SZ +
Merken

Die Kegl-Wahl versinkt im Chaos

Selten war die Besetzung einer Geschäftsführerposition mit so viel Spannung erwartet worden wie die der Kreisentwicklungsgesellschaft Löbau-Zittau mbH. Der Kandidat des Aufsichtsrates und der Verwaltung, Jeannette Gosteli, fiel dabei durch. Eine Niederlage mit Ansage.

Teilen
Folgen

Von Sebastian Beutler

Wenn Kreisräte auf geheime Abstimmung pochen, steckt was hinterm Busch. So war es auch bei der Besetzung des Geschäftsführers der Kreisentwicklungsgesellschaft (Kegl). Als die CDU im Kreistag die geheime Abstimmung verlangte, war eine Mehrheit für die Kandidatin Jeannette Gosteli bereits eine Illusion. Deutlicher als gedacht hatte sich in der vorangegangenen Diskussion abgezeichnet, dass die Kreisräte eine Bestellung von Frau Gosteli ablehnen würden. Dass es schwer werde, das flüsterten schon beim Kreistag im November wissende Stimmen durch die Gänge.

Am Mittwoch begann die Diskussion nun, indem der Landrat seine Kreisräte überrumpelte. Ohne Abstimmung mit irgendeiner Fraktion hatte er den Rektor der Zittauer Hochschule, Rainer Hampel, gebeten, vor den Kreisräten zu erläutern, wie der Aufsichtsrat der Kegl auf Frau Gosteli als beste Bewerberin für die Geschäftsführerposition gekommen war. Hampel ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates. Allerdings war der Tagesordnungspunkt mit einem „P“ gekennzeichnet. Das bedeutet üblicherweise, dass es sich nur um eine Abstimmung, nicht aber um eine Diskussion handelt. Vallentin setzte das kurzerhand außer Kraft, ließ nach SPD-Kritik über den Auftritt Hampels abstimmen, wofür es eine Mehrheit gab.

Der von ihm aufgebotene Hampel wiederum berichtete nun von der Vorauswahl unter den 50 Bewerbern, die sich auf die Ausschreibung des Geschäftsführerpostens gemeldet hatten. Kriterien dabei waren: Hochschulabschluss, Managementerfahrung, Erfahrung in der institutionellen Zusammenarbeit, Flexibilität, Bezüge zur Region. Auch nach kaufmännischen und juristischen Kenntnissen sei geschaut worden. Einen Abschluss als Jurist hatte aber keiner der Bewerber, einige wenige den der Betriebswirtschaft.

Übrig blieben daraufhin sechs Kandidaten , die nun einen Vortrag vor dem Aufsichtsrat halten sollten. Themen dieser Vorträge, deren Schwerpunkte die Bewerber selbst festlegen konnten: Problemanalyse des Landkreises Löbau-Zittau, ein Standpunkt zum Zukunftsprogramm und die Kreisentwicklung, einen Standpunkt zum Innovationszentrum, zur Zusammenarbeit zwischen Polen und Tschechien, Marketingansätze, Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft. Eine Steilvorlage von den Themen her für die bisherige Geschäftsführerin der Kegl, Jeannette Gosteli, die federführend sowohl am Innovationszentrum als auch am Zukunftsprogramm und auch am grenzüberschreitenden Konzept Umgebindeland arbeitete. Das sah auch CDU-Kreisrätin Gabriele Opitz-Gehrisch so, die sagte: „Waren diese Themen nicht sehr auf eine Person zugeschnitten“? Hampel entgegnete: „Was hätten wir sonst fragen sollen?“

Ergebnis des Vortrages: Einer der Bewerber erschien erst gar nicht, zwei Kandidaten hätten mit Allgemeinplätzen geglänzt ohne einen vernünftigen regionalen Bezug, ein weiterer sei ohne Vortragskonzept gewesen aber mit gutem regionalen Bezug. Die zwei Besten, so ergänzte Aufsichtsratsmitglied Jürgen Kloß (CDU), hätten ziemlich gleichauf gelegen. Doch habe man sich schließlich für einen Solo-Vorschlag entschieden und diesen mit Frau Gosteli benannt.

Hampels Vortrag war von Zwischenrufen und ungläubigem Kopfschütteln unter den Kreisräten begleitet worden. Schließlich aber glitt die Abstimmung kurzzeitig ins Chaos ab, als den Kreisräten der Stimmzettel ausgehändigt wurde. Darauf stand der Name von Frau Gosteli und ein Kreis zum Ankreuzen. Daraufhin kritisierten Kreisräte aus allen Fraktionen, dass so keine eindeutigen Nein-Stimmen abgebbar seien. PDS-Fraktionschef Alexander Donner meldete sich ungewöhnlich erregt zu Wort und kritisierte nicht nur einen „völlig unwürdigen Umgang mit dem Rektor“, sondern forderte auch einen Stimmzettel, der der Verantwortung dieser Aufgabe gerecht werde.

Zwar verteidigte Rechtsamtsleiter Karl Ilg den Zettel, doch letztlich wurde ein neuer nach einer fünfminütigen Pause verteilt. Hier schließlich machten die Kreisräte ihre Kreuze: Neun waren für Jeannette Gosteli, 42 dagegen und einer enthielt sich der Stimme.