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Die Krabatmühle ist das Zugpferd

Mit drei provokanten Thesen eröffnete Jörg Krause, Chef der Hoyerswerdaer Tourismus GmbH „Land und Leute“, die Diskussion beim vierten und letzten Schwarzkollmer Tourismus-Stammtisch des Jahres: Es fällt schwer, Leistungsträger zu aktivieren.

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Mit drei provokanten Thesen eröffnete Jörg Krause, Chef der Hoyerswerdaer Tourismus GmbH „Land und Leute“, die Diskussion beim vierten und letzten Schwarzkollmer Tourismus-Stammtisch des Jahres: Es fällt schwer, Leistungsträger zu aktivieren. Der Begriff „Krabatdorf“ muss sich in Schwarzkollm erst noch durchsetzen. Alle tragen das Thema Tourismus in Schwarzkollm nicht mit. Danach herrschte zunächst Schweigen unter den 20 anwesenden Unternehmern sowie Vertretern von Vereinen, der Stadtentwicklungsgesellschaft Hoyerswerda und des Ortschaftsrates. Dabei hatte sich Tobias Zschieschick vom Krabatmühlenverein eingangs des Treffens ausdrücklich aktive Teilnahme an der Diskussion und Vorschläge gewünscht.

Flyer dringend benötigt

Vorschläge kamen dann jedoch eine ganze Menge. Gertrud Winzer, Vorsitzende des Vereins „Krabatmühle-Schwarzkollm“, regte beispielsweise an, möglichst bis zum Frühjahr eine aktuelle Broschüre oder einen Flyer über Schwarzkollm anfertigen zu lassen, „mit all den kleinen Sehenswürdigkeiten, die wir haben“. Die müssten auf einer Karte sichtbar sein. Mühlenbesucher hätten schon oft danach gefragt. Zugleich wies sie darauf hin, dass die Info-Tafel an der Ortsteilverwaltung erstens falsch gestaltet und zweitens überholt sei. „Besser wäre es, im Dorf zwei bis drei aktuelle Tafeln aufzustellen - möglichst mithilfe der ortsansässigen Unternehmer.“

Unternehmerin Undine Kotow ließ zur Überraschung aller Anwesenden wissen, dass ein kleiner, selbst erstellter Flyer-Entwurf mit Karte bereits seit Monaten in ihrem Computer gespeichert sei. „Leider warte ich immer noch auf Zuarbeiten, dabei würde die Mitwirkenden das Ganze nichts kosten.“ Man einigte sich schließlich darauf, das Flyer-Projekt in der Tourismus-Arbeitsgruppe (siehe Kasten) unter Einbeziehung des Materials von Undine Kotow schnell anzugehen.

Jörg Krause warf die Frage auf, wie es den Schwarzkollmern gelingen könnte, dass Besucher mehr Geld in Schwarzkollm lassen. Das Ziel, dass mehr Gäste mehr Geld bringen müssen, habe der Ort noch nicht erreicht. Das Dorf habe die Chance, mit dem Tourismus Geld zu verdienen, ist es doch seit Kurzem Mitglied in der Anbietergemeinschaft „Urlaub in sächsischen Dörfern“ der Tourismus-Marketing-Gesellschaft Sachsen (TMGS). Die TMGS nehme nur marktfähige Produkte auf, sagte Jörg Krause nicht ohne Stolz auf Schwarzkollm. „Buchbare Angebote von hier werden über die TMGS vermarktet.“ Dennoch müsse überlegt werden, wie für Leistungen an der Mühle Geld einzuspielen sei.

Noch kein Eintrittsgeld

Schwarzkollm will zwar weg vom Bild des „Krabatmühlen-Dorfs“ hin zum „Krabat-Dorf“, die Mühle ist aber unbestritten das Zugpferd, das auch die Wahrnehmung des Ortes steigern kann. Gäste zahlen für gebuchte Führungen und die Versorgung aber keinen Eintritt. Und in diesem Jahr ist der Besucherstrom noch größer geworden – mehr als 14 000 erfasste Gäste, 3000 Besucher beim Erntedankfest, 350 Gäste an einem Spitzentag am Wochenende, rund 300 Führungen. Gertrud Winzer verwahrte sich noch gegen ein Eintrittsgeld, solange die Anlage zum Teil noch eine schlammige Baustelle ohne viel Komfort sei. Hierzu bemerkte Jörg Krause, dass Touristen im Wattenmeer-Nationalpark den Gang durch die Pampe teuer bezahlen müssten… Die Diskussion soll innerhalb des Vereins fortgeführt werden. Im abgelaufenen Jahr sei es zudem gelungen, Vermieter, Gastronomen und Schwarzkollmer an einen Tisch zu bringen. Gleichwohl, so hieß es in der Runde, gebe es zum Teil noch Kommunikationsschwierigkeiten mit den Einwohnern. „Bei jedem Stammtisch werden viele gute Ideen entwickelt“, sagte Ortsvorsteher Mirko Pink. Er vermisse jedoch Leute, die loslegen, die solche Ideen umsetzen. „Wer nimmt es in die Hand?“ Die Beantwortung dieser Frage sei jetzt die große Herausforderung. Hier wären wohl Einzelgespräche die beste Lösung, meinte Jörg Krause. Leisten könne dies das Projektmanagement „Krabat-Dorf“, wofür Schwarzkollm Mittel aus dem Fördertopf für Integrierte Ländliche Entwicklung ins Auge fasst.

„Es gibt noch viel Kommunikationsbedarf“, stellte Jörg Krause nach reichlich zwei Stunden am Ende des Abends fest. Er wünsche sich, dass die Schwarzkollmer sagen: „Wir wollen den Gast haben, egal wie, weil er uns gutes Geld bringt.“ Vorgefertigte Geschäftsideen könne man den Leuten aber nicht vorsetzen, sondern nur die Rahmenbedingungen bieten, ergänzte Tobias Zschieschick. „Die Leidenschaft dafür muss von den Schwarzkollmern selbst kommen.“