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Die Katzenflüsterin

Katzen haben ihren eigenen Kopf. Kann man die Tiere überhaupt dressieren? Aber ja, sagt Anke Giesemann und bewies das bei der Heimtiermesse.

Von Iris Hellmann

Das Publikum wartet. Der Star lässt sich Zeit. Er schaut sich um, bleibt ruhig, Lampenfieber ist ihm nicht anzumerken. Lieber macht er sich noch einmal richtig schön und putzt sich. Der Star ist achteinhalb Jahre alt, heißt Filou und ist ein schwarzer Kater, wie er im Märchenbuch steht. Er ist „Deutschlands klügste Katze“, wie eine Boulevardzeitung über ihn berichtete.

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Besitzerin Anke Giesemann hat mit dem Showkater am Wochenende den Besuchern der Dresdner Heimtiermesse gezeigt, dass Katzen zu Unrecht als „undressierbar“ gelten. „Es stimmt schon, Katzen haben ihren eigenen Kopf“, sagt die 49-Jährige. „Deshalb kann man sie nicht kommandieren, man kann sie nur bitten, etwas zu tun, was man möchte“, erklärt sie. Und Filou tut ihr den Gefallen. Der Kater schlängelt sich um die Slalomstangen, gibt das rechte oder linke Pfötchen und nimmt ein Kinder-Holz-Puzzle auseinander. „Das mit dem Zusammensetzen üben wir noch“, sagt Anke Giesemann und lächelt.

Durch ganz Deutschland tourt sie mit Filou, es ist ihr Hobby. „Ich verdiene damit kein Geld.“ Sie ist Informatikerin. Aber lieber, sagt sie, würde sie den ganzen Tag mit Tieren arbeiten. Auch wenn die – im Gegensatz zu Maschinen – nicht immer das tun, was man ihnen sagt. „Katzen haben nicht viel Geduld, deshalb braucht der Mensch umso mehr.“ Sie möchte anderen Katzenbesitzern zeigen, dass es sich lohnt, mit dem Tier zu arbeiten. „Es macht Spaß, und kann gerade bei Wohnungskatzen helfen, dass sie ausgelastet und beschäftigt sind, und dann vielleicht auch weniger Probleme machen.“

Sie nahm Filou, ein Katzenkind vom Reiterhof, zu sich, als er etwa ein halbes Jahr alt war. „Um die Bindung zu stärken, habe ich dann angefangen, mit ihm zu trainieren.“ Mittlerweile steht er sogar für Filme vor der Kamera. Das Vertrauen zwischen ihr und Filou ist so groß geworden, dass der Kater sogar „blind“ durch einen mit Papier bespannten Reifen springt – eine zirkusreife Nummer. „Ein großer Vertrauensbeweis, denn normalerweise springen Katzen nur, wenn sie sehen können, wohin“, weiß die Besitzerin.

„Kann ich mit meiner Katze auch trainieren?“, fragten viele Besucher. Unbedingt, empfiehlt Anke Giesemann. Ein paar Voraussetzungen sollte das Tier aber schon mitbringen: „Neugierig und ein bisschen frech schadet nicht“, sagt sie. Und verfressen, ergänzt sie, für die Belohnung. Filou setzt sich dazu auf die Hinterbeine und schleckt an einer Tube. Wie ein kleiner Honigbär sieht er dabei aus. In der Tube ist Multivitamin-Paste, Leberwurst oder Käse, immer mal was anderes, sagt Anke Giesemann. Für Anfänger empfiehlt sie, das Tier auf einen sogenannten Clicker zu konditionieren. „Wenn die Katze etwas tut, was richtig ist, dann sofort auf den Klicker drücken, damit sie das Geräusch mit der Handlung verbindet“, sagt sie. Täglich üben? Muss nicht sein. Manchmal reichen ein paar Minuten. „Man sollte immer dann aufhören, wenn etwas klappt“, sagt sie. Und sich nicht entmutigen lassen. Auch Filou hat manchmal einfach keine Lust auf Artistik. „Dann hilft der Applaus vom Publikum. Sonst scheint er sich zu fragen, warum soll ich das machen?“, sagt Anke Giesemann und schmunzelt. Ihre Geduld zahlt sich auch am Wochenende aus. Nach einigen Überredungsversuchen springt Filou doch noch auf den Kratzbaum und verputzt das Belohnungsleckerli. Den Applaus nimmt er würdevoll zur Kenntnis. Ein richtiger Star eben.

www.katzendressur.de