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Die Lautex wird abgerissen

Der neue Eigentümer will einen Solarpark anlegen. Der markante Lautex-Turm bleibt stehen.

Von Birgit Ulbricht

Von der Radeburger Straße ist nichts zu sehen, aber im Gelände der ehemaligen Lautex wird klar: Das einst traditionsreiche Industriegebäude fällt. Der Bagger greift Stück für Stück in den markanten Ziegelbau aus dem 18. Jahrhundert, reißt Träger und Holzbalken heraus und legt sie schon vorsortiert auf große Haufen ab. Bis auf den bekannten Turm und das Hauptgebäude soll alles verschwinden. Das Areal hat einen neuen Besitzer – Klaus Hilla von der FBS Solarprojekt Rackwitz. Der Mann ist in Großenhain kein Unbekannter. Er hat bereits als Bauleiter beim Großprojekt Papierfabrik seinen Einstand gegeben, und das offenbar überzeugend. Stadtbaudirektor Tilo Hönicke zeigte sich gestern jedenfalls zufrieden, wie die Firma dort mit den illegal vergrabenen Reifen umgegangen war. Zur Erinnerung: Anfang der 1990er Jahre wurden wie in einem riesigen Flächensilo hinter der Papierfabrik Lkw- und Autoreifen vergraben. Nicht nur die Russen, auch Großenhainer Autohäuser waren dabei günstig Reifen losgeworden. Der Firma blieb beim Abriss der Papierfabrik nichts anderes übrig, als den gesamten Altfund fachgerecht entsorgen zu lassen.

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In der Lautex erwartet das Unternehmen nun keine größeren Überraschungen. Zwar gab es in der Industrieruine einen Raum, in dem Fässer mit Chemikalien standen – andere Altlasten sind indes nicht bekannt, heißt es. Allerdings ist die Stadt gerade wegen dieser Altlasten froh, dass jemand das Gelände aus der Zwangsversteigerung herausgekauft hat. Denn auf 3,5 Hektar soll nun ein Solarpark mit einer Leistung von zwei Megawatt entstehen. Der entspräche damit in etwa dem Solarpark an der Papierfabrik. Für Stadtbaudirektor Tilo Hönicke ist das zwar keine Wunsch-Nutzung, aber so sagt er, „es gibt baurechtlich keinen Grund, das nicht zu genehmigen.“ Sprich, die Stadt musste den Solarpark befürworten. Ein Problem hat sie damit allerdings nicht. Denn, so Hönicke, jetzt wird wenigstens Ordnung auf dem Lautex-Gelände und was in 15 oder 20 Jahren ist, müsse man sowieso sehen. Ähnlich war die Stadt auch am ehemaligen Citycenter vorgegangen, wo die alte Schuhfabrik abgerissen und eine Blumenwiese angelegt wurden. Irgendwann könnte die Stadt das Areal an der Röder bei Bedarf als neuen Wohnstandort ausweisen. Doch bis zu einer möglichen anderen Nutzung sind die Flächen ordentlich. Der Aspekt war auch den Anwohnern so viel Wert, dass sie die Pflege der Blumenwiese mit übernehmen. Zu solchem Engagement wird es nun im Mischgebiet an der Lautex nicht kommen, aber vielleicht eröffnen sich so auch ganz neue Perspektiven für Mittelständler.

Das Kapitel Gernot Göschel scheint damit jedenfalls geschlossen. Ihm gehörte bislang die Lautex. Der Chef einer Frankfurter Marketing-Organisation hatte von den Erben der einstigen Aktionäre der Gebrüder-Jentzsch AG die Restitutionsansprüche übernommen. Nach dem Zusammenbruch der Ost-Märkte hatte das Unternehmen neue Produktnischen gesucht und zum Teil auch gefunden. Doch 1995 waren in größerem Stil Kündigungen ausgesprochen worden. Schließlich machte die Lautex endgültig dicht. Die Zwangsversteigerung ist wegen ausstehender Grundsteuern zustande gekommen.