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Die Kanzlerin hört samstags Bundesliga-Konferenz

Was Angela Merkel in ihren Garten pflanzt, was Peer Steinbrück mit einem Schal von Schalke zu tun hat und wie Horst Seehofer nach Berlin kommt.

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Von Peter Heimann

Angela Merkel liest gelegentlich Horoskope. „Ich finde das amüsant, aber für mein Leben haben Horoskope keine Bedeutung“, sagte die Kanzlerin gerade einer Frauenzeitschrift. Eigentlich erzählt Merkel, Sternzeichen Krebs, öffentlich kaum etwas über Privates. Im Grunde nichts. Aber es ist Wahljahr – da passiert halt auch Ungewöhnliches. Für Gartenfreunde hatte die politisch mächtigste Frau der Welt auch noch einen Rat. Oft, jedenfalls wenn sie nicht gerade Regieren muss, werkelt Merkel am Wochenende in ihrem Garten in Hohenwalde in der Uckermark. Dort, so der Tipp, wird jedenfalls kein Blumenkohl gepflanzt. „Der braucht zu viel Pflege und zieht zu viele Schnecken an. Aber Kartoffelsorten und Erdbeeren, die gibt’s in meinem Garten“, so die Frau aus dem Kanzleramt.

In Sachen Fußball ist Merkel nicht nur eine große Jublerin in Stadion und Kabine, wenn Jogis Nationalmannschaft kickt oder duscht. Sie tut sich auch das Basisprogramm an: „Ich höre, wenn ich kann, die Bundesliga-Konferenzschaltung nachmittags im Radio an.“ Die Sportschau sehe sie eher selten, sonst vor allem gern Spiele der Nationalmannschaft, Partien im Pokal und der Champions League.

Ihr SPD-Herausforderer Peer Steinbrück hat gerade erfahren, wie wichtig Fußball im Wahljahr sein kann. Bei Anne Will im Fernsehen wurde ihm ein Filmchen gezeigt, in dem er mit Schalke-Schal zu sehen ist, obwohl Steinbrück doch im Aufsichtsrat vom Erzrivalen Borussia Dortmund sitzt. Ausgerechnet. Der Vorhalt: Steinbrück müsse sich schon entscheiden, so werde er nie Kanzler. Der reagierte genervt über die kleine Manipulation. Schließlich sei das Bild mit dem Schalke-Schal uralt aus seiner Zeit als NRW-Ministerpräsident. Und hier werde ein zeitlicher Zusammenhang zu heute hergestellt. Schließlich konnte „der Peer“ aber Befragerin Will noch eine mitgeben. Als sie offenbarte, Mitglied des 1. FC Köln zu sein, grinste Steinbrück kurz: „Oh, das tut mir leid.“ Die Lacher im Studio waren wieder auf seiner Seite. Köln spielt derzeit nur zweite Liga.

Der Bundestag wird eine erhebliche fußballtechnische Schwächung erleiden. Der Göppinger CDU-Abgeordnete Klaus Josef Riegert wird nämlich nicht mehr dem nächsten Parlament angehören, weil ihn die eigene CDU-Basis in Baden-Württemberg nicht wieder nominiert hat. Seine „Sünde“: Er wohnt seit einiger Zeit fünf Kilometer außerhalb des Wahlkreises, den er 2009 mit 43,1 Prozent noch direkt erobert hat. Die wirklich schlimme Folge: Riegert kann nicht mehr für den FC Bundestag auflaufen. Er war seit 1997 Mannschaftskapitän, wirbelte in 311 Spielen als Mittelstürmer, schoss 298 Tore. Torjäger Riegert rühmt den FC Bundestag als „Hort der Stabilität“, denn der Fußball führe über die Fraktionsgrenzen hinweg zu Kooperation. „Wenn man nackt unter der Dusche steht, geht man tolerant miteinander um.“

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer legt die beinahe 600 Kilometer zwischen München und Berlin oft im Dienstwagen zurück. Vorige Woche wurde es jedoch selbst für ihn zu lang. 12.30 Uhr war er in München aufgebrochen, aber erst um 21.45 Uhr in Berlin eingetroffen. In Thüringen hatte es auf der A9 einen Unfall gegeben, Lkw blockierten die Fahrbahn. Hunderte Journalisten mussten auf Seehofer warten, der zum Presseempfang in die bayerische Vertretung geladen hatte.