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Die Krone der Kommunen

Die Tradition, in Städten und Gemeinden die Ehrenbürgerwürde an engagierte Mitmenschen zu verleihen, ist Jahrhunderte alt. Doch wie sieht es in unserem Landkreis mit dieser Tradition aus. Wer ist wo Ehrenbürger?

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Von C. Matthes und M. Mach

Chemnitz hat Sigmund Jähn. Köln Heinrich Böll und Willi Millowitsch. Leipzig will von Walter Ulbricht nichts mehr wissen. Die bekannten Namen sind oder waren Ehrenbürger. Auch in unserem Landkreis vergeben die hiesigen Städte und Gemeinden diese Würde an engagierte Persönlichkeiten. Neben einer Urkunde und Einladungen zu Veranstaltungen gibt es für den Ehrenbürger als Lohn allerdings nichts wirklich Greifbares. Kein kostenloses Bier in der Kneipe oder Parken im Parkverbot ohne Knöllchen. Dieser Titel ist die höchste Anerkennung, die eine Kommune aussprechen kann und hat nur ideellen Wert.

Riesa

Die Liste ist lang. Mit 14 Namen. Darunter unter anderem Adolf Hitler und Reichspräsident Hindenburg. Der letzte, der diesen Titel verliehen bekam, war Generalmajor Profatilow im Jahre 1985. „Das war Thema im Stadtrat vor einigen Jahren, aber auf Grund der Sächsischen Gemeindeordnung, mit der die Ehrenbürgerschaft mit dem Tode erlischt, ist dieses Thema vom Tisch“, sagt der Pressesprecher. Alle 14 Ehrenbürger sind verstorben. Neue Anträge gibt es indes nicht.

Gröditz

In der Röderstadt sind die Spuren vom einzigen Ehrenbürger Siegfried Richter nicht zu übersehen. Mit dem Hotel „Spanischer Hof“ und der Sanierung der Schwimmhalle sowie der Förderschule hat er sich Denkmäler gesetzt. Eine Mittelschule trägt seinen Namen. Insgesamt flossen rund 10 Euro aus seinem Vermögen in die Stadt. „Wenn nicht er, wer dann“, sagt Bürgermeister Andreas Bölke zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde 1992 an den einstigen Gröditzer, der vor drei Jahren starb.

Nünchritz

„Wir haben sogar zwei“, sagt Bürgermeister Udo Schmidt. Willy Wachtel und Erich Pinkert sind in dieser Gemeinde Ehrenbürger. Der eine für sein Engagement für den Nünchritzer Turnsport. Der andere wegen seiner Leistungen als Bürgermeister. Ob allerdings in der Liste der Ehrenbürger auch Namen auftauchen, die negativ mit der deutschen Geschichte in Verbindung gebracht werden und nachträglich den Titel aberkannt bekamen wie im Falle Walter Ulbricht und der Stadt Leipzig, bezweifelt Udo Schmidt: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Adolf Hitler diesen Titel hier noch trägt.“

Röderaue

Hier trägt einzig und allein Otto Türk die Ehrenbürgerschaft. Der ehemalige Kantor und Lehrer behält auch nach seinem Tod vor acht Jahren diesen Titel. Sein Bild hängt noch heute in der Gemeindeverwaltung. „Die Gemeinde kann nicht selbst einen Einwohner vorschlagen. Dies müssen, wie in diesem Falle, die Kirchgemeinde oder Vereine oder einzelne Bürger machen. Der Vorschlag muss ausreichend begründet werden und wird außerdem von uns geprüft. Schließlich muss der Gemeinderat darüber abstimmen“, erzählt Bürgermeister Lothar Herklotz.

Zeithain

Auch die Großgemeinde hat zwei Ehrenbürger in ihren Reihen. Dorothea Körnig und Karl Schöche. Beide sind als Ortschronisten in ihren jeweiligen Ortsteilen Kreinitz und Zeithain tätig. „Wir als Gemeinde sind sehr stark an ehrenamtlichem Engagement unserer Bürger interessiert“, sagt Bürgermeister Hannes Berger.

Ein neuer Antrag auf eine Ehrenbürgerschaft wird in der Verwaltung gerade bearbeitet. In Zukunft möchte die Gemeinde engagierte Einwohner mit einer Ehrenmedaille in drei Stufen auszeichnen. „Damit könnten wir besondere Leistungen auch kurzfristig belohnen“, so Hannes Berger. Der Plan muss allerdings noch im Gemeinderat beschlossen werden.

Strehla

Die Elbestadt hat noch keinen Bürger gefunden, dem diese Würde zuteil werden durfte. „Es hat sich einfach noch nicht ergeben“, sagt Hauptamtsleiterin Martina Knichale, „mir ist auch nicht bekannt, dass es einen Antrag dafür gegeben hat.“

Grossenhain

Vorsichtig geht Großenhain mit dem Titel „Ehrenbürger“ um. Er ist jahrzehntelang nicht mehr vergeben worden. Die Große Preuskermedaille kommt dem Ehrenbürger-Titel nahe. „Die haben wir aber auch noch nie verliehen“, so die Hauptamtsleiterin Claudia Drews. Stattdessen ehrt die Stadt Bürger für langjährige Dienste mit der Kleinen Preuskermedaille, die Bibliotheksgründer Karl Benjamin Preusker zeigt. „Mir war das Ganze nicht so richtig geheuer. Ich konnte kaum noch meinen Namen schreiben“, blickt Großenhains Feuerwehr-Urgestein Gerhard Rode zurück auf den Freitag im Januar dieses Jahres, als er unwissend ins Schloss gekommen war und von Bürgermeister Burkhard Müller die Kleine Preuskermedaille überreicht bekam – als Siebenter im Bunde. Die nächsten Verleihungen, so Claudia Drews, stehen bald an.

Andere

Die Gemeinden Hirschstein, Stauchitz und Wülknitz haben die Ehrenbürgerwürde noch nicht vergeben.