merken
PLUS

Die Königsbrücker wächst in die Breite

Die Straße wird vierspurig ausgebaut. Der CDU-Chef hört deswegen Sektkorken knallen.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Tobias Winzer

Am Ende wurde es doch noch garstig. Nachdem die Debatte im Dresdner Stadtrat um die Sanierung der Königsbrücker Straße eine Dreiviertelstunde lang vor sich hindümpelte, trat Linken-Chef André Schollbach ans Mikrofon. „Sie können heute beschließen, was sie wollen“, sagte er in Richtung der siegesgewissen CDU- und FDP-Fraktion. „Dieser Beschluss wird das Planfeststellungsverfahren nicht überstehen.“ FDP-Chef Holger Zastrow, der in bester Laune zu sein schien, antwortete prompt. Mit Verweis auf die Landtagskandidatur von Schollbach und die eigenen Chancen, bei der Wahl im August wieder in den Landtag gewählt zu werden, sagte er: „Es gibt Momente, wo man sich wünscht, die fünf Prozent nicht zu kriegen.“ Er wolle so ein „niveauloses Affentheater“ nicht auch noch im Landtag erleben. Ansonsten wurden die altbekannten Argumente aus den vergangenen Monaten wiederholt. „Die Königsbrücker Straße ist keine Erschließungsstraße nur für die Neustadt“, sagte CDU-Mann Hans-Joachim Brauns. Axel Bergmann von der SPD verwies auf die sinkenden Verkehrszahlen auf der Königsbrücker Straße. „Warum muss eine Straße im dichtbesiedeltsten Stadtteil Dresdens genauso aussehen wie auf der grünen Wiese.“ Tilo Wirtz von den Linken sprang ihm bei: „Es ist nicht nachgewiesen, dass die Sanierung nicht auch ein wenig schmaler geht.“

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Am Ende setzten sich CDU, FDP, die Bürgerfraktion und die beiden Rechtsextremisten mit ihrer Sicht der Dinge durch. Das Abstimmungsergebnis von 38 Ja- zu 31 Nein-Stimmen fiel am Ende sogar recht deutlich aus. Die Stadt kann nun mit der Feinplanung der Sanierung beginnen. Anschließend prüft die zuständige Landesdirektion das Bauvorhaben. Gibt sie mit dem sogenannten Planfeststellungsbeschluss ihr Okay, schreibt die Stadt die Bauarbeiten europaweit aus. Das dauert noch einmal ein Jahr, sodass die Arbeiten frühestens Anfang 2017 starten könnten. Ende 2017 würden dann die ersten Autos über den glatten Asphalt fahren. 32,6 Millionen Euro kostet das. Den Großteil davon soll der Freistaat als Fördermittel zahlen.

In der Straßenmitte wird es dann, wie heute, zwei Gleise geben, die an den meisten Stellen auch von Autos überfahren werden können. Daneben ist eine weitere Fahrspur geplant plus ein zwei Meter breiter Radstreifen. Die Straße wird damit von heute zehn Meter auf 17 Meter Breite wachsen – zulasten der Fußwege. An der gesamten Strecke vom Albertplatz bis zur Stauffenbergallee müssten außerdem rund Hundert Bäume gefällt und neu gepflanzt werden. Eine denkmalgeschützte Flatterulme in der Nähe der Schauburg bleibt aber erhalten. Der Vorteil des Ausbaus: Die Autos und Straßenbahnen wären deutlich schneller unterwegs als heute.

CDU, FDP und Bürgerfraktion beschlossen außerdem, dass es weiterhin in beiden Richtungen eine Linksabbiegespur an der Kreuzung Bischofsweg geben soll. Das war in den bisherigen Planungen der Verwaltung nicht vorgesehen. Die Stadt will außerdem prüfen, ob ein Blitzer installiert werden soll.

Die Grünen hingegen scheiterten mit einem eigenen Sanierungsvorschlag. Demnach sollte Oberbürgermeisterin Helma Orosz beauftragt werden, bis zum 30. September einen Sanierungsplan vorzulegen, in dem die Königsbrücker zwei Fahrspuren behält. Autos und Straßenbahnen würden sich dann eine Spur teilen. Stadträtin Margit Haase argumentierte, dass in der Verkehrsprognose für das Jahr 2025 nicht mehr als 1 100 Autos pro Stunde auf der Königsbrücker Straße vorausgesagt werden. Diese Zahl erlaube einen zweispurigen Ausbau. „Die Anwohner werden gegen den Ausbau klagen, weil sie gute Argumente dagegen haben.“

CDU-Fraktionschef Georg Böhme-Korn war das zu kleinkariert. „Mit ihrem Detailkauderwelsch wollen sie die Bürger doch verwirren“, sagte er zu Haase. Seine Partei hingegen wolle die Leute befriedigen. Der Ausbau mache eine schnelle Fahrt durch die Neustadt möglich. „Nach der heutigen Entscheidung werden in Klotzsche die Sektkorken knallen“, sagte er.

Noch ist aber offen, ob der jetzt gefasste Beschluss tatsächlich Bestand hat. Denn der Stadtrat hat sich bereits mehrfach für eine Sanierungsvariante entschieden – ohne dass je gebaut wurde. Bereits 2006 wurde mehrheitlich für den Ausbau der Königsbrücker Straße gestimmt. FDP-Verkehrsminister Sven Morlok funkte jedoch dazwischen und stellte die Förderfähigkeit infrage. Eine 2011 beschlossene Variante wurde wegen erheblicher Sicherheitsdefizite wieder verworfen.

Der nun gefasste Beschluss gilt mindestens ein halbes Jahr. Dann könnte ihn der Stadtrat theoretisch kippen und eine neue Sanierungsvariante beschließen. Im Mai ist Kommunalwahl.