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„Die Jugendfeuerwehr ist wieder im Aufwind“

Am Wochenende treffen sich die Jugendfeuerwehren des Landkreises. Und der Chef hat eine frohe Botschaft.

© Daniel Förster

Herr Hoppe, am Sonnabend werden über 450 Teilnehmer beim 22. Kreis-Jugendfeuerwehrtag in Wilsdruff erwartet. Wären es früher mehr gewesen?

Nein, es wären ähnlich viele gewesen.

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Aber man hört immer wieder, dass den Feuerwehren der Nachwuchs ausgeht.

Im Durchschnitt steigen die Mitgliederzahlen in den Jugendfeuerwehren des Landkreises. In Städten mit stabilen Einwohnerzahlen und Geburtenzuwachs gibt es sogar einen deutlichen Mitgliederzuwachs.

Im Kreischaer Ortsteil Saida hat sich die Mitgliederzahl aber seit 1999 halbiert.

Nicht nur dort, auch in anderen Orten gibt es einen Mitgliederschwund zu verzeichnen. Insgesamt zeigt die Kurve aber deutlich nach oben. 2009 zählten die Jugendfeuerwehren im Landkreis 999 Mitglieder. Seitdem hat sich einiges getan. Die Kampagne „Helden gesucht“ war sehr erfolgreich. Zum anderen besteht wieder die Möglichkeit, Kinder bei körperlicher und geistiger Eignung mit acht Jahren in die Jugendfeuerwehr aufzunehmen. Das sind zwei Gründe, warum die Zahlen seit 2009 kontinuierlich gestiegen sind. 2013 zählten wir 1 213 Mitglieder.

Sie haben das Einstiegsalter angesprochen, das von zehn auf acht Jahre gesenkt wurde. Trotzdem wird kritisiert, dass die Kinder mit acht Jahren bereits in anderen Vereinen aktiv sind und man sie nicht mehr für die Feuerwehr gewinnen kann. Einige fordern daher, das Eintrittsalter weiter zu senken.

Die Kinder schon frühzeitig für die Feuerwehr zu begeistern ist wichtig. Einige Feuerwehren holen bereits im Vorschulalter Interessierte in die Bambini-Feuerwehr und sichern sich so vielleicht ihren Nachwuchs. Die Kinder brauchen aber eine gewisse Auffassungsgabe, um bei der Jugendfeuerwehr mitzumachen. Wenn man einem Kleinkind ein Feuerwehrgerät in die Hand drückt, kann es schnell Probleme geben. Die Voraussetzungen müssen stimmen. Zudem ist das Entwicklungsgefälle in den Jugendwehren schon jetzt groß.

Es ist zu hören, dass die meisten Kinder aus Familien stammen, in denen die Eltern in der Feuerwehr aktiv sind.

Das würde ich so nicht unterschreiben. Sicherlich bilden die Kinder von den Kameraden einen gewissen Stamm. Der Großteil hat aber keinen familiären Hintergrund.

Wie gewinnen Sie neue Mitglieder?

Die Jugendfeuerwehren müssen in der Öffentlichkeit präsent sein. Sie müssen mit und bei Veranstaltungen auf sich aufmerksam machen, damit andere sehen, bei denen ist was los. Oft bringt dann auch der eine oder andere noch einen Freund mit. Das klappt ganz gut.

Trotzdem denkt manch ein Jugendlicher, dass bei der Jugendfeuerwehr nur Schläuche ausgerollt werden.

Das ist ein Trugschluss. Die reine Feuerwehrarbeit macht etwa 50 Prozent aus. Der Rest ist Jugendarbeit. Die Jugendfeuerwehren veranstalten Zeltlager, Sportveranstaltungen oder andere Events wie das Seifenkistenrennen in Mühlbach.

Die Jugendwarte müssen also schon fast Sozialpädagogen sein?

Für alle Altersstufen müssen sie eine ansprechende jugend- und feuerwehrspezifische Freizeitbeschäftigung organisieren, was sogar ausgebildeten Berufspädagogen einiges abverlangt. Und unsere Jugendwarte sind berufstätig, arbeiten ehrenamtlich und sind meistens auch in der Wehr aktiv.

Wie unterstützen Sie die Jugendwarte?

Die Kreisjugendfeuerwehr bietet jährlich stattfindende Weiterbildungen an. Zur zielgerichteten Nachwuchsarbeit entwickeln wir zudem ein mögliches Qualitätssicherungsmodell.

Es muss also keiner Angst haben, dass eines Tages niemand zum Löschen kommt?

Wenn die Verantwortungsträger sich ihrer Verantwortung weiterhin stellen, dann wird es auch weiterhin einsatzbereite Feuerwehrkameraden geben. Wichtig sind aber auch die Arbeitgeber. Sie dürfen die Notwendigkeit der Feuerwehr nicht erst erkennen, wenn sie diese selbst benötigen. Sie sollten die Beschäftigung und Unterstützung von aktiven Feuerwehrleuten anerkennen und dieses gesellschaftlich wichtige Ehrenamt als Vorteil betrachten.

Gespräch: Sebastian Martin