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Hoyerswerda

Die Königsmacher aus Hoyerswerda

Der Schützenverein Hoyerswerda beging gestern den 30. Jahrestag seiner Gründung – ohne Feier und ohne Gäste.

Mitglieder des Schützenvereins 1990 Hoyerswerda – die schmucken blauen Uniformen sind sachsenweit bekannt und geachtet; in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht.
Mitglieder des Schützenvereins 1990 Hoyerswerda – die schmucken blauen Uniformen sind sachsenweit bekannt und geachtet; in sportlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. © Foto: privat

Von Thomas Schlicht und Uwe Jordan

Hoyerswerda. Es war alles vorbereitet, wie es sich zu solch einem Anlass ziemt: Ehrenpforte, Salutschießen durch die Schützenbrüder in Gala-Uniform, Festveranstaltung mit geladenen Gästen ... Doch der Vereinsvorstand des Schützenvereins 1990 e. V. Hoyerswerda (SVH) musste kurzfristig betrübt zur Kenntnis geben: „Auf Grund der aktuellen Entwicklung in Sachen Corona-Epidemie findet leider keine Jahrestagsfeier auf unserem Vereinsgelände statt.“ Aber dennoch sei hier kurz Rückschau gehalten.

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Am 17. März 1990 um 10 Uhr

Am Dienstag vor 30 Jahren, am 17. März 1990, um 10 Uhr fand die Gründungsversammlung des Schützenvereins 1990 e. V. Hoyerswerda statt. Die Zielstellung bestand darin, an die seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts bestehende Schützentradition in Hoyerswerda anzuknüpfen und diese wieder zu beleben. Getreu dem Motto „Brauchtum – Hobby – Sport“ des Landesverbandes, des Sächsischen Schützenbundes, wollten auch die Hoyerswerdaer ihren Weg gehen. Nach drei Jahrzehnten können die heute 88 Vereinsmitglieder mit Stolz auf das Erreichte zurück- und vor allem vorwärts schauen – und können dem einen oder anderen schiefen Bild, das über die Schützenvereine so kolportiert wird („Waffennarren“, „ewig Rückwärtsgewandte“, gar: „Militaristen“) mit Wahrheiten und Tatsachen entgegentreten.

Ja, Schützenvereine halten auf Tradition, sind für ein bisschen „Show“ zu haben und sind stolz auf Erfolge, die sich mit ihrem Namen verbinden – eben Brauchtum. Gleichzeitig ermöglichen sie vielen Menschen, einem Freizeitvergnügen nachzugehen, das einen sportlichen Charakter hat – und ebenjener Sport ist wesentlicher Bestandteil der Vereinsarbeit; sowohl, was das Selbst-Ausüben anbelangt als auch das Ermöglichen dieses Sports für andere über Stadt- und Landesgrenzen hinaus; sprich: die Ausrichtung von Wettkämpfen.

Es braucht eine intakten Anlage, um einen oder gar mehrere Wettkämpfe austragen zu können und sich so auch als Botschafter der Heimatstadt zu erweisen. So trägt der SVH heute die Hauptlast der sportlichen Veranstaltungen im Sportschützenkreis 6 (Westlausitz) und ist Gastgeber der Landesmeisterschaften im Bereich der KK-Auflage (Kleinkaliber-Schießen). Auch dem Breitensport steht der Verein offen gegenüber: 2009 wurde der erste Hoyerswerdaer Bike-Biathlon ausgerichtet, der bis heute gepflegt wird und in seiner Verbindung von Radfahren und Schießen (die jüngsten Teilnehmer mit dem „Lichtgewehr“) eine anspruchsvolle Kombination darstellt wie der „echte“ Biathlon.

Ereignis Vier-Jahreszeiten-Pokal

Der größte überregionale, vom Schützenverein 1990 Hoyerswerda ausgetragene Wettbewerb ist der Vier-Jahreszeiten-Pokal: Die Schützen reisen mittlerweile nicht mehr nur aus Sachsen allein an, um im Winter, im Frühjahr, im Sommer und im Herbst auf der Hoyerswerdaer Anlage 15 Schuss (fünf Probe, zehn Wertung) mit einer historischen Waffe abzugeben – der legendären Pistole Makarov (stehend freihändig aus 25 Metern auf die Zwölfer-Ringscheibe). Geschossen wird in der Einzel- und Mannschaftswertung, und neben den Tagessiegern werden am Ende der Saison die Gesamtsieger gekürt, wobei von den vier Einzel-Jahreszeiten-Resultaten in der Addition das schlechteste gestrichen wird. Die Starterzahlen steigen von Jahr zu Jahr an – und auch 2020 wird das so sein, wenngleich das Frühjahrsschießen (4. April) unter Vorbehalt steht (Corona ...). Die anderen Wettkampftermine waren/sind der 15. Februar, der 1. August und der 7. November.

