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Die Jakobuskirche putzt sich heraus

Die Sanierung von Dach und Fassade hat begonnen. Doch die Glocken schweigen bis Weihnachten.

Von Ralph Schermann

Für manche Vorhaben braucht auch die katholische Kirche einen langen Atem. Die dringende Sanierung der Jakobuskirche stand schon seit einem reichlichen Jahrzehnt immer wieder auf dem Plan, zuletzt fasste 2010 Dompropst Hubertus Zomack das Jahr 2012 als Bauende ins Auge. So wie die Wartezeit lang, war das Geld für das Projekt knapp. In der Görlitzer Stadtverwaltung stand dafür stets eine Null im Haushaltsplan. „Verhandlungen mit Dresden wegen der Fördermittel sind geführt, unser Eigenanteil ist da“, sagt Zomack 2011. Schließlich sprang die Kirche auch noch für einen Großteil der städtischen Mittel ein und finanziert jetzt knapp ein Drittel der 3,3 Millionen Euro teuren Sanierung selbst. Am 15. März ging es los.

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Dass eine Sanierung unumgänglich ist, stand lange fest. Spätestens die gelungene Instandsetzung des Westflügels 2004 machte auf große Schäden aufmerksam, die dem Laien außen kaum auffallen. Durch die Verfugung der Ziegelfassade staute sich in den Innenmauern Nässe. Deren Eindringen ist die Folge von Umweltschäden durch die schwefelsaure Luft in den vergangenen Jahrzehnten – vor allem hervorgerufen durch die Dampflokzeiten im nahen Bahnhof. Aber auch für die Beseitigung von Kriegsschäden und Wiederaufbaufehlern ist es höchste Zeit.

Das Gotteshaus war im Mai 1945 Bombenangriffen und Artilleriebeschuss ausgesetzt, Treffer rissen den Turm völlig auf. Eine 250-Kilogramm-Bombe schlug als Blindgänger bis zum Innenboden durch und wurde ohne Entschärfung nach außen gerollt. „Nicht auszudenken, wenn sie explodiert wäre“, sagt Thomas Backhaus, Leiter der Bauabteilung im Bischöflichen Ordinariat. Um Material zum Ausbessern der Schäden zu haben, trugen die Bauleute damals die kleinen Zwerchhäuser am Schrägdach ab. Denn 1945 reichten die Baumaterialien nur zur flachen Dachabdeckung. „Dabei entstand ein Knick im Dachwinkel, Schnee blieb darauf liegen, die Statik geriet in Mitleidenschaft“, berichtet Architektin Doris Kohla. Sie würdigt aber mehr, als sie kritisiert: „Damals ist mit wenig Material viel gesichert worden, auch in den 70er Jahren wurde Baupflege geleistet, sonst sähe es heute noch dramatischer aus.“ Jetzt sollen die schrägeren und die Statik entlastenden kleinen Zwerchhäuser wieder hergestellt werden, drei von ihnen sind auf der hinteren Kirchenseite schon sichtbar. Parallel zu den Rüst-, Dachdecker- und Zimmererarbeiten begannen die Maurer ihre Tätigkeit an der Fassade, und als Erstes wurde vom Tiefbau eine Ringleitung für den Blitzschutz verlegt. Im Bistum hofft man zudem, dass es in Zukunft weniger Schäden durch Stürme gibt. Diese hatten in den vergangenen Jahren oft Löcher in das Dach gerissen. „Für die neue Dachdeckung wurde deshalb extra eine Windsogberechnung durchgeführt“, berichtet Doris Kohla.

Die Fassadensanierung erweist sich als schwierig. „Durch die Vorsatzziegel kann das Wasser nicht raus“, sagt Backhaus. Deshalb werden die Ziegel abgetragen und durch neue, speziell nach altem Muster angefertigte ersetzt. Das betrifft auch komplette Pfeiler. Insgesamt werde die Kirche am Ende wieder in der Form erscheinen, wie sie ursprünglich erbaut worden war. „Es sollen auch vier kleine Türmchen am Glockenturm rekonstruiert werden, und das Dach wieder einen Fries mit gelben und roten Dachziegeln bekommen“, so Backhaus. Was an Fassadenteilen verbleibt, wird zum Schluss noch gründlich gereinigt. Alles in allem steht jetzt das Jahr 2014 in allen Unterlagen als Bauabschluss.

Wer noch einmal die vier Glocken von St. Jakobus hören will, muss den Gottesdienst am Sonntag nutzen. Denn Anfang nächster Woche werden die 1900 und 1963 gegossenen Klangkörper zu Boden gelassen und eingelagert. 6,2 Tonnen Bronze schweben dann durch den Turm. Die Ursache dafür lag im Jahr 2011. Damals wurden Risse in den Trägern festgestellt. In einem ersten Sanierungsabschnitt wurden bereits neue Eichenholz-Joche montiert, jetzt beginnt der nächste Schritt. Michael Gürlach, Glockensachverständiger des Bistums, informiert: „Der Stahlglockenstuhl wird abgebaut, ebenso die Ziegeldecke darunter. Dann wird eine neue Stahlbetondecke eingebaut, und zum Schluss kommen nicht mehr vier, sondern sechs Glocken an das mächtige Eichenholz.“ Damit hat auch die letzte deutsche Bischofskirche endlich ihre angemessene Glockenzahl, mit der insgesamt 63 Klangvarianten möglich sind. Die neuen Glocken sind mit 98 und 86 Zentimeter kleiner als ihre Geschwister, werden in Lauchhammer gegossen und bekommen die Namen „Heilige Hedwig“ und „Selige Hildegard Burjan“. Die Kosten betragen rund 140 000 Euro, haben aber mit der Kirchensanierung nichts zu tun. Sie werden rein über Spenden finanziert, eine davon von den Mitgliedern des Domkapitels. „Wir freuen uns jetzt schon auf Weihnachten – denn dann wird das Geläut erklingen“, sagt Dompropst Hubertus Zomack.