merken
PLUS Hoyerswerda

Die Kümmerin

Claudia Florian möchte in Hoyerswerda Oberbürgermeisterin werden.

Claudia Florian im Jürgen von Woyski-Park. „Das Lied vom Glück“ heißt die Gemeinschaftsarbeit, die beim Bildhauersymposium 1977 entstand.
Claudia Florian im Jürgen von Woyski-Park. „Das Lied vom Glück“ heißt die Gemeinschaftsarbeit, die beim Bildhauersymposium 1977 entstand. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Es ist warm im Jürgen-von-Woyski-Park in Hoyerswerdas Altstadt. Unter den großen, schattenspendenden Bäumen, weht aber ein laues Lüftchen. CDU-Oberbürgermeister-Kandidatin Claudia Florian hat den Park als Treffpunkt vorgeschlagen. Er weckt Kindheitserinnerungen. „Naja, sie hatte nie einen Fernseher. Und da saß sie hier mit anderen alten Damen und hat sich unterhalten.“ Die Rede ist von ihrer Großmutter Margarethe Skora. Wenn die Enkelin hinzukam, gab es schon mal Geld für ein Eis. Ein paar Meter die Friedrichsstraße hinab wurde die kühle Süßspeise verkauft.

Claudia Florian ist seit 55 Jahren Hoyerswerdaerin. Sie ist hier geboren und in der Altstadt aufgewachsen. Die Gegend hieß offiziell „Westrandbebauung An der Taube“. Ältere Hoyerswerdaer sagen noch heute „650 WE“ – für Wohneinheiten. Hier baute Claudia Florian mit anderen Kindern zwischen den Häusern Zelte, hier schmökerte sie in Büchern. „Ich war auch gern in der Buchhandlung in der Friedrichsstraße und in der Bibliothek“. Die Schule lag gleich im Viertel. Damals war es die Alfred-Scholz-Schule, bis vor wenigen Wochen die Oberschule „Am Stadtrand“. Als Stadträtin hat Claudia Florian an der Entscheidung mitgewirkt, dass das Gebäude künftig die Handrij-Zejler-Grundschule sein wird.

TOP Reisen
TOP Reisen
TOP Reisen

Auf ins Weite, ab in die Erholung! Unsere Top Reisen der Woche auf sächsische.de!

In den Woyski-Park hat die bisher ehrenamtliche Kommunalpolitikerin einen Einkaufskorb mitgebracht. Es gibt nicht nur Kekse, Wasser und Kaffee, sondern auch richtige Tassen, Löffel und Kaffeesahne. Es ist an alles gedacht. Claudia Florian, die Kümmerin? Sie lacht: „Das kann man so sagen. Ich habe mich immer als Dienende gesehen, nehme anderen gern mal etwas ab.“ Sie hatte ein prägendes Vorbild. Ihre Mutter, sagt sie, sei auch so gewesen.

Nach dem Schulabschluss begann eine Lehre. Schon da ging es ums Dienen, genauer ums Bedienen. Denn es war eine Ausbildung zur Verkäuferin für Papier- und Bürobedarf. Am Ende der Lehre stand die Bestnote. Eigentlich sollte sich ein Ökonomiestudium anschließen. Claudia Florian sagt, der Umstand, dass sie als aktive Christin einen Eintritt in die SED ablehnte, werde wahrscheinlich seine Rolle dabei gespielt haben, dass es den Studienplatz dann nicht gab. „Ich bin da aber gar nicht wehmütig. So, wie es gekommen ist, ist es gut.“

Kurz nach der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion wurden sie und ihr Mann Winfried, ein gelernter Elektriker, Jungunternehmer. Am 13. August 1990 öffnete fast genau gegenüber der Eisdiele aus der Kindheit „Florians Light-Center“, ein Elektrofachgeschäft. Es existierte bis 2004. Nicht nur sanken die Kundenzahlen und damit die Umsätze. Es waren außerdem die Dienste der Kümmerin an anderer Stelle gefragt. Denn das dritte Kind war unterwegs. „Ich habe zwei Wochen vor der Geburt noch das Geschäft ausgeräumt. Unter anderem deshalb habe ich immer noch hohen Respekt vor Selbstständigen.“ Drei Jahre widmete sich Claudia Florian daheim der Kindererziehung. Inzwischen studiert der älteste Sohn, während der jüngere in Berlin eine Firma führt. Die Tochter der Florians besucht das Lessing-Gymnasium.

Ehemann und Kinder sind bis heute sehr zentral: „Familie steht ganz oben. Denen muss es gut gehen.“ In der weiteren Verwandtschaft gibt es, wie das so ist, Leute, die Claudia Florian näher stehen als andere. Familiäre Schützenhilfe aus dem Rathaus scheint es jedenfalls nicht zu geben. Ihren Cousin, den aktuellen OB, hat man zumindest bisher noch bei keinem ihrer Wahlkampftermine gesehen.

Es war ein Minijob, der Claudia Florian in die „große Politik“ brachte. Der damalige CDU-Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche suchte jemanden für sein Bürgerbüro in der Senftenberger Straße. Claudia Florian hielt ihm – buchstäblich in dienender Funktion – im Wahlkreis vor Ort den Rücken frei. Das tat sie anschließend auch für andere CDU-Parlamentarier in Bund und Land, für Stanislaw Tillich, für Maria Michalk und zuletzt für Frank Hirche.

Etwa gleichzeitig wurde sie 2009 in den Stadtrat gewählt, nachdem sie zuvor schon ein Jahrzehnt als beratende Bürgerin im Schul-, Kultur- und Sozialausschuss des Stadtrates mitgewirkt hatte. Generell, sagt Claudia Florian, habe Hoyerswerda sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Man könne darauf stolz sein, steht gleich als erster Satz in ihrem Wahlprogramm. Dieses Gefühl findet sich auch im Slogan „Mit Stolz für Hoyerswerda“ wieder.

Beruflich führt die Kandidatin aktuell die Geschäfte beim sächsischen Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler. Sie kam damit zunächst über ihren letzten Chef Frank Hirche in Verbindung, der 2011 den Vereinsvorsitz übernahm. Auch hier kann Claudia Florian anderen Dinge abnehmen, mit denen diese nicht so gut klarkommen. Wenn die Ortsverbände Ratschläge und Unterstützung brauchen, sagt sie, stehe sie bereit. Andererseits seien die Schicksale der Betroffenen meist außerordentlich berührend. Sie höre älteren Menschen gern zu, wenn sie so erzählen.

„Nächstenliebe ist ein großes Thema“, sagt die Katholikin, wenn man versucht, herauszufinden, woher dieses Kümmerer-Gen wohl kommen mag. Der Turm der Kirche „Heilige Familie“ in der Karl-Liebknecht-Straße ist von der Bank im Jürgen-von-Woyski-Park aus gut zu sehen. Seit drei Jahrzehnten gehört Claudia Florian dem Kirchenvorstand an und kümmert sich für die Gemeinde sowohl um die Finanzen wie auch um das Kinderhaus Sankt Elisabeth im WK IV. „Die christlichen Werte als Fundament meines Handelns erinnern mich immer wieder daran, wie wichtig es ist, die Menschen zum Austausch einzuladen, ihnen zuzuhören sowie ihre Sorgen und Wünsche ernst zu nehmen“, heißt es im Wahlprogramm. Und wann kommt jemand, der die anderen nach vorn stellt, selbst zur Ruhe? Der sonntägliche Gottesdienst, sagt Claudia Florian, sei ihr sehr wichtig. Er gebe Halt und Struktur.

Mehr zum Thema Hoyerswerda