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Die Kette sitzt

In seiner Antrittsrede nennt der neue Görlitzer OB Octavian Ursu Wirtschaft, Sicherheit und Familienfreundlichkeit als Themen. 

Jana Lübeck legt dem neuen OB die Amtskette an.
Jana Lübeck legt dem neuen OB die Amtskette an. © Nikolai Schmidt

Ein wenig zuppeln hier, und nochmal zurechtrücken da. Und noch ein letztes Mal korrigieren. Schon saß sie, die Amtskette. Es war ein herzlicher Moment zwischen Jana Lübeck und Octavian Ursu. Sie, Mitglied der Linken und jüngste Frau im Görlitzer Stadtrat. Er, der neue Oberbürgermeister, CDU-Mitglied und Ex-Kollege von Jana Lübeck. Beide hatten einst im Görlitzer Theater zusammengearbeitet, Lübeck als Orchesterdisponentin, Ursu als Solo-Trompeter in der Neuen Lausitzer Philharmonie und Betriebsratsvorsitzender.

Hier trafen sich nun beide am Sonnabend wieder – zur feierlichen Amtseinführung von Octavian Ursu, der seit 1. August bereits im Amt ist. Bevor Jana Lübeck, die im OB-Wahlkampf noch seine Kontrahentin gewesen war, Ursu den Amtseid abnahm und die Kette umlegte, gab sie ihm noch einiges mit auf den Weg. Er möge den Schwung, den sein Vorgänger Siegfried Deinege in sieben Jahren in die Stadt gebracht hatte, nutzen. Die 34-Jährige versprach die Unterstützung des Stadtrates, aber der OB sei die treibende Kraft und derjenige, der das Tempo vorgibt. „Bleiben Sie hartnäckig, gehen Sie neue Wege“, so Jana Lübeck.

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All das versprach Octavian Ursu, nunmehr mit Amtskette geschmückt, anschließend vor gut gefülltem Haus. Neben Ministerpräsident Michael Kretschmer und den beiden früheren Oberbürgermeistern Siegfried Deinege und Rolf Karbaum, waren Vertreter der Partner- und Zipfelstädte anwesend, sowie der Bürgermeister und weitere Gäste aus Zgorzelec. Vom neuen Stadtrat waren 24 von 39 Mitgliedern erschienen – auch die Fraktionsspitze der AfD, trotz ihres vorherigen Vetos, was den Termin im Theater betraf.

Vor all diesen Menschen betonte Octavian Ursu, der 1967 in Rumänien geboren wurde und seit 30 Jahren in Deutschland lebt: „Ich komme aus Ihrer Mitte und dort bleibe ich auch.“ Siegfried Deinege habe ihm ein gut bestelltes Feld hinterlassen, begann Ursu seine Antrittsrede. Auf dem möchte der neue OB in den kommenden Jahren aber nicht nur ernten, sondern weiter säen. Als wichtigste Themen habe er sich auf die Fahnen geschrieben, die familienfreundliche, weltoffene Europastadt Görlitz/Zgorzelec als Lebens-, Wirtschafts- und Bildungsstandort weiterzuentwickeln. 

Wirtschaftliches Wachstum sieht Ursu als wichtigste Voraussetzung für Einnahmesteigerungen und für eine gute und dynamische Entwicklung. Nur so könne die Bevölkerung wachsen. Und durch gut bezahlte Arbeitsplätze könnten soziale Probleme am besten bekämpft werden. Wirtschaftliches Wachstum sei vielmehr aber auch nötig, um sich die schönen Dinge in Görlitz weiter leisten zu können: Sport-, Kultur- und Jugendvereine, Straßenbahn, Neißebad, Musikschule, Tierpark, Theater oder Stadthalle. Um das zu schaffen, müsse investiert werden – in Infrastruktur und in kluge Köpfe. „Das machen wir in Görlitz mit 195 Millionen Euro bis zum Jahr 2023“, sagte Ursu und nannte bereits angeschobenes wie das neue Casus-Institut, den Innovationscampus von Siemens, den Senckenberg-Neubau oder die von ihm selbst initiierte Innovationsplattform GRIP. 

Weiterhin versprach er, „Siemens und Bombardier bei ihrer Zukunftsentwicklung zu unterstützen, unserem stabilen Mittelstand in unserer Stadt den Rücken zu stärken und Kraft in Forschung und Zukunftstechnologien zu stecken.“ Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit sind weitere Schwerpunkte. „Deswegen müssen wir auch über Alkoholverbot und Videoüberwachung auf dem Marienplatz, über Hundehaufen in den Gründerzeitvierteln und über erhöhten Schutz im Eigentumsbereich reden.“ Auch hier müsse die Stadt investieren. Alles zusammen könne Görlitz attraktiv für junge Menschen machen, damit sie sich bewusst fürs Hierbleiben entscheiden oder gern nach Görlitz ziehen wollen. „Lassen Sie uns gemeinsam mit mehr Bürgerstolz, Zuversicht, Kreativität und Mut unsere Europastadt voranbringen“, so Ursus Wunsch.

Rafal Gronicz, Bürgermeister von Zgorzelec, wird diesen Kurs mittragen, versprach er in einem abschließenden Grußwort und wünschte sieben gute Jahre. Auf dass Octavian Ursu sich seine Lebensfreude und seien Optimismus bewahren solle.

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