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Die Kamelie zieht um

Eines der alten Häuser am Markt soll für ein Gewächshaus Platz machen. Blüten gegen Tristesse – das ist die Idee.

Von Reiner Blödsinn

Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Trotz dieser Volksweisheit will es die Stadt Roßwein damit versuchen – und die mehr als 200 Jahre alte Kamelie vom Wolfstal auf den Markplatz umsiedeln.

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Die Idee wird von den Mitgliedern der Zukunftswerkstatt mitgetragen. Alle Ehrenamtlichen, die in dieser Runde mitarbeiten, finden, dass das Zentrum von Roßwein unbedingt noch ein paar Attraktionen braucht. Da die Kommune selbst keine Geschäfte ansiedeln kann, die Einkaufslustige anlocken, bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit den eigenen Pfunden zu wuchern. Also soll die Kamelie auf den Markt umziehen. Probleme, eine leerstehende Immobilie zu finden, von der sich der Eigentümer trennen würde, gibt es nicht. Dabei hilft die Erfassung sämtlicher Gebäude im Zentrum. Diese haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe (AG) Stadtgestaltung Anfang Februar begonnen.

Die Pläne sehen vor, ein gläsernes Gewächshaus zu errichten. Damit wird die Lücke gefüllt, die nach dem Abriss eines maroden Hauses sonst entstünde. Da der „Glaspalast“ so hoch sein soll wie die Nachbarbebauung, dürfte sich die Pflanze noch ein wenig ausbreiten können. In den vergangenen Jahren mussten sie Stadtgärtner Ingolf Kirschstein und seine Helfer auf konstant 6,50 Meter Höhe halten.

Hinter dem Glashaus auf dem Marktplatz könnten die Pflanzenrarität zweifelsohne noch mehr Menschen bewundern als jetzt im Wolfstal. In der erst am Wochenende zu Ende gegangenen Saison zählten die Heimatfreunde, die seit Jahren einen Publikumsverkehr überhaupt ermöglichen, rund 3 500 Besucher. Für die nächsten Schaulustigen entfiele dann der kleine Fußmarsch zum Kamelienhaus. Dieser macht vor allem bei nasskaltem Wetter keinen Spaß.

Ganz anders ist es dann am neuen Standort. Der ist bequem mit Fahrzeugen zu erreichen. Parkmöglichkeiten gibt’s in der Nähe auch. Lässt es der Platz zu, könnte im neuen Kamelienhaus vielleicht noch ein kleines Café einziehen oder es wird mit als Bürgerhaus genutzt. Nach einem solchen ist eine Arbeitsgruppe der Zukunftswerkstatt ebenfalls auf der Suche.

Kay Hanisch, Sprecher der IG Stadtgestaltung, kann sich mit dem Gedanken richtig gut anfreunden, das Kamelienhaus künftig auf dem Markt zu haben. „Der Clou wäre, wenn das Glas im Sommer wie in Pillnitz weggenommen werden könnte“, findet er. Hanisch sieht vor seinem geistigen Auge schon die erste Ansichtskarte vom Markt mit Kamelienbaum.