SZ +
Merken

Die Landwirtschaft hinkt fast einen Monat hinterher

Im Juni hat es bisher doppelt soviel geregnet wie sonst in einem ganzen Monat. Die Landwirte hoffen nun auf eine Trockenperiode.

Teilen
Folgen

Von Sylvia Mende

Wer kennt es nicht, das Sprichwort: „Ist der Mai kühl und nass, füllt es den Bauern Scheun und Fass.“ Ob das wirklich so stimmt, wird sich noch herausstellen, meinten die Landwirte beim Feldtag in Salbitz. Zu diesem hatte das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eingeladen.

„Die Saaten sind gut über den Winter gekommen. Die Vegetationsperiode hat allerdings erst am 28. April begonnen. Das ist 28 Tage später als üblich. Und es gab bisher zu wenig Sonnenstunden“, sagte Petra Voigtländer, Versuchstechnikerin im Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Der Boden sei übersättigt und die Landwirte hoffen auf eine Trockenperiode, „damit wir ordentlich was im Sack haben“, so Petra Voigtländer weiter. Nach den Worten von Dr. Eberhard Bröhl, dem Abteilungsleiter Pflanzliche Erzeugung, wird in diesem Jahr wieder eine überdurchschnittliche Ernte mit 46,2 Millionen Tonnen erwartet. Und das, obwohl etwa vier Prozent der landwirtschaftlichen Flächen überschwemmt sind. Die Preise seien zurzeit sehr schlecht. „Es kann jeder Landwirt froh sein, der bereits Verträge zu guten Konditionen abgeschlossen hat. Wir werden sehen, wie sich der Markt entwickelt“, so der Abteilungsleiter Pflanzliche Erzeugung.

Ausgleich für entgangenen Ertrag

Bröhl sprach davon, dass die Landwirte künftig mehr für die Bodendiversität, also für die Artenvielfalt, unternehmen müssten. Eine Möglichkeit ist die Blühwiese. Dabei handelt es sich um einen wertvollen Lebensraum in der Feldflur. Die Wiesen, auf denen unter anderem Öllein, Luzerne, Kornblumen, Klatschmohn und Kamille wachsen, haben ein attraktives Pollen- und Nektarangebot für Insekten wie die Honig- und Wildbiene oder die Schwebefliegen. Außerdem bieten die Wiesen auch Wildtieren wie Rebhuhn, Feldhase oder Fasan einen Rückzugsraum.

Der Freistatt Sachsen fördert die Aussaat von Blühmischungen über Agrarumweltmaßnahmen. „Das ist notwendig, um den entgangenen Ertrag, den die Landwirte sonst auf dieser Fläche erzielt hätten, auszugleichen“, sagte Henning Stahl vom Landesamt.

Ab dem Jahr 2015 könnte es sogar sein, dass Landwirte, die eine Direktzahlung von der EU bekommen, fünf Prozent ihrer Fläche als ökologische Vorrangfläche ausweisen müssen.