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Die Kunst, das Rathaus zu verschönern

Rathäuser sind keine Galerien. Dennoch hat sich das Heidenauer seit 1997 zu einer solchen entwickelt.

Von Heike Sabel

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Rathaus und Kunst, das gehört auf den ersten Blick nicht zusammen. Kunst schaut man sich in der Regel freiwillig und zum Vergnügen an, ins Rathaus geht man meist nur, wenn man muss. In Heidenau sind Kunst und Verwaltung, Kür und Pflicht, miteinander verbunden. Jährlich wechseln sich vier Ausstellungen ab. Malerei, Fotografie, Grafik stellen Schüler, Erwachsene, meist Laien, manchmal Profis, oft aus der Stadt, im Rathaus aus.

Jetzt sind es die beiden Heidenauer Monika Pollmer und Peter Iwanow, die bis Ende April ihre weit über hundert Arbeiten zeigen. Zur Eröffnung am Montagabend kamen so viele Gäste wie selten. Darunter auch einige aus dem Mal- und Zeichenzirkel von Klaus Drechsel, der ebenfalls anwesend war. Einige Bilder der beiden Senioren sind ein besonderer Stadtrundgang. Vor manchem Bild bleiben die Besucher stehen und überlegen, wo und was das ist. Manchmal ist das nicht schwer erkennbar, wie beim Kino und beim Bahnhof Süd, manchmal tragen die Bilder auch gewaltige Namen wie „Grabenverbauwände I, II, III, IV“. Laudatorin Dr. Jördis Lademann nennt es „Entdeckungen mitten aus dem Alltag“.

Jährlich vier Wechsel

Viele ruinöse Zeugnisse der Industriegeschichte sind dabei. Nicht unbedingt Bilder, die ein Bürgermeister gern seinen Besuchern zeigt. Jürgen Opitz (CDU) freut sich trotzdem über die Ausstellung. Er betrachtet die Kunstwerke als Aufwertung des Verwaltungsgebäudes, dem sie damit ein buntes Antlitz geben.

Die Idee zu den Ausstellungen im Rathaus hatte 1997 der damalige Archivar Dietmar Diener, der auch diesmal zur Eröffnung wiederkam. Zunächst gab es jährlich vier Ausstellungen in Alt- und Containerbau. Während des Umbaus des Rathauses von 2011 bis 2013 pausierten die Ausstellungen im Altbau, die im Container sind seit dessen Abbau 2013 Geschichte.

Ausstellungen im Rathaus gibt es auch in Dohna mittlerweile schon fast sechs Jahre, die auch jetzt während der Sanierung des Rathauses im Ersatz-Container weitergeführt werden. In Dohna kam die Idee von der ortsansässigen Künstlerin Brigitta M. Arnold, die auch Vorsitzende des Kunstvereins Sächsische Schweiz ist. Sie will Künstlern, in der Regel Laien aus der Region, eine Gelegenheit zum Ausstellen geben. Dem fühlen sich auch die Heidenauer verpflichtet. Die nächste Ausstellung werden so Teilnehmer von Volkshochschulkursen gestalten, sagt Andreas Meschke vom Kunstverein Pechhütte. Der gestaltet die Ausstellungen in Abstimmungen mit der Stadt.

Monika Pollmer und Peter Iwanow freuten sich über das Angebot, Bilder ausstellen zu dürfen. Immerhin sind sie vor Jahren in sein Heidenauer Elternhaus gezogen und nun Einwohner. Am Ende sind beide Maler von der Resonanz am Montagabend überrascht. Peter Iwanow vergisst bei seinem Dank glattweg, Andreas Meschke zu erwähnen. Der reagiert gelassen, das ändere aber nichts an der weiteren Zusammenarbeit mit der Stadt.

Wer übrigens grübelt, wo denn in Heidenau das Original der gemalten Villa Sonnenköpfchen ist, hat nichts übersehen: Die Villa befindet sich in Dresden-Rockau, sagt Peter Iwanow jedem, der an sich zweifelt.

Ausstellung im Heidenauer Rathaus zu den Öffnungszeiten, zu sehen bis 24. April

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