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Die Jugend muss raus

Für den Klub in der Kellerschänke werden neue Räume gesucht. Es gibt sogar eine Online-Petition. Aber vielleicht darf er bleiben.

Von Kathrin Krüger
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Theodor Hahn, Aaron Wilhelm, Kevin Wilhelm und Robert Köhler (v.l.) „verteidigen“ ihren Lauterbacher Jugendklub.
Theodor Hahn, Aaron Wilhelm, Kevin Wilhelm und Robert Köhler (v.l.) „verteidigen“ ihren Lauterbacher Jugendklub. © Anne Hübschmann

Lauterbach. Die Geschehnisse um den Jugendklub Lauterbach spitzen sich zu. Weil der Verein nach knapp 25 Jahren gezwungen ist, sein Gebäude zu verlassen, rollt eine Welle der Empörung unter Jugendlichen durchs Land. „Das ganze Dorf scheint sich nun zu kümmern“, so die Vereinsleute. Aaron Wilhelm aus Reinersdorf, Bruder des Clubvorsitzenden Kevin aus Naunhof, hat das Thema öffentlich gemacht. Er hat im Internet auf der Plattform Openpetition eine Unterschriftensammlung mit dem Titel „Jugend ist wertvoll! Alternative für den Jugendklub Lauterbach“ gestartet. Fast 200 Unterstützer fand das Anliegen in wenigen Tagen. Nun kreiseln die Verantwortlichen im Ortschaftsrat und der Gemeindeverwaltung. Doch soll die Jugend in Lauterbach wirklich ausgebremst werden?

Hintergrund der Problematik ist ein Schreiben des Grundstückseigentümers vom Lindenberg an die Gemeinde. Der Besitzer möchte die Gebäude der ehemaligen Kellerschänke jetzt selbst nutzen. Der Gemeinde gehört nur der Fachwerkteil der früheren Gaststätte. Doch der ist baupolizeilich gesperrt. „Wir wurden jahrelang geduldet und nun müssen wir aus heiterem Himmel ausziehen“, monieren die Jugendlichen. Bis Mitte März müssen sie die als Veranstaltungsraum genutzte Scheune, die Garage und das Holzlager räumen. Aus der Gebäudehälfte, in der sich Küche, Sanitäranlagen, Aufenthalts- und Abstellräume befinden, müssen die Jugendlichen Mitte Mai verschwinden.

Was in der Petition behauptet wird, hält Bürgermeister Falk Hentschel – selbst dem Jugendalter gerade erst entwachsen – allerdings für mächtig überzogen. Ihm wird von den jungen Leuten vorgeworfen: „wirkliche Ergebnisse konnte er leider nicht vorbringen, obwohl es einige Immobilien in der Gemeinde gibt, die eine Alternative darstellen würden.“ Der zweitstärkste Jugendklub der Gemeinde fühlt sich vernachlässigt. So greift Aaron Wilhelm trotzig den Gemeindechef an: „Zurzeit erscheint es so, als hege er wenig Interesse, unsere Jugend weiterhin zu fördern.“

Das will der Bürgermeister nicht auf sich sitzen lassen, zumal es nicht stimme. Hentschel kontert, dass er bereits sehr frühzeitig selbst im Jugendklub war und über die Forderung des Eigentümers informierte. „Wir alle waren betrübt, haben uns aber auf eine gemeinsame Suche nach Lösungen verständigt“, unterstreicht Hentschel. Am 1. März habe es ein weiteres Treffen im Klub gegeben. Dort wurden Vorschläge verworfen und zwei konkrete Lösungsansätze ins Auge gefasst. Allerdings sei auch von der Beräumung klar die Rede gewesen, „da auch wieder mal Ordnung geschaffen werden muss“, so Hentschel. Er habe damit deutlich sein Interesse an einem Treffpunkt für die Jugend in Lauterbach gezeigt. „Dafür werde ich mich auch weiterhin einsetzen“, so Falk Hentschel.

Eine Idee ist, den Klub übergangsweise in den ehemaligen Einkaufsladen zu verlegen. Das Gebäude am Herrenhaus gehört der Gemeinde. Ein Grundübel dieser Entwicklung liegt allerdings in der Vergangenheit. Laut Hentschel hat sich die Gemeinde das Jugendklub-Gebäude nicht gänzlich zuordnen lassen, obwohl sie es gekonnt hätte. In der Kellerschänke war zu DDR-Zeiten die Gemeindeverwaltung Beiersdorf untergebracht. Weil die Kommune nur den denkmalgeschützten Teil übernahm, verkaufte die Treuhand den anderen Teil laut Falk Hentschel 2006 an den Privateigentümer. Doch die genauen rechtlichen Besitzverhältnisse sind wohl erst jetzt ans Tageslicht gekommen.

Der Fachwerkteil ist zweifellos der wertvollere des Gesamtobjektes. Aber mittlerweile ist er sehr sanierungsbedürftig. Dass der Jugendklub ganz ausziehen muss, stand unter der früheren Bürgermeisterin Margot Fehrmann aber nicht zur Debatte. Viele Einbauten wurden gemacht, im Klub treffen sich 22 Mitglieder aus der ganzen Gemeinde und darüber hinaus. Einwohner kommen gern zu den Feuern zu Ostern, im Herbst oder zu Neujahr.

Einen Hoffnungsschimmer aber gibt es. Falk Hentschel hat Unterlagen gefunden, laut denen der Klub im Gebäude bleiben könnte. Das wäre die beste aller Lösungen.