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„Die jungen Leute an die Hand nehmen“

Der Großenhainer Ausbildungsmarkt ist Anziehungspunkt für künftige Lehrlinge. Auch neue Berufe werden vorgestellt.

Vivien Thiele und Elena Hofmann befinden sich im zweiten Jahr der Altenpflegerausbildung am BSZ Großenhain. Es ist Berufung, nicht Beruf, sagen beide. Beim Ausbildungstag am Sonnabend stellten sie praktische Inhalte vor.
Vivien Thiele und Elena Hofmann befinden sich im zweiten Jahr der Altenpflegerausbildung am BSZ Großenhain. Es ist Berufung, nicht Beruf, sagen beide. Beim Ausbildungstag am Sonnabend stellten sie praktische Inhalte vor. © Anne Hübschmann

Großenhain. Die Begrüßungsreden von Schirmherr Thomas de Maiziere, Schulleiterin Kerstin Schurz, Vize-Landrätin Janet Putz und Oberbürgermeister Sven Mißbach gehen ein wenig unter. Groß ist das Gemurmel an diesem Samstagvormittag im Großenhainer Kulturschloss. Mehr als 50 Aussteller und potenzielle Ausbilder haben ihre Stände liebevoll aufgereiht. Dutzende künftige Schulabgänger sind bereit zum Ansturm. Viele haben ihre Eltern mitgebracht. Denn es geht um nichts anderes als ihre Zukunft beim Ausbildungsmarkt.

„Den Erfolg eines solchen Tages kann man erst später messen“, sagt Janet Herzog. Sie ist Bereichsleiterin für Berufsorientierung und Nachwuchsgewinnung beim Bau-Bildung Sachsen e.v.. Die Baubranche sei beliebt bei den künftigen Schulabgängern, Silvia Pfeifer, Chefin der Glaubitzer Niederlassung von TS Bau, pflichtet ihr bei. Zwölf Azubis, verteilt auf drei Ausbildungsjahre, sind im Unternehmen. Daran soll sich nichts ändern, zumal TS Bau gute Zukunftsaussichten bietet. „Wir bilden aus, um die jungen Leute zu übernehmen“, so Silvia Pfeifer. Aber sie sagt auch: „Man muss die jungen Leute an die Hand nehmen.“

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Silvia Pfeifer, TS BAU GmbH: „Wir bilden aus, um die jungen Leute zu übernehmen.“
Silvia Pfeifer, TS BAU GmbH: „Wir bilden aus, um die jungen Leute zu übernehmen.“ © Anne Hübschmann

Holger Hempelt vom gleichnamigen Karosserie- und Fahrzeugbauunternehmen aus Meißen sieht das Thema Ausbildung differenzierter. Ein Vorteil der Kfz-Branche sei, dass dort unter den jungen Leuten noch alle Berufe gefragt sind. Doch aus seiner Sicht „ist Ausbildung viel aufwendiger geworden“. Für die geforderten Umfänge sei die Lehrzeit viel zu knapp bemessen. Deshalb plädiert Holger Hempelt beispielsweise dafür, einige allgemeinbildende Fächer stärker in den Oberschulen zu vermitteln. Zudem wird unter den Ausbildern auch übers Finanzielle hart diskutiert.

„Die Kosten der Ausbildung sind in den letzten Jahren permanent gestiegen“, sagt Holger Hempelt. So sei vom Gesetzgeber zwar ein Mindesentgelt für die Azubis festgeschrieben worden. Doch es sei „vergessen“ worden, auch eine Mindestleistung der Auszubildenden zu definieren. Wobei Holger Hempelt auch die Erfahrung gemacht hat: „Bei mir hat im Bewerbungsgespräch noch kein Lehrling vordergründig nach der Vergütung gefragt.“

Szenenwechsel: Traditionell ist das Berufsschulzentrum „Karl Preusker“ mit seiner Außenstelle auf der Industriestraße der zweite Standort des Ausbildungsmarktes. Dort findet zurzeit eine kleine „Revolution“ statt. Ab kommendem Schuljahr startet die neue generalistische Pflegeausbildung. Die bisherigen Berufsausbildungen der Alten-, der Gesundheits- und Krankenpflege sowie der Kinderkrankenpflege werden zusammengeführt mit dem Berufsabschluss Pflegefachfrau bzw. Pflegefachmann. Drei Jahre dauert solch eine Ausbildung, gegliedert in einen schulischen und einen betrieblichen Teil.

„Die praktische Ausbildung ist mit 2.500 Stunden deutlich umfangreicher als der theoretische Unterricht“, erläutert die stellvertretende Schulleiterin Christine Spilka. Träger der praktischen Ausbildung können Krankenhäuser, Pflegeheime oder auch ein ambulanter Pflegedienst sein. Nach zwei Jahren können die Schüler entscheiden, ob sie das dritte in der allgemeinen oder einer vertieften Ausbildung absolvieren. Damit ist dann auch eine gewisse Vororientierung auf das Leben nach dem Abschluss möglich.

Holger Hempelt, Inhaber Karosserie- und Fahrzeugbau Hempelt: "Ausbildung viel aufwendiger geworden.“
Holger Hempelt, Inhaber Karosserie- und Fahrzeugbau Hempelt: "Ausbildung viel aufwendiger geworden.“ © Anne Hübschmann

Der Samstag zeigt: Das Interesse der Acht- bis Zehntklässler an diesem neuen Beruf wächst. „Am Anfang war alles noch etwas verhalten“, so Christine Spilka. Doch nachdem sich die Großenhainer Berufsschule vor gut einer Woche bei der „Karriere-Start“ in Dresden präsentieren durfte, freut sie sich gemeinsam mit den aktuellen Schülern über die Resonanz beim Ausbildungstag.

In der BSZ-Außenstelle geht es dann am Mittag richtig „rund“. Der von den Veranstaltern angebotene kostenlose Pendelverkehr zwischen Industriestraße und Schloss wird rege genutzt. Nicht nur die Erzieher- und Pflegeberufe stoßen auf Interesse, auch die gastronomischen Ausbildungsangebote sind begehrt. Und so mancher neugierige Gaststättenbetreiber hofft, dass möglichst viele der jungen Besucher in die Branche einsteigen und dann auch „zur Stange halten".

So oder so: Spätestens im Sommer wird allerorten gezählt. Mit dem Ausbildungsmarkt als Hilfe zur Entscheidung.

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