Sachsenweite Bedeutung

Statt findet dieser Wettbewerb, wie auch alle anderen Vereins-Aktivitäten, auf dem Schützenstand an der B 97 (den übrigens auch weitere Schützenvereine der Region nutzen). Der ist ein echtes Schmuckstück geworden. 1995 wurde der Pistolenstand errichtet, es folgten die 100-m-Anlagen; der gesamte Schützenstand samt angrenzendem Außengelände wurde saniert – und es gibt immer wieder neue Ideen. Im Jahr 2019 wurde sogar eine Gästewohnung fertiggestellt, denn der Schießstand gewinnt immer mehr Bedeutung im Land Sachsen: Lehrgänge wie Sachkundeausbildung, Kampfrichterausbildung, Schießsportleiterlehrgänge, Schwarzpulverlehrgänge und auch die JuBaLi (Jugend-Basis-Lizenz-Ausbildung) finden in Hoyerswerda statt. Nun ist also auch für eine Übernachtungsmöglichkeit der Lektoren gesorgt.

Auch der Wurfscheibenstand nimmt immer mehr Konturen in Richtung „olympischer Anlage“ an ...

Ein Schütze – fünf Titel

In den 30 Jahren wuchs ein sportliches Leistungsvermögen, das mit vielen Titeln und Platzierungen bestätigt wurde. Hoyerswerdaer Schützen, ob jung oder alt, waren und sind erfolgreich nicht nur bei den regionalen Meisterschaften, sondern auch bundesweit bis hoch zur Deutschen Meisterschaft. Internationale Wettkämpfe wurden auch bestritten. Der größte Stolz des Vereins ist aber der erworbene Ruf „Die Königsmacher aus Hoyerswerda“: Kein Schützenverein kann die Bilanz der Hoyerswerdaer übertreffen, was das Königsschießen angeht! Den Titel zu gewinnen, ist enorm schwer, denn im Gegensatz zu den Wettkämpfen und Meisterschaften zählt beim Königsschießen mit Luftdruckwaffen (40 Schuss auf zehn Meter Entfernung) nur der beste Schuss, der über eine sogenannte Teilermaschine auf Tausendstel genau ausgemessen wird. Der Schütze mit der geringsten Abweichung vom Zentrum wird Landesschützenkönig/in. 17 Titel von Jugendschützenkönig bis zum Landesschützenkönig nennt der Hoyerswerdaer Verein sein Eigen! Bedenkt man die Wettkampfform des Königsschießens, so war das Glück oft auf Hoyerswerdaer Seite. Auch der Rekord von fünf Titeln, den der Hoyerswerdaer Thomas Schlicht hält (2002, 2003, 2004, 2008, 2010), wird wohl nicht so schnell gebrochen werden. Nach dem Ende des Schießstandes im Hochhaus Dietrich-Bonhoeffer-Straße verfügte der SVH zehn Jahre lang nicht über einen Luftdruckwaffen-Schießstand (und auch keine Jugendgruppe mehr ...). Nun will man mit dem neuen Druckluftwaffenstand und fleißigem Training hier wieder anschließen.

Alles in allem: Im Land genießt der SVH großes Ansehen – sportlich und gesellschaftlich. „Brauchtum – Hobby – Sport“ – das wird auch in den folgenden Jahren das Leitbild des Schützenvereins 1990 e. V. Hoyerswerda sein und bleiben. 

Schützenverein 1990 e. V. Hoyerswerda

Schießstand an der B 97 in Hoyerswerda (kurz nach dem Ortsausgang von Hoyerswerda gen Schwarze Pumpe/Cottbus auf der linken Seite, ehemals GST-Objekt („Schacht 15“) beziehungsweise altes Sportstudio Poser

Kontakt: Tel. 0171 07402089 (zu den Geschäftszeiten (Donnerstag ab 16 Uhr und an den Trainingstagen)

Training-/Vereinstage: Donnerstag ab 16 Uhr und Sonntag ab 10 Uhr

[email protected]

www.schuetzenverein1990-hoyerswerda.de