jahre in Freiberg geforscht. Mit seinen naturwissenschaftlichen Methoden erkennt er die innere, verborgene Zusammensetzung der Materialien. „Es ist wie der Fingerabdruck eines Menschen“, sagt Pernicka. Metalle haben einen ganz individuellen Fingerabdruck, einen chemischen halt. Diamanten auch. Selbst die Region, aus der die edlen Ausgangsmaterialien stammen, lasse sich daran erkennen.

Pernicka war es beispielsweise gelungen, den Beweis für das Gold der Himmelsscheibe von Nebra zu bringen. Dieses Gold stammt eben nicht wie vermutet aus Südeuropa, sondern von Cornwall. Und mehr noch gelang dem Forscher. 2017 wird bei einem spektakulären Einbruch eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen. Pernicka kann dies den Räubern später mit seiner Naturwissenschaft nachweisen. Winzigste Goldflitter in der Kleidung der Diebe waren identisch mit dem Gold der Münze.

Herkunftsnachweis möglicherweise möglich

Genau dies wäre die Chance, um die Dresdner Museumsräuber zu überführen. Irgendwo, irgendwann werden sie eine Spur des Goldes hinterlassen. Die Archäometrie oder Materialforschung könnte es nachweisen. Nur wäre dafür der chemische Fingerabdruck dieses Schmucks die Voraussetzung. Ob der jedoch in den vergangenen Jahren präzise genug gemacht wurde, dazu war am Mittwoch von den Staatlichen Kunstsammlungen keine Auskunft zu bekommen. Fehlt diese chemische Analyse, dann fehlt auch der Vergleich.

„Es gibt aber auch dann noch eine Chance“, sagt Pernicka. Von dem Gold und von den Edelsteinen der verbliebenen Schmuckstücke ließe sich ein solcher Fingerabdruck jetzt noch nehmen. Dafür würden die Forscher mit ihren mobilen Laser-Apparaturen anrücken. So wie sie es in den Museen von Athen immer wieder machen.

Aus dem Gold würde dann mit dem Laser ein winzigstes Stück „abgeschabt“. Nur ein zehntausendstel Gramm oder noch weitaus weniger. Unsichtbar fürs menschliche Auge. Aber es könnte der spätere Beweis für den Raub sein.

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Und die Diamanten? Sie können zerteilt und umgeschliffen worden sein. Aber auch ihr chemischer Fingerabdruck bleibt als Indiz – Voraussetzung natürlich, es wird überhaupt etwas von dem Raubgut in irgendeiner Form wiedergefunden.

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