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Die Krone ist wieder schick und verkauft

In dem ehemaligen Gasthof und AWD-Klubhaus an der Gartenstraße sind jetzt 33 Wohnungen. Der Investor möchte dort weiterbauen.

Statt Ruine und Müll jetzt saniert und neu aufgebaut – das ehemalige Klubhaus der Arzneimittelwerker (vorher Gasthof Krone) an der Gartenstraße in Ost.
Statt Ruine und Müll jetzt saniert und neu aufgebaut – das ehemalige Klubhaus der Arzneimittelwerker (vorher Gasthof Krone) an der Gartenstraße in Ost. ©   Norbert Millauer

Radebeul. Wer dort lange nicht war, wird staunen. Der ehemalige Gasthof Krone, danach lange Jahre zu DDR-Zeiten das Klubhaus der Arzneimittelwerker, ist keine Ruine mehr. Das Gebäude ist jetzt ein Wohnhaus mit insgesamt 33 Wohnungen.

Alteingesessenen Radebeulern tat es richtig weh, wie der ehemalige Gasthof Krone an der Ecke Gartenstraße, Turnerweg im Osten der Stadt von Jahr zu Jahr mehr verfiel. Hier trafen sich einst viele aus der Stadt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Arbeiter zu Versammlungen mit heißen Diskussionen um Lohn und Arbeitsbedingungen. Danach war es der Kultursaal und die Essenversorgung der Madaus-Arzneimittelwerke, zu DDR-Zeiten das Klubhaus des Arzneimittelwerkes Dresden. Der Schwof im Ballsaal war der Beginn für manche heute noch bestehende Radebeuler Ehe.

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Seitdem das Arzneimittelwerk von der Treuhand Anfang der 1990er-Jahre zerschlagen und einzeln verkauft worden war, gab es keine Verwendung mehr für den Gasthof Krone. Udo Madaus, der Sohn einer der Gründer des Arzneimittelwerks, hat die Immobilie erst zurückgekauft und dann wieder verkauft. Heute ist eine auch in Dresden ansässige Firma namens Ventar Besitzer von Grundstück und Gebäude.

Und so zeigt sich der ehemalige Gasthof-Krone jetzt: Eine helle sandsteinfarbene Fassade, große Balkone und Terrassen und im Inneren Wohnungen zu Größen zwischen 46 und 109 Quadratmetern. Teils sind die Räume über zwei Etagen angelegt. Radebeuler werden sich noch an den großen Saal mit Bühne erinnern. Die Balken darunter und darüber waren alle nass und morsch. Nahezu alles musste der Bauherr, Uwe Herrmann mit der Firma Ventar, ersetzen. Mit neuen Statikberechnungen und entsprechenden Stahlträgern konnte die Kubatur der Krone erhalten bleiben.

Dort wo der große Saal war, ist jetzt ein Innenhof. 
Dort wo der große Saal war, ist jetzt ein Innenhof.  ©  Norbert Millauer

Dort, wo einst im Saal diskutiert, gegessen oder getanzt wurde, ist heute ein Atrium – ein nach oben offener Innenhof, von dem – wie in südlichen Ländern – die Zugänge zu den Wohnungen abgehen. Alles in hellen Farben gehalten, weiße Türen und Wände, teils weiße Treppen, atmet die Wohnanlage Großzügigkeit. Holzoptiklaminat, darunter Fußbodenheizung, die Bäder mit Duschen und Wanne, teils zwei in den größeren Wohnungen gehören dazu.

Es gibt zwei Treppenhäuser. Denen ist je ein Vorraum als Eingangsbereich vorgeordnet. Ursprünglich wollte Herrmann die ehemalige Eingangstür am Turnerweg, der Ostseite, und auch das Sgraffito von 1955 des Malers Hermann Glöckner darüber wieder einsetzen. Doch die Tür sei so verfault gewesen, dass eine neue hergestellt werden musste. Das Kunstwerk über der Tür gibt es auch nicht mehr. Herrmann: „Wir haben zwölfmal bei der Stadt angefragt, aber es hat niemand reagiert.“

Dabei stand das Relief unter Denkmalschutz. Geschaffen hat es der Dresdner Maler Hermann Glöckner, der zur Dresdner Gruppe „Der Ruf“ gehörte. Zwischen 1937 und 1955 schuf der Künstler allein in Radebeul sechs Reliefs und Zierschriften. Um das am Gasthof Krone zu erhalten, hatte sich sogar der ehemalige Generaldirektor der Dresdner Kunstsammlungen, Professor Werner Schmidt, mit Briefen an das Radebeuler Kulturamt eingesetzt. Vom Kulturamt wurde das Relief gesichert und eingelagert. Was damit nun passiert, ist offen.

Aus den Wohnungen an der Gartenstraße gibt es den Blick auf die ehemaligen Madaus-Werke und bis in die Weinberge.
Aus den Wohnungen an der Gartenstraße gibt es den Blick auf die ehemaligen Madaus-Werke und bis in die Weinberge. ©  Norbert Millauer

Zu den Wohnungen gibt es auf dem Grundstück 36 Stellplätze, einer davon behindertengerecht. Im ehemaligen Krone-Keller ist eine Tiefgarage für zwölf Stellplätze eingerichtet worden. Zur Wohnanlage gehört auch ein neuer Spielplatz. Die Geräte sind schon aufgestellt.

Inzwischen sind alle 33 Wohnungen verkauft. Herrmann nennt Quadratmeterpreise von um die 4.000 Euro, für die sich Käufer schnell interessiert hätten. Zwei Drittel der Wohnungen haben schon Mieter. Elf sind noch zur Miete zu haben. Die Preise, so Herrmann, sollen bei 9,50 Euro je Quadratmeter kalt liegen. Aber das bestimme jeder Besitzer selbst.

Herrmann und sein unternehmerischer Partner von der Ventar besitzen neben der Krone weitere Flächen entlang der Gartenstraße. Dort beabsichtigen sie, neue Mehrfamilienhäuser zu bauen. Wann das geschieht, ist noch offen. Die Fläche wird beräumt. Es müsse noch Gespräche mit der Stadt zur Planung geben, so Herrmann.

Auch liege noch immer das Angebot von Ventar zum Ausbau des Gasthofes Serkowitz für Wohnungen bei der Stadt. Eine Antwort darauf sei auch noch nicht erfolgt.

Herrmann und Ventar hatten bereits die Gebäude der ehemaligen Arzneimittelfabrik von Madaus auf der anderen Straßenseite saniert und dort Wohnungen eingerichtet. Während das Gebäude parallel zu den Bahngleisen und der Gasthof Krone einen hellen frischen neuen Putz haben, habe die Denkmalpflege-Behörde verlangt, den Putz des einen Flügels so zu belassen. Das Gebäude hebt sich damit unangenehm von den anderen ab.

Mit der Firma Ventar als Bauherr sind in Dresden und Umgebung in den letzten 20 Jahren 2.500 Wohnungen saniert und neu eingerichtet worden. Aktuell baut das Unternehmen an einem Vierseithof in Sora sowie am Schloss Dallwitz bei Priestewitz.

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