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Die Jungs von der Malter

Kinder haben in der Talsperre einen Krebs und Muscheln gefunden. Einer, der inzwischen groß ist, kennt deren Geschichte.

Von Franz Herz

Als in den letzten Wochen die Talsperre um drei Meter abgesenkt war, zeigten sich auf dem Uferstreifen eine ganze Menge Muscheln. Für viele Menschen, welche die Talsperre nur als Badegäste kennen, war das eine Überraschung.

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Für Moritz Hickmann und seinen Freund Dennis Weinhold war es der Beginn eines kleinen Abenteuers. Die beiden Jungs haben sich natürlich die abgesenkte Talsperre genau angesehen. Das ist doch nicht alltäglich. Am Ufer fanden sie ja auch interessante Tiere, nicht nur die Teichmuscheln, sondern beispielsweise auch einen Flusskrebs. Obwohl der durchaus eindrucksvolle Scheren hat, fingen sie ihn und nahmen ihn mit nach Hause – zum Schreck ihrer Mutter.

Die war erstens entsetzt, wie die Hosen der Jungs aussahen und zweitens, dass sie einen Krebs mit nach Hause gebracht hatten, der unter Naturschutz steht und nicht aus seiner natürlichen Umgebung weggenommen werden darf. Also kam der erst einmal ins Wasser und sofort am nächsten Tag mussten ihn die Jungs in einem Wasserglas wieder zur Talsperre tragen und in seiner natürlichen Umgebung aussetzen, dort wo sie ihn gefunden hatten.

Aufgeweckte Jungs, die sich ihre Umgebung und die Natur genau ansehen, gab es immer schon. So hat ein Dippoldiswalder, der heute ein gesetzter Mann ist, aber seinen Namen nicht veröffentlichen will, der SZ berichtet, wie er seinerzeit Muscheln in der Malter selbst ausgesetzt hat.

Als kleiner Junge war er Mitte der 1970er-Jahre ständig an den Ufern der Talsperre Malter unterwegs. Schon damals hat er einmal eine Muschelschale gefunden. Seinerzeit hat er sich das so erklärt, dass es ein Fossil aus einem Meer sei, das es vor Jahrmillionen dort gab. Aus heutiger Sicht ist er sich ziemlich sicher, dass es sich um eine gemeine Teichmuschel handelte. Es muss also schon damals Muschelbestände in der Talsperre Malter gegeben haben, ist sein Schluss.

Im September 1985 war er mit einem Freund am Knappensee zelten. Dort fanden sie auch Muscheln, und der Naturfreund aus Dipps hat einige mit nach Hause genommen. Er hat ein Schraubglas mit Wasser gefüllt und zehn bis fünfzehn Muscheln eingesammelt. Als er zurückkam, hatten sich die meisten schon geöffnet. Daher hatte er Angst, dass sie den Transport nicht überstehen. So beeilte er sich, um sie in einem Nebenarm der Talsperre Malter auszusetzen. Er hatte dabei auch den Gedanken, dass er etwas Gutes für die Wasserqualität tut. Die Muscheln filtern das Wasser, um daraus Nährstoffe für sich zu gewinnen. Experten gehen davon aus, dass eine Teichmuschel bis zu 40 Liter Wasser am Tag auf diese Art reinigt.

Die Schalentiere aus dem Knappensee haben sich dann prächtig vermehrt in der Malter. Später hat der Dippser noch beobachtet, dass die Muscheln auch Feinde haben: die Bisamratten. Die haben sich eine Zeit lang kräftig vermehrt. Bei Niedrigwasser konnte man Hunderte von Muschelschalen in der Nähe der Rattenbauten sehen. Das zeigt, wovon sich die Nagetiere ernährt haben.

Aber trotz solcher Feinde und mancher Wasserabsenkungen haben sich die Muscheln gehalten und überlebt. Darüber freut sich der Dippser, der davon ausgeht, dass die Teichmuscheln, die jetzt gefunden wurden, Vorfahren im Knappensee haben.