SZ +
Merken

Die Kettensäge als Handwerkszeug

Der lebensgroße Holz-Bergmann, der seinen mit Erz vollbeladenen Hunt auf den Schienen schiebt, steht seit Ende Juni 2010 in Clausnitz. In jener Woche feierte der Stadtteil von Rechenberg-Bienenmühle sein 800-jähriges Jubiläum.

Teilen
Folgen

Von Brigitte Pfüller

Der lebensgroße Holz-Bergmann, der seinen mit Erz vollbeladenen Hunt auf den Schienen schiebt, steht seit Ende Juni 2010 in Clausnitz. In jener Woche feierte der Stadtteil von Rechenberg-Bienenmühle sein 800-jähriges Jubiläum. Der Bergmann gilt als Denkmal für den Bergbau, der früher auch hier in der Region zuhause war.

Geschaffen wurde die beeindruckende Figur von Jonny Schubert aus Dorfchemnitz, der ausnahmsweise auf dem Erzwagen Platz genommen hat. Dem Bergmann in der traditionellen Arbeitsuniform der 20-er Jahre ist nicht anzusehen, dass er mit der Kettensäge aus dem Stamm herausgearbeitet wurde. „Das war aufwändig und dauerte etwas mehr als zwei Wochen“, erläutert Schubert. Aber der 53-jährige ist ein geschickter Künstler mit der Kettensäge, die er mindestens ebenso furios beherrscht wie sein „Kollege“, der berühmte Sauensäger Andreas Martin, der regelmäßig jedes Jahr zu Pfingsten die Weltelite zum Kettensägen-Wettkampf um den Husky-Cup nach Blockhausen holt.

Genau durch jenen Andreas Martin ist der Erzgebirger auch zum Kettensägen gekommen. „Ich habe zuvor mehr mit dem Messer geschnitzt“, erinnert er sich. Da er als Waldbesitzer ein Nachbar von Revierförster Martin ist, kannten sich die beiden. Schubert sah dem Sauensäger zu und wollte schließlich selbst ausprobieren, ob er auch mit dem gröberen Werkzeug feinere Linien in einem Stamm ziehen kann. „Es ging. Andreas Martin meinte: Bleib dabei, du hast die Hand dafür.“

Dass Jonny Schubert die Kettensäge als Kunstwerkzeug wirklich beherrscht, das hat er dann beim Husky-Cup gleich mehrmals bewiesen. 2004 und 2005 ging er als Sieger hervor. Einmal kam er mit dem berühmten Berggeist Rübezahl aus dem Riesengebirge und das andere Mal mit dem erzgebirgischen Volkshelden und Wildschütz Stülpner-Karl auf den ersten Platz. Wie Schubert dann nach einigem Zögern noch verrät, hat er sogar ein drittes Mal den Zuschauerpreis gewonnen. „Ich mache mir nicht so viel aus Ehrungen. Wichtiger ist mir, dass die Skulpturen gut werden. Dass man etwas schafft, das von Dauer ist und das zum Material Holz passt.“ Das Publikum entschied sich für sein Werk mit dem Titel „Auf Händen getragen“. Das ist ein richtiger Stuhl, wobei eine Hand als Sitz und die andere als Lehne dient. In jenen Jahren hatte er auch noch einen Sponsoring-Vertrag mit einem großen Kettensäger-Produzenten. Es entstanden viele Projekte und es ging von Event zu Event. „Den Vertrag habe ich nicht mehr, da es mir zu anstrengend wurde.“

Denn eigentlich ist Schubert seit 37 Jahren Dachdecker in einem Familienbetrieb und will es auch bleiben. Mit seiner Kettensägen-Kunst möchte er seinen Lebensunterhalt nicht verdienen. Aber er freut sich, wenn er ab und zu aufgefordert wird, eine Skulptur zu schaffen, die ihm als Erzgebirger am Herzen liegt. So wie den Bergmann, den er gemeinsam mit anderen Handwerkern der Jubiläumsgemeinde schenkte. Die Namen der Sponsoren stehen alle auf dem symbolischen Stolln-Mundloch. Nur dass Jonny Schubert bei dem Bergbau-Denkmal etwas mehr die Kettensäge anlegte